Der Senat gab diese Mitteilung nach einer Anfrage aus dem Parlament bekannt. Der Senat bekam sie wiederum vom Wasser-und Schifffahrtsamt Berlin (WSA). Grund für das schwere Erbe: Zum Kriegsende 1945 wurde in Deutschland nirgendwo so heftig gekämpft wie in Berlin und Umgebung. Experten gehen davon aus, dass insgesamt über der Hauptstadt bei Luftangriffen 45.000 Tonnen Bomben niedergingen. Und sie landeten damals eben auch im Müggelsee. Zehn Prozent sind allerdings nicht explodiert. Sie wurden zu Blindgängern.
Deutsche versenkten eigene Bomben und Munition zum Kriegsende im Müggelsee
Aktuell vermuten die Behörden noch 4600 Blindgänger im Boden der Stadt. Für die Deutschen war Berlins größter See zum Kriegsende außerdem so etwas wie ein Waffen-Mülleimer: Sie haben eigene Bomben und Munition im Müggelsee versenkt und so entsorgt.
Diese Fliegerbomben wurden 2004 aus dem Müggelsee geborgen und entschärft. Insgesamt waren es sechs Stück.
© Andreas Meichsner
Bezirksbürgermeister Oliver Igel (SPD) sagt dem KURIER: „Es sollten systematisch Möglichkeiten gefunden werden, die Kriegsmunition nach und nach zu beseitigen.“ Der See sei schließlich Natur- und Landschaftsschutzgebiet, erklärt der Bezirksbürgermeister weiter.
Der Grünen-Politiker Georg Kössler stellte die Anfrage bei der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz und bekam die aktuellen Informationen zurück. Er meint: „Da sieht man mal, welche Auswirkungen dieser schreckliche Krieg bis heute hat. Es ist wichtig, dass wir viele Jahre nach 1945 an dem Problem dranbleiben und die Munition beseitigen.“
Bergung der Blindgänger zeitaufwendig und teuer
Die Bergung bringt aber Ärger und kostet viel Geld – auch 75 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg. Schon 1951 wurden Tausende Tonnen Munition aus dem See gefischt. 2004 haben Taucher 25 Sprengkörper geborgen. Das Wasser- und Schifffartsamt Berlin ging 2008, 2014 und 2018 ebenfalls auf Bombensuche und wurde fündig. Der Kampfmittelräumdienst war von 2015 bis 2017 und 2019 im Einsatz.
Ein Polizeifeuerwerker zeigt an einem Steg im Müggelsee auf die Zünder der 50-Kilo Sprengbomben. Auch dieses Foto stammt aus dem Jahr 2004.
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Der Grund ist selbsterklärend: Beliebte Stellen im Müggelsee mit Badegästen, Seglern und Surfern sollen sicherer werden. Experten sprechen zwar nicht von einer unmittelbaren Gefahr. Viele der alten Zünder seien inzwischen nicht mehr funktionstüchtig. Die Berliner Polizei gibt auf Anfrage aber keine komplette Entwarnung. Niemand wisse zuverlässig, ob alte Bomben nicht doch irgendwann hochgehen. Dementsprechend wird weiter geräumt: 2020 und 2021 wollen Taucher vor dem Jugenddorf und dem Strandbad am Müggelsee nach Munition suchen. 2021 bis 2022 sind Bergungen vor der Surf-und Segelschule Müggelsee geplant. 2022 bis 2023 sollen drei nicht öffentliche Badestellen am westlichen Ufer untersucht werden. Die Kosten wurden nicht mitgeteilt. Es könnte aber teuer werden.
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