Eine autonome Gruppe mit dem Namen „Vulkan OK“, die sich selbst als Klimaschützer bezeichnet, hat sich zu dem Brandanschlag auf das Berliner Schienennetz in Karlshorst in der Nacht zu Montag bekannt. Ob das Schreiben echt ist oder nicht, konnte die Polizei zunächst nicht mit Sicherheit sagen. Dennoch wurde die Echtheit des Bekenntnisses der Linksautonomen vor allem aus politisch linken Kreisen bezweifelt – auch von Monika Herrmann (Grüne), Bezirksbürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg.
Eine Aktivistengruppe namens „Vulkan OK“ will hinter dem Brandanschlag stecken
„Bin etwas skeptisch, was die angeblichen Täter betrifft“, schrieb Herrmann am Montagabend auf der Facebook-Seite dem Berliner KURIER. Und auf der Twitter-Seite des Tagesspiegels fügte sie hinzu: „Kann auch eine bewusste Diskreditierung der Bewegung sein.“ Mit ihrer Skepsis ist Herrmann nicht alleine: Dutzende Menschen, die politisch dem linken Spektrum zuzuordnen sind, bezweifeln, dass es tatsächlich radikale Klimaschützer waren, die in der Nacht zu Montag mehrere Kabel in der Nähe des S-Bahnhofs Karlshorst angezündet und so für einen stundenlangen Ausfall der S3 gesorgt hatten.
Mitarbeiter reparieren die Kabelschäden nach dem Anschlag auf Kabelanlagen der Bahn im Großraum des S-Bahnhofes Karlshorst.
© Oberst
Dass sie hinter dem Anschlag steckt, behauptet eine angebliche Aktivistengruppe mit dem Namen „Vulkan OK“ auf der linken Internetseite Indymedia. Die Verfasser des dort veröffentlichten Bekennerschreibens betonen, dass sie sich der Bewegung Fridays for Future „zugehörig“ fühlen. Dass sie als Klimaschützer das umweltfreundliche Verkehrsmittel Bahn angreifen, habe übergeordnete strategische Gründe.
Zu einem Generalstreik, wie er von Fridays for Future gefordert werde, gehörten „auch Blockaden und feurige Sabotageaktionen“, die „wirtschaftliche Interessen in Frage“ stellen. Es gehe darum, „die wirtschaftlichen Aktivitäten zum Stillstand zu bringen“, so die Gruppe. Man habe „sowohl arbeitende Pendler_innen auf dem Weg zur Arbeit ausgebremst als auch den Reiseverkehr zum Flughafen gezielt angegriffen“.
Vorsitzender der CDU-Fraktion wirft Monika Herrmann Verharmlosung vor
Der FDP-Innenpolitiker Marcel Luthe zeigte sich am Dienstag verwundert über die Echtheitsdiskussion und insbesondere über die öffentlich geäußerten Zweifel der Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann. „Bezweifeln kann man je nach psychischer Verfassung fast alles“, sagte Luthe dem Berliner KURIER auf Anfrage.
Wer sich mit den Strukturen radikaler Klimaschutzgruppen wie zum Beispiel Extinction Rebellion auskenne, müsse an der Echtheit des Bekennerschreibens weniger Zweifel haben. „Deren erklärtes Ziel ist es, das öffentliche Leben in Berlin lahmzulegen und einen ,Systemwandel einzuleiten‘ – für mich ein Angriff mit Ansage auf die freiheitlich-demokratische Grundordnung“, so Luthe am Dienstag.
Der Vorsitzende der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus, Burkard Dregger, wirft Bezirksbürgermeisterin Herrmann Verharmlosung vor. Ihre öffentlich geäußerten Zweifel an der Echtheit des Bekennerschreibens seien „ein weiterer Versuch, von der Gewaltbereitschaft linker Extremisten abzulenken“, sagte Dregger dem Berliner KURIER. Man müsse sich fragen, „warum Frau Herrmann linke Extremisten immer deckt“.
Brandanschlag auf die S-Bahn wird von allen politischen Lagern verurteilt
Die Klärung der Echtheitsfrage ist Aufgabe der Polizei. Die Pressestelle der Behörde teilte am Dienstagnachmittag mit, dass das Bekennerschreiben höchstwahrscheinlich echt sei. Der Staatsschutz habe den Text untersucht. Bei einer Echtheitsprüfung werden Sprache und logischer Aufbau eines Schreibens analysiert. Die Polizei geht zum Beispiel der Frage nach, ob der Sprachstil szenetypisch ist. Eine übertriebene und künstlich wirkende linkspolitische Diktion würde eher für eine Fälschung sprechen. Ein Hinweis auf Echtheit wäre eine ausführliche Tatbegründung. Linke Aktivisten legen meist großen Wert darauf, ihre Motive darzulegen.
Anschläge der autonomen Szene auf städtische Infrastrukturen sind keine Seltenheit. Im vergangenen Jahr gab es Angriffe auf Kabelstränge der S-Bahn an der Mörschbrücke, am Treptower Park und am Ostkreuz – stets mit der Begründung, das Wirtschaftsleben lahmlegen zu wollen.
Diese Gewalt wird von allen politischen Lagern verurteilt. Auch Monika Herrmann schrieb auf der Facebook-Seite dem Berliner KURIER: „Wie auch immer, eine idiotische Aktion“. Auf eine am Dienstag gestellte Anfrage mit der Bitte, ihre Aussagen näher zu erläutern, antwortete Herrmann bis Redaktionsschluss nicht.
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