Blut, Geld und Ehre

Die Araber-Mafia von Neukölln

Am Montag startet die Serie „4 Blocks“. Die Unterwelt des Bezirks ist reif fürs TV.

Gerhard Lehrke Christian Gehrke
Lesezeit 3 Min
Hübsch ausstaffiert: So sieht er aus, der Araber-Clan in der TV-Serie „4 Blocks“ auf TNT.

Hübsch ausstaffiert: So sieht er aus, der Araber-Clan in der TV-Serie „4 Blocks“ auf TNT.

© dpa

Die sechsteilige Serie „4 Blocks“ im Bezahlsender TNT wird von Montag (21 Uhr) an wöchentlich versuchen, einen Blick in diese Welt zu eröffnen. Geschildert wird sie anhand des Clanchefs Ali „Toni“ Hamadi, gespielt von Kida Ramadan. Er kontrolliert mit seinen Leuten vier Blocks, was der Serie ihren Namen gab.

Sie machen Geschäfte: Mit Schutzgeld-Erpressung, Drogenhandel, Spielhöllen samt Geldwäsche, Raub und Prostitution – und Immobiliengeschäften als legale Fassade.

Falko Liecke, CDU-Bezirksstadtrat in Neukölln, findet, die Serie habe einen realistischen Bezug.

Er schätzt die Zahl der Clans im Bezirk auf fünf bis zehn. Die jüngsten Täter, die er über die Jugendgerichtshilfe kennt, sind gerade mal 14, die Eltern und Großeltern ziehen im Hintergrund die Strippen.

Mehrfachtäter abzuschieben scheitert oft, da viele der aus dem Nahen Osten stammenden Männer angeben, staatenlos zu sein. 90 dieser Männer stehen auf einer entsprechenden Liste der Behörden. Gibt es Streit, regeln die Clans diese über „Friedensrichter“ intern.

Berlinweit gibt es 20 arabische Großfamilien, zwölf davon sind kriminell auffällig geworden. „Mit vermeintlich legalen Geschäften verdienen sie ihr Geld, und investieren es zum Beispiel in Immobilien. So gelangt das Geld in den geregelten Umlauf“, sagt Liecke, der seit 2009 Bezirksstadtrat ist.

Kida Khodr Ramadan, Frederick Lau und Veysel Gelin spielen eine arabische Großfamilie.

Kida Khodr Ramadan, Frederick Lau und Veysel Gelin spielen eine arabische Großfamilie.

© dpa

Neuköllns Ex-Bürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD) springt ihm bei: „Sie bestimmen die Regeln und setzen sie brutalst und – wenn es sein muss – auch mit Waffengewalt durch.“ Rund 1000 Männer werden den Clans zugerechnet, etwa 200 sind Mehrfachtäter.

Manchmal leben sie offiziell von Hartz IV, was nicht zu ihren Autos, ihrem Schmuck und im Fall eines Strafverfahrens zu ihren teuren Anwälten passt. Die Polizei hat Schwierigkeiten, der Banden Herr zu werden, weil Beweise schwer zu erlangen sind. Die Strukturen sind ähnlich eingefahren wie im Rockermilieu.

Ein Schlag gegen die Araberclans ist der Polizei nach dem Überfall auf ein Pokerturnier im März 2010 geglückt, bei dem vier Täter 242 000 Euro erbeutetet hatten. Ein Zeuge lieferte Namen der Täter, sie wurden gefasst beziehungsweise stellten sich. Auch die beiden Organisatoren wurden geschnappt.

Auch wenn die TV-Serie etwas anderes suggeriert: Neukölln ist mit 21.000 Straftaten nicht die Kriminalhochburg. An erster Stelle steht Mitte (96.875 Straftaten pro Jahr).

Versuche, den Clan-Nachwuchs durch engere Kooperation von Polizei, Staatsanwalt und Jugendamt „einzunorden“ und bei Straftaten schnell zu verurteilen, sind nach dem Tod der Jugendrichterin Kirsten Heisig versandet. Die Polizei hat aber 2016 zur Bekämpfung der Organisierten Kriminalität 20 Extra-Stellen geschaffen.

Liecke fordert einen besseren Behördenaustausch: „Die Täter lassen ein 100.000 Euro teures Auto zu und das Sozialamt weiß nichts davon. Das geht nicht.“ Berlin bräuchte ein „Clankonzept“, eine Strategie.

Die Verantwortlichen hätten das verschlafen. Auch er selbst und sein Parteikollege, Ex-Innensenator Frank Henkel, waren verantwortlich. „So selbstkritisch bin ich“, sagt Liecke.

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