Es ist eine Diagnose, die, einmal gestellt, jeder Frau zunächst den Boden unter den Füßen wegzieht. Brustkrebs! Jährlich erkranken etwa 70 000 Frauen neu. In Berlin werden in jedem Jahr etwa 2300 Erstdiagnosen gestellt. Die Ärzte gehen nach und nach dazu über, Brustkrebs schonender zu behandeln.
Die Operation: „Heutzutage ist eine Operation immer dann notwendig, wenn anhand von Mammografie beziehungsweise Ultraschalluntersuchung Veränderungen der Brust festgestellt werden, die den Verdacht auf Krebs oder Krebsvorstufe nahe legen“, erklärt Prof. Michael Untch, Chefarzt der Frauenklinik am Helios Klinikum Berlin-Buch und Leiter des Interdisziplinären Brustzentrums.
In dieser Situation wird eine Biopsie in lokaler Betäubung unter bildgebender Kontrolle durchgeführt. Erst wenn die Diagnose Krebs oder Krebsvorstufe aus einer solchen Biopsie gesichert ist, wird zur OP geraten. Prof. Untch: „Die Patientin wird vorher ausführlich über die Therapiemöglichkeiten aufgeklärt, über alle Risiken und Nebenwirkungen. Die Befunde werden in einer gemeinsamen Konferenz mit Operateuren, Pathologen, Radiologen, Strahlentherapeuten, Psychoonkologen und Brustkrankenschwestern besprochen.
Die Patientin wird in einer präoperativen Sprechstunde vorstellig, in der sie alle ihre Fragen stellen kann. Danach erfolgt das Narkosegespräch mit dem Anästhesisten.“
Am Tag der OP wird eine Darstellung der Wächterlymphknoten in der Nuklearmedizin vorgenommen, so dass man während der Operation nur den markierten Lymphknoten entfernt.
„In vielen Fällen, bei denen der Befund nicht tastbar ist, wird die Markierung des Befundes in der Brust durch die Radiologen vorgenommen“, erklärt Prof. Untch.
Vor der Einleitung der Narkose wird ein sogenanntes „team time out“ gemacht: Es wird noch mal überprüft, um welche Patientin es sich handelt, welche Seite operiert werden soll, ob alle Aufklärungen unterschrieben sind, welche OP genau geplant wird, wie lange diese dauern wird und mit welchem Blutverlust man rechnet. Erst danach wird die Narkose gemacht und die OP begonnen.
Risiken: Nachblutungen beziehungsweise Infektionen im Wundgebiet kommen in etwa fünf Prozent der Fälle vor. In etwa 15 Prozent der Fälle muss eine Woche bis zehn Tage nach Operation erneut nachgeschnitten werden, wenn in der Pathologie festgestellt wird, dass die Ränder des entfernten Gewebes von Tumor befallen sind. Dies kann jedoch fast immer eine Entfernung der Brust vermeiden.
Nach der Operation: Die Patientin kann meist schon am selben Tag aufstehen, hat einen Verband um, bekommt bei Bedarf Schmerzmittel. Die Drainagen werden im Wundgebiet belassen, so lange sie Wundsekret fördern. Das sind im Regelfall 3 bis 4 Tage.
Was gibt es Neues? Studien zeigen, dass es zunehmend weniger Brustentfernungen und radikale Operationen in der Achselhöhle gibt.
Zu neuen Therapie-Techniken gehört die intraoperative Bestrahlung entweder mit Photonen oder Elektronen. Mit einem hochmodernen Gerät wurden seit 2 1/2 Jahren bereits über 300 Patientinnen erfolgreich im Helios Klinikum Berlin-Buch behandelt. Ein Photonengerät (Intrabeam) ist seit einem Jahr im Helios Klinikum Bad Saarow in Betrieb. „Unmittelbar nach Entfernung des Tumors und noch im OP-Saal zu bestrahlen, ist aus tumorbiologischer Sicht sehr effektiv. Die verbliebenen Tumorzellen im Tumorbett haben somit keine Zeit, sich weiter zu teilen und zu vermehren. Die intra-operative Bestrahlung direkt im OP erspart den Frauen außerdem zwei Wochen Bestrahlung nach der OP“, erläutert Prof. Untch.
„Ferner gibt es neue Medikamente wie Nab Paclitaxel (Abraxane), mit dem wir gerade hoch aggressiven Brustkrebs besser behandeln können.“
Es laufen Studien bei Frauen mit dem höchst aggressiven dreifach negativen Mammakarzinom, die erstmals zielgerichtet mit sogenannten PARP-Inhibitoren therapiert werden. Und: Es gibt neue Substanzen bei hormonrezeptorpositivem Brustkrebs, sogenannte Cyclin d4 d6 Inhibitoren (Palbociclib).
Außerdem wird zu Bewältigung einer Krebserkrankung immer mehr auf psychoonkologische Beratung und Betreuung der Angehörigen gesetzt. Adressen gibt es unter www.krebsinformationsdienst.de
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