Ostsee

Der tote Wal vor Anholt war Timmy: DNA-Proben passen zu 99,91 Prozent

Monatelang war umstritten, ob der Kadaver vor Anholt wirklich der berühmteste Wal der Ostsee war. Ein Gutachten aus Göttingen beendet den Streit jetzt.

Foto von Autor/Autorin: Tobias Esters
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Der tote Buckelwal liegt im flachen Wasser vor Anholt, während Helfer ihn mit einem Bergungsseil sichern – die genetische Bestätigung, dass es Timmy ist, kam Monate später.

Der tote Buckelwal liegt im flachen Wasser vor Anholt, während Helfer ihn mit einem Bergungsseil sichern – die genetische Bestätigung, dass es Timmy ist, kam Monate später.

© Marcus Golejewski/dpa

Der Buckelwal, der am 14. Mai tot vor der dänischen Insel Anholt im Kattegat trieb, war Timmy. Zu diesem Ergebnis kommt Bertram Brenig, Genetiker an der Universität Göttingen, in einem vierseitigen Untersuchungsbericht. Die BILD-Zeitung berichtet exklusiv über das Papier, das ihr nach eigenen Angaben vorliegt. Offiziell vorgestellt werden soll das Ergebnis erst am 11. September.

Für die Analyse musste die DNA nach China

Um zu verstehen, warum es überhaupt so weit kommen musste, hilft ein Blick auf die Herkunft der Proben. Die erste stammt vom 1. Mai. Sie fiel an, als dem noch lebenden Tier auf der Transport-Barge der Sender angebracht wurde – ein Stück Gewebe, das beim Setzen des Trackers herausgeschnitten wurde. Die zweite wurde am 18. Mai dem Kadaver auf Anholt entnommen, von einem Mitglied der privaten Initiative, und anschließend selbst nach Deutschland gebracht.

Analysiert wurde beides in China. Deutsche Einrichtungen hätten den Auftrag nicht übernehmen wollen, hieß es aus dem Umfeld der Initiative.

Und die Vergleichsprobe von der Barge? Sie lagerte laut BILD längere Zeit in einer Box auf dem Gang eines Begleitschiffs. Wie genau sie entnommen wurde, ob sie verunreinigt war ist offen.

Der Wal Timmy Hope wurde in einer schwimmenden Barge in den Atlantik gebracht.

Der Wal Timmy Hope wurde in einer schwimmenden Barge in den Atlantik gebracht.

© Philip Dulian/dpa

Die Tierärztin Kirsten Tönnies, die die Rettungsaktion begleitet hatte, lud Ende Juli zu einer Pressekonferenz nach Hamburg. Vor Journalisten, Kamerateams und Tausenden im Livestream sollte die DNA endlich Klarheit schaffen. Sie schuf allerdings das Gegenteil.

Die beiden Proben, so Tönnies damals, unterschieden sich so stark, dass sie kaum von demselben Tier stammen könnten – an einer Stelle sogar so stark, dass die Frage nach der Tierart im Raum stand. Zur Bewertung der Daten fehle ihr selbst die Fachkenntnis, räumte sie ein. Die Fachleute, die ausgewertet hatten, wollten nicht öffentlich auftreten.

Plötzlich hatte Timmy eine Schwester

Für alle, die den Tod des Wals nie glauben wollten, war das die Steilvorlage des Sommers. Vielleicht eine Schwester. Vielleicht ein Verwechslungsfall. Vielleicht lebt sie noch irgendwo da draußen.

Kirsten Tönnies bei ihrer Pressekonferenz am 22. Juli in Hamburg: Die Tierärztin trägt einen Buckelwal-Anhänger.

Kirsten Tönnies bei ihrer Pressekonferenz am 22. Juli in Hamburg: Die Tierärztin trägt einen Buckelwal-Anhänger.

© Marcus Brandt/dpa

Was der Hamburger Veranstaltung fehlte, war die fachliche Einordnung der Rohdaten. Die hat Brenig im Auftrag von Tönnies nachgeholt. Der Göttinger Professor verglich beide Datensätze bioinformatisch, nachdem er sie nach den üblichen Qualitätsstandards bereinigt hatte. Als Maß diente ihm die sogenannte IBS-Distanz – ein Wert dafür, wie viele Genabschnitte zwei Proben teilen. Ergebnis laut BILD: 99,91 Prozent.

Brenig schränkt in seinem Bericht ausdrücklich ein, dass er die Proben nicht selbst in der Hand hatte und nichts über ihre Herkunft sagen kann. Die Daten aus dem chinesischen Labor bewertet er als von guter Qualität.

Timmy war ein Mädchen

Brenigs Auswertung bestätigt für beide Proben ein weibliches Tier – aber die Obduktion am Strand von Anholt hatte das bereits am 4. Juni ergeben.

Timmys Geschichte begann am 3. März im Hafen von Wismar, führte über Wochen auf einer Sandbank vor Poel und endete am 2. Mai mit einer weltweit beispiellosen Freilassung im Skagerrak. Zwölf Tage später war das Tier tot.

Das Deutsche Meeresmuseum verweist darauf, dass Buckelwale seit Jahrzehnten seltene, aber regelmäßige Gäste in der Ostsee sind. Die Zahl der Sichtungen in diesem Jahr ist trotzdem auffällig.

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