Die Liegewiese vom Treptower Park wurde schon gemäht. Am Montag soll hier schon der Aufbau für das „Lollapalooza“-Festival beginnen.
© Bernd Friedel
Die Bezirksentscheidung, ob das „Lollapalooza“-Festival nun stattfinden darf oder nicht, kam überraschend. Denn die Denkmalschutzbehörde Treptow-Köpenick hatte bereits dem Veranstalter die Erlaubnis verweigert. Es könne der gebotene Schutz des Gartendenkmals Treptower Park nicht gewährleisten werden. Schließlich wird die Anlage für 13,5 Millionen Euro saniert. Die bereits fertiggestellten Flächen (wie der Sommergarten) will man sich von den Rock-Fans nicht kaputttrampeln lassen.
Bereits die oberste Denkmalschutzbehörde, die der Senatsbauverwaltung unterstellt ist, schoss quer. Sie erteilte am Dienstag noch vor dem Bezirk den Festival-Veranstaltern die Genehmigung. „Mit den Auflagen, die Anlage zu schützen, entstehende Schäden auf eigene Kosten zu beseitigen“, sagt Bausenator Andreas Geisel (SPD). Was solche Zusagen wert sind, zeigt jetzt der Veranstalter des Formel-E-Rennens im Mai. Er hat noch immer nicht die Sondergebühr (etwa 200000 Euro) für die Nutzung der Karl-Marx-Allee an den Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg gezahlt.
Die Baukammer Berlin war schon über die Entscheidung der Geisel-Behörde empört. Ihr Denkmalschutz-Experte Wilfried Wolf sagte dem KURIER: „Den Schaden, den jeweils 70000 Besucher pro Festival-Tag anrichten, kann man nicht mit ein wenig Nachpflanzen von Gras beseitigen.“ Baukammer-Chef Dr. Peter Traichel legt nach: „Ein Rockfestival nahe des Sowjetischen Ehrenmals zu genehmigen, wo auch Tote begraben sind, ist geschmack- und taktlos.“
Dazu kommt noch der Lärm, der die Park-Anwohner auf die Palme bringt. „Bis zu 5000 Menschen sind betroffen“, sagt Sigrid Schubert von der „Bürgerinitiative Treptower Park“. „Einige Betroffene wollen klagen, wenn die Veranstaltung genehmigt wird.“ Das dürften sie dann wohl jetzt tun.
Schubert ärgert es, dass der Bezirk seine Entscheidung so lange hinauszögerte. „Warten bis zum Schluss, um so Klagen in letzter Minute zu verhindern“, mutmaßt sie. „Schließlich soll am Montag schon mit dem Aufbau des Festival-Geländes begonnen werden.“
Bezirksbürgermeister Oliver Igel (SPD) bestreitet dies. „Am Verfahren sind 16 Behörden beteiligt, inklusive Feuerwehr und Polizei. Es geht auch um die Sicherheit der Festival-Besucher“, sagt er. „Außerdem bereiten wir schon rechtliche Mittel gegen mögliche Klagen vor.“ Der Festival-Veranstalter jubelt. Das fast ausverkaufte „Lollapalooza“-Event mit Top-Acts wie Radiohead, Kings of Leon, New Order, Paul Kalkbrenner, Kaiser Chiefs oder Max Herre wird also stattfinden. Schon allein deshalb, weil sonst der Hauptstadt eine Vertragsstrafe in Millionenhöhe droht. Jetzt muss aus dem Krach nur noch Musik werden!
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