Obwohl Blitzerwarner in Deutschland während der Fahrt nicht erlaubt sind, werden jährlich Tausende davon verkauft. Der Verkauf ist auch erlaubt. Blitzerwarner sollen Autofahrer frühzeitig auf Radarfallen und Gefahren aufmerksam machen. Doch welches Modell arbeitet tatsächlich zuverlässig? Das Internetportal Chip hat vier aktuelle Geräte getestet. Entscheidend waren nicht nur die Qualität der Warnungen, sondern auch Bedienung, Ausstattung und Datenbasis. Das Ergebnis überrascht – und nicht jeder bekannte Name überzeugt. Dazu: Was erlaubt ist und was nicht.
Vier Blitzerwarner im Vergleich: Worauf es wirklich ankommt
Erst am Montag ist ein europaweiter Blitzermarathon gestartet. Die Polizei macht Jagd auf Raser. Nicht erlaubte Blitzerwarner wiederum machen es der Polizei schwer, Raser zu ertappen. Allein Ooono hatte schon bis 2024 mehr als 1,5 Millionen Blitzerwarner in Deutschland verkauft.
Wie funktionieren die Geräte? Ein moderner Blitzerwarner verbindet sich per Bluetooth mit einer Smartphone-App und greift auf Meldungen anderer Nutzer sowie verschiedene Datenbanken zurück. Genau diese Informationen entscheiden darüber, ob Warnungen rechtzeitig und zuverlässig erfolgen.
Hersteller versprechen dabei mehrere Vorteile gegenüber einer reinen App. Die Verbindung startet automatisch beim Einsteigen ins Auto, das Smartphone kann in der Tasche bleiben und die Geräte nutzen teilweise mehrere Datenquellen gleichzeitig.
Besonders im Fokus stand im Test von chip.de die Frage, ob das Ende der Zusammenarbeit zwischen Ooono und Blitzer.de Auswirkungen auf die Qualität der Warnungen hat. Deshalb mussten sich neben Ooono auch zwei Geräte mit Blitzer.de-Anbindung dem Vergleich stellen. Getestet wurden außerdem Installation, Bedienkomfort, Akkulaufzeit und die Zuverlässigkeit der Hinweise auf Blitzanlagen und Gefahrenstellen.
Platz 1: Ooono Co-Driver No2 überzeugt auf ganzer Linie
Der Co-Driver No2 von Ooono sichert sich im Test von chip.de den Spitzenplatz. Ausschlaggebend sind die unkomplizierte Einrichtung, die einfache Bedienung und vor allem die hohe Zuverlässigkeit der Warnungen.
Nach der Installation verbindet sich das Gerät bei jeder Fahrt automatisch mit dem Smartphone und startet die App im Hintergrund. Das Mobiltelefon muss dafür nicht einmal entsperrt werden.
Ein Blitzerwarner der Firma Ooono hat den aktuellen Test des Internetportal Chip gewonnen.
© Michael Bihlmayer/imago
Während der Testfahrten erfolgten die Warnungen stets rund 40 Sekunden vor dem Erreichen eines Blitzers. Das reichte aus, um rechtzeitig reagieren zu können. Obwohl Ooono nicht mehr mit Blitzer.de zusammenarbeitet, stellten die Tester keinerlei Verschlechterung der Datenqualität fest. Alle relevanten Blitzer wurden erkannt.
Positiv fiel außerdem auf, dass die App auf Wunsch auch als Navigationslösung genutzt werden kann und Apple CarPlay unterstützt. Mit rund 70 Euro gehört der Ooono zwar zu den teureren Geräten, im Internet bekommt man es oft aber schon für 50 Euro. Und es liefert im Test das überzeugendste Gesamtpaket.
Saphe T: Stark ausgestattet, aber zu viele unnötige Warnungen
Der Saphe T punktet laut chip.de zunächst mit einer hochwertigen Ausstattung. Das gut ablesbare AMOLED-Display zeigt deutlich an, ob eine Radarfalle, ein Stau, ein Unfall oder ein anderes Hindernis gemeldet wurde. Auch die Einrichtung gelingt problemlos. Nach der Registrierung verbindet sich das Gerät automatisch mit der App und startet bei jeder Fahrt selbstständig.
Zum Lieferumfang gehören eine Ladestation mit integriertem Akku, ein Ladekabel sowie magnetische Halterungen für die Befestigung im Fahrzeug. Praktisch ist, dass die Ladestation das Gerät mehrfach aufladen kann. Auch die Bedienung gelingt dank des Displays besonders einfach.
Chip lobt die einfache Montage und Einrichtung, leider sind die Warnunghhen teils veraltet.
© Saphe T
Im Alltag zeigt sich jedoch die größte Schwäche des Saphe T. Das Gerät meldet sehr häufig Ereignisse, die längst nicht mehr vorhanden sind oder den Fahrer überhaupt nicht betreffen. Dazu gehören etwa Staus oder Radarfallen auf der Gegenfahrbahn. Selbst nach dem Abschalten verschiedener Hinweise bleiben zahlreiche Meldungen übrig, die eher ablenken als helfen.
Hinzu kommt ein weiterer Nachteil: Nach sechs Monaten kostenloser Nutzung wird eine monatliche Gebühr von fünf Euro fällig. Trotz der Anbindung an Blitzer.de erkennen die Tester keinen spürbaren Vorteil gegenüber anderen Geräten. Für rund 30 Euro bietet der Saphe T zwar viel Technik, verliert durch die vielen Fehlwarnungen und das notwendige Abonnement jedoch deutlich an Attraktivität.
Needit Drive One 2: Lange Laufzeit, aber zu viele unnötige Warnungen
Der Drive One 2 setzt auf eine besonders kleine Bauform und eine Knopfzelle, die laut Hersteller bis zu zwei Jahre halten soll.
Positiv beginnt bereits die Einrichtung. Die Installation verläuft unkompliziert. Nach der Kopplung startet die App automatisch bei Fahrtbeginn. Dank des kompakten Formats lässt sich das Gerät unauffällig im Fahrzeug platzieren.
Chip bemängelt beim Gerät Needit Drive One 2 zu viele Falschmeldungen.
© Needit
Die Warnungen erfolgen etwa 40 Sekunden vor relevanten Stellen und damit rechtzeitig. Weniger überzeugend sind die akustischen Signale, die im Test als sehr schrill empfunden wurden.
Größere Probleme bereitet die Treffergenauigkeit. Das Gerät meldete wiederholt Gefahren oder Radarfallen, die gar nicht auf der eigenen Route lagen. Dadurch verlor ein Teil der Hinweise an Wert.
Hinzu kommt das Fehlen einer Apple-CarPlay-Unterstützung. Im Test führte dies dazu, dass die Tonwarnungen schließlich deaktiviert wurden.
Der günstige Preis von rund 30 Euro reiche nicht aus, um die vielen unnötigen Warnungen auszugleichen, erklären die Experten von chip.de.
Tom by TomTom: Hochwertig, aber nicht treffsicher genug
TomTom schickt mit knapp 80 Euro das teuerste Modell ins Rennen. Verarbeitung, Design und Einrichtung hinterlassen einen guten Eindruck.
Das Gerät verbindet sich nach der Installation automatisch mit der App und punktet mit langer Laufzeit. Auch die optischen und akustischen Hinweise fallen angenehm dezent aus.
Probleme gibt es bei der Datenbasis. Mehrere aktuelle mobile Messstellen wurden im Test nicht erkannt. Zudem erfolgen Warnungen auf Autobahnen teilweise später als bei der Konkurrenz.
Tom by TomTom ist laut Test verhältnismäßig teuer und kennt viele mobile Blitzer nicht.
© TomTom
Auch die Bedienung beim Melden oder Entfernen von Einträgen wirkt nicht immer intuitiv. Positiv bleibt laut chip.de die enge Anbindung an die TomTom-Navigation einschließlich Apple CarPlay.
Was bei Blitzerwarnern überhaupt erlaubt ist
Radarwarner und Blitzerwarner sind nicht dasselbe. Radarwarner suchen aktiv nach Funk- oder Radarsignalen und sind in vielen Ländern verboten.
Die getesteten Geräte arbeiten anders. Sie greifen über das Smartphone auf Standortmeldungen und Datenbanken zu. Auch diese Geräte sind in vielen Ländern nicht gerne gesehen, aber durchaus öfter geduldet. In Dänemark oder in den Niederlanden etwa ist die Verwendung kein Problem.
Dennoch ist ihre Nutzung in Deutschland während der Fahrt nicht erlaubt. Wer erwischt wird, muss mit 75 Euro Bußgeld und einem Punkt in Flensburg rechnen, sagt der ADAC. Das gilt auch für entsprechende Apps. Nach einem Urteil des Oberlandesgerichts Karlsruhe ist eine Blitzer-App auch dann verboten, wenn ein Beifahrer die App auf seinem Handy laufen hat.
Erlaubt ist lediglich die Prüfung der Strecke vor Fahrtbeginn. Während der Fahrt dürfen lediglich Hinweise auf Gefahren wie Staus, Baustellen oder Pannenfahrzeuge empfangen werden.
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