Eine kleine Wohnung im Zentrum von Berlin. Schwarze Kerzen brennen auf einem Altar, es riecht nach Weihrauch. Lilith Desideria B. sitzt auf der Couch, ihre Augen leuchten. Die 37-Jährige hat Durst – auf frisches Blut!
Langsam ritzt sie mit einer scharfen Rasierklinge einen tiefen Schnitt in den Unterarm von Freundin Arkania (28), öffnet die Wunde mit den Fingern, schaut gierig auf das Blut. Dann setzt sie an, saugt an der offenen Wunde, trinkt den roten Lebenssaft. „Es schmeckt metallisch“, sagt sie. Und genießt. „Ich fühle nur absolute Stille, Ruhe, Frieden. Wie eine Droge, nur viel intensiver.“
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Eine Wave-Gotik Besucherin läuft durch die Leipziger Innenstadt. Jedes Jahr zu Pfingsten erobern schwarzgekleidete Menschen Leipzigs Straßen.
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Bei einem Sex-Abenteuer tauchte Lilith B., die dem Vampyr-Kult angehört, in den Blut-Rausch ein. Sie war damals 13 Jahre alt, noch ein Mann, lebte homosexuell. „Es war mit einem meiner früheren Partner. Wir waren zu stürmisch, er verletzte sich und es kam Blut in meinen Mund.“ Für B. veränderte sich die Welt. „Meine Sinne verschärften sich“, sagt sie. „Ich hörte intensiver, sah alles wie durch einen roten Schleier. Gleichzeitig fühlte ich mich, als wäre ich in Watte eingepackt.“
Geboren wurde die heute 37-Jährige in Griechenland, später nach Deutschland adoptiert. Sie wuchs in einem konservativen Dorf in der Nähe von Kaiserslautern auf, Mutter und Vater waren streng religiös. „Ich kam mit meinen Eltern nicht klar, sie mit mir auch nicht“, sagt sie. „Irgendwann schmissen sie mich raus.“ Sie kam nach Berlin, wurde Mitglied der schwarzen Szene, ließ sich zur Frau operieren.
Mit der Zeit wurde die Gier nach Blut größer – inzwischen ist B. süchtig, trinkt jede Woche ein Glas Blut, schöpft daraus Energie. „Wenn ich längere Zeit nicht trinke, habe ich Entzugserscheinungen“, sagt sie. Magenkrämpfe, körperliche Ausfälle, Aggressivität. „Ich sehe dann in der U-Bahn keine Menschen mehr, sondern nur noch pulsierende Adern.“ Doch Gefahr für andere Menschen droht nicht, sagt sie. Spender aus ihrem Freundeskreis versorgen sie mit Blut.
Wenn sie trinken will, zieht sie sich Blut mit einer Spritze aus den Adern des Spenders, füllt es in einen Kelch. Das funktioniert aber nicht immer, manchmal muss B. zur Klinge greifen. „Das passiert aber alles freiwillig“, sagt sie. „Von uns geht keine Gefahr aus. Ich würde nie jemanden verletzen, wenn er es nicht will.“ Auch sonst trinkt Lilith B. nicht von jedem. Ein Bluttest ist Pflicht. „Ich will mich ja nicht mit Krankheiten anstecken, nur weil ich hungrig bin.“
Von den „Vampiren“ aus Filmen und Büchern unterscheiden sich die echten „Vampyre“ nicht nur in der Schreibweise. Das Klischee: Diese Wesen leben länger, sind unsterblich und stärker als andere Menschen. Lilith B.: „Alles Quatsch! Wir sind eigentlich ganz normale Menschen, die nur Lust auf Blut haben.“ Und: Die Dunkelziffer ist groß, denn viele Vampyre halten sich versteckt. „Ich weiß auch, dass es einige hohe Angestellte gibt, die in ihrer Freizeit trinken. Uns gibt es überall in der Gesellschaft!“
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