Blutige Tragödie in Schöneberg

Frauenrechtlerin sticht Schwiegersohn nieder

Motiv der preisgekrönten Buchautorin aus Afghanistan ist unklar

Philippe Debionne_richtig Klaus Oberst
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Die blutverschmierte Treppe im Tathaus. 

Die blutverschmierte Treppe im Tathaus. 

© Oberst

"Nach derzeitigen Erkenntnissen hatte die Frau am Montag gegen 18.20 Uhr in ihrer Wohnung in der Elßholzstraße einen 44-Jährigen mit einem Messer angegriffen und mit mehreren Stichen lebensgefährlich verletzt", so eine Polizeisprecherin. Der Schwerverletzte konnte noch aus der Wohnung flüchten "und sich in den Hausflur schleppen, woraufhin Nachbarn die Polizei verständigten", so die Sprecherin weiter. 

Buchautorin aus Afghanistan

Ebenfalls alarmierte Rettungskräfte der Feuerwehr brachten den 44-Jährigen in ein Krankenhaus, hier wurde er notoperiert. Er soll sich außer Lebensgefahr befinden. Nach KURIER-Informationen handelt es sich bei der festgenommenen Frau um Mariam N., eine Frauenrechtlerin und Buchautorin, die ursprünglich aus Afghanistan stammt. 

Mariam N. wurde nach einer Messerattacke festgenommen. 

Mariam N. wurde nach einer Messerattacke festgenommen. 

© Jürgen Meyer

Im Jahr 2008 gewann sie den "taz Panter Preis". Die Preisträger zeichneten sich laut der Tageszeitung taz dadurch aus, dass sie sich "auf besondere Weise sozial oder politisch, einfallsreich, mutig und widerborstig" engagiert hätten. Die damals 61-jährige Afghanin Mariam N., hieß es bei der Preisverleihung weiter, baue "Schulen in ihrer Heimat und unterstützt demokratisch gesinnte Menschen, die vor Kriegsverbrechern fliehen müssen". 

Beklemmende Familiengeschichte

Bekannt wurde die Schriftstellerin zudem durch die von ihr aufgeschriebene Chronik ihrer Familie. In dem Buch erzählt die Frau laut Klappentext "von der blutigen Ermordung der Urgroßmutter um 1900, die in den Verdacht der Untreue gerät und von der Großmutter, die sich in ähnlicher Situation durch einen Mord rettet". 

In diesem Haus in Schöneberg geschah die Tragödie.

In diesem Haus in Schöneberg geschah die Tragödie.

© Oberst

Zudem handele das Buch "vom Schicksal der Mutter, die ihr Kind verliert und deshalb von der Familie ihres Mannes geächtet wird, bis hin zur Nichte, die in Berlin als moderne junge Frau heranwächst". Es sei eine "spannende und bewegende Geschichte von Frauen, die ihr Schicksal trotz widrigster Umstände selbst in die Hand nehmen".

Richter soll über U-Haft entscheiden

Welche Vorgeschichte zu dem Drama führte, bei dem die 73-Jährige jetzt zum Messer griff, mit dem sie ihren Schwiegersohn beinahe tötete, ist noch unklar. Wie die Polizei mitteilte, sollte die Frau noch am Dienstag wegen des "Verdachts eines Tötungsdeliktes" einem Richter vorgeführt werden: Dieser müsse dann bis zum späten Dienstagabend entscheiden, ob Mariam N. in Untersuchungshaft genommen wird. 

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