Tierische Schicksale

Buddy, Mr. Fu und Hildegart: Warum haben es Tier-Senioren so schwer?

Während jeder am liebsten einen Welpen hätte, haben es ältere Tiere in Deutschlands Tierheimen oft schwer – sie werden zu Ladenhütern, die niemand adoptieren möchte.

Lesezeit 4 Min
Mr. Fu (links) und Buddy suchen momentan ein neues Zuhause - sie sind im Tierheim Berlin untergebracht.

Mr. Fu (links) und Buddy suchen momentan ein neues Zuhause - sie sind im Tierheim Berlin untergebracht.

© Tierheim Berlin

Seit Jahren berichte ich aus der Welt der Tiere – und stoße dabei immer wieder auf ein Phänomen, das mich einfach traurig macht: Wenn man sich anschaut, welche Tiere in Deutschlands Tierheimen untergebracht sind, fallen vor allem die älteren auf. Und das hat einen Grund: Wer sich einen Hund anschaffen möchte, der träumt meist von einem Welpen. Ein junger Hund oder eine junge Hündin ist gefragt, möglichst fit, verspielt und agil – mit einem Charakter, der sich noch formen lässt. Und was ist mit den Hunde-Omis und -Opis? Die werden zu Ladenhütern.

Tier-Senioren werden leider oft besonders schwer vermittelt

Zuletzt stieß ich wieder verstärkt auf Tier-Senioren, wenn ich mich beispielsweise durch die aktuelle Datenbank des Berliner Tierheims klickte. Aktuell ist es beispielsweise der Fall von Hildegart, der mich traurig macht: Die Jagdhund-Mix-Dame wurde 2013 geboren, gehört damit zu den älteren Bewohnern des Tierheims. Für sie wird ein Hospiz-Platz gesucht – das heißt: Der Ort, an dem sie eines Tages friedlich sterben kann. Hildegart leidet altersbedingt nämlich an verschiedenen Erkrankungen, hat unter anderem einen Tumor an der Milz, der aufgrund ihres Alters aber nicht mehr operiert wird. Nun wird für sie ein Zuhause gesucht – bei lieben Herrchen oder Frauchen, die der süßen Hündin ein letztes Mal ein Körbchen zum Zusammenrollen schenken.

Oder Alfred: Erst kürzlich berichteten wir auch im KURIER über den wirklich bezaubernden Rüden – laut Tierheim ein „älterer Herr, der mit seiner grauen Schnauze und viel Lebenserfahrung überzeugt“. Seine Geschichte schockte mich besonders. Denn: Für Alfred meldeten sich laut Tierheim in der Vergangenheit schon mehrere Interessenten, die aber immer wieder absagten. Der Grund: Sie fanden sein Äußeres nicht ansprechend genug. Alfred gehört der Rasse Französische Bulldogge an – und ich finde ihn niedlich. Dass er im Tierheim sitzen muss, weil potenzielle Halter ihn nicht hübsch genug finden, macht mich traurig.

Mr. Fu wurde 2007 geboren - und lebt bereits seit dem Jahr 2009 im Tierheim Berlin.

Mr. Fu wurde 2007 geboren - und lebt bereits seit dem Jahr 2009 im Tierheim Berlin.

© Tierheim Berlin

Oder Buddy: Der Golden-Retriever-Mix kam über eine amtliche Sicherstellung ins Tierheim. Er bringt nicht nur ein stattliches Alter, sondern auch eine traurige Geschichte mit: „Er wurde misshandelt, musste unter furchtbaren Bedingungen leben und tierschutzwidrige Erziehungsmethoden ertragen“, heißt es in seinem Steckbrief. „Seinen ehemaligen Besitzer hat er schwer verletzt. In seinem Leben ist bisher wirklich alles schiefgelaufen, was schieflaufen kann.“ Er wird selbstverständlich nur an Menschen vermittelt, die schon Erfahrung mit schwierigen Hunden haben.

Trauriger Hunde-Opa: Mr. Fu sitzt bereits seit dem Jahr 2009 im Tierheim Berlin

Oder Mr. Fu: Der Terrier-Mix-Rüde ist laut Tierheim ein kleiner Rabauke, aber auch ein sehr personenbezogener Hund, der seine Bezugsperson auch stark beschützt, Fremden gegenüber soll er sehr misstrauisch sein. „Für Mr. Fu suchen wir ein ruhiges Zuhause bei gelassenen, hundeerfahrenen Menschen ohne Kinder, die in ländlicher Umgebung leben“, heißt es auf der Website des Tierheim Berlin. Besonders tragisch finde ich, dass der kleine Hund auch nach Jahren nicht vermittelt werden konnte. 2007 wurde Mr. Fu geboren, seit 2009 lebt er im Tierheim. Seit fünfzehn Jahren.

Buddy hat eine schlimme Vergangenheit, wurde von seinem Vorbesitzer misshandelt. Auch er würde sich über ein neues Zuhause freuen.

Buddy hat eine schlimme Vergangenheit, wurde von seinem Vorbesitzer misshandelt. Auch er würde sich über ein neues Zuhause freuen.

© Tierheim Berlin

Es ist so schade, dass ältere Hunde und Hündinnen nur seltener eine Chance bei den Menschen bekommen. Dabei bringen Sie auch Vorteile mit. Immer wieder zitiere ich gern, was die Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“ dazu einst mitteilte. Nicht nur, dass die Ausbildung schon abgeschlossen ist und die Grundkommandos in den meisten Fällen sitzen, was für viele Halterinnen und Halter eine echte Erleichterung sein kann.

Ältere Tiere haben die wunderbare Fähigkeit, sich an vermeintlich kleinen Dingen zu erfreuen. Sie genießen gutes Futter, ihr eigenes Plätzchen, Ruhe und die pflegende Aufmerksamkeit ihrer Menschen“, sagt Sarah Ross, Heimtier-Expertin. „Die Reife und das ruhige Naturell eines Seniors sorgen für ein entspanntes Zusammenleben. Nicht selten werden Halterinnen und Halter von ihrem Senior mit tiefer Dankbarkeit und Liebe überschüttet.“ Ich hoffe, dass noch mehr ältere Tiere schon bald ihre Liebe an liebevolle Halterinnen und Halter weitergeben dürfen – und dass die traurigen Hunde-Omis und -Opis bald eine Chance bekommen.

Florian Thalmann schreibt jeden Mittwoch im KURIER über Tiere.
Kontakt in die Redaktion: wirvonhier@berlinerverlag.com 
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