Kreuzberg - Es ist eine Mieter-Abzocke ohne Vergleich! Bewohnern eines Hauses in der Kochstraße flatterte jetzt eine gigantische Mieterhöhung ins Haus: um bis zu 900 Euro! Die Betroffenen leben aber nicht etwa in Luxus-Lofts, sondern im sozialen Wohnungsbau. Verzweifelt zeigt Adnan Omairat (43), Vater von elf Kindern, den Schock-Brief: Statt 1063 soll er 1961 Euro Miete für die Fünf-Raum-Wohnung zahlen.Omairat brütet ratlos über seinen Papieren. Will er der Mieterhöhung entgehen, muss er bis 3. März kündigen. "Aber wie soll ich so schnell eine neue Wohnung finden?", fragt der gebürtige Libanese. Seine Kinder (1 bis 20) besuchen Kitas und Schulen im Kiez: "Da kann meine Familie nicht wegziehen!" Bleibt Omairat aber, bekommt der Arbeitslose keine Hilfe vom Jobcenter. Es schrieb, mehr als 1105 Euro seien nicht drin. Fehlen 856 Euro ...Entnervt wirkt auch Riyadh M. (46), als er die Wohnungstür öffnet. Der Gastronomie-Mitarbeiter sagt: "Ich schlafe seit einer Woche kaum noch." Er will sich per Anwalt gegen die Erhöhung von 906 auf 1696 Euro wehren. Geschockt ist M. nicht nur von der Summe. Er sagt: "Wie kann man eine Erhöhung zum 1. März erst am 11. Februar versenden?"Die Umstände sind aber noch pikanter: Bisher zahlten Riyadh M. und seine deutschstämmige Nachbarin Kristin S. (42) für ihre je rund 99 Quadratmeter großen Wohnungen knapp 910 Euro. Doch wo Riyadh M. etwa 789 Euro mehr berappen soll, sind es bei ihr nur 20 Euro. Ähnlich ergeht es Atta Kader (58), der für 49 Quadratmeter 76 Euro mehr blechen soll. Er sagt: "Beim Nachbarn ohne Migrationshintergrund sind es bloß 10 Euro!"Absender der Erhöhungen ist die Hausverwaltung, die im Namen eines Insolvenzverwalters schreibt.------------------------------Warum Sozialmieten plötzlich so stark ansteigenWenn die Miete plötzlich um 900 Euro steigt, liegt ein Gedanke nah: Das kann doch gar nicht erlaubt sein! Leider ist das ausgerechnet im sozialen Wohnungsbau grundsätzlich möglich. Betroffen sind rund 28 000 Wohnungen, seit der Berliner Senat 2003 die "Anschlussförderung im sozialen Wohnungsbau" kippte. Die Eigentümer können von den sozial schwachen Bewohnern jetzt die tatsächlich anfallende Miete (Kostenmiete) fordern. Sie liegt, je nach Wohnanlage, zwischen zehn und 20 Euro pro Quadratmeter.Wiederholte Mieterhöhungen sorgten bisher vor allem im Kreuzberger Fanny-Hensel-Kiez für Proteste. In der Schöneberger Akazienstraße gab es auch Aktionen. Dennoch bleibt betroffenen Mietern meist nur eine Wahl: bezahlen oder wegziehen.------------------------------BU: Das Schreiben der "Claus Hausverwaltung" beweist: Die Miete der Familie Omairat erhöht sich von 1063,06 Euro mit einem mal um 898,45 Euro auf 1961,51 Euro.BU: Riyadh M. ist stinkwütend, weil er 789 Euro mehr berappen muss. Seine Miete steigt dadurch auf 1696 Euro.
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