In Berlin ist nicht nur Hans im Glück. Wie eine neue Studie belegt, sind 85 Prozent der Berliner lebensfroh. Jeder zweite Hauptstadtbewohner bezeichnet sich sogar als sehr lebensfroh. Damit liegen wir im Bundesschnitt (82 Prozent) vorn – wieder mal!
Denn schon mehrere nationale und internationale Studien hatten das gleiche Ergebnis gebracht: Berliner sind glücklicher als andere Deutsche und glücklicher als Bewohner anderer Großstädte auf der ganzen Welt (London, Tokio, New York).
Trotz BVG-Krise, BER-Debakel und RAW-Gewalt: Was macht uns so unsagbar unschlagbar lebensfroh? Laut der Umfrage, die das Institut Forsa für das Coca-Cola Happiness Institut erstellt hat, schöpfen 97 Prozent der Berliner Lebensfreude aus ihren Hobbys, 94 Prozent macht der Alltag mit den lieben Kleinen besonders glücklich (Kinderbetreuung). Wahrer Glücks-Booster der Berliner ist es, einfach draußen zu sein – 87 Prozent geben den Aufenthalt an der frischen Luft als liebste Freizeitbeschäftigung an. Einkaufsbummel hingegen hinterlässt nur bei zwei Dritteln (66 Prozent) positive Gefühle. Dafür macht Bewegung jeden zweiten Berliner froh. 49 Prozent nannten Sport als eine der liebsten Freizeitbeschäftigungen. Eh klar: Nirgends sonst kann man so gut draußen (Parks, Seen) oder drinnen (Bäder, Fitnesscenter) rennen, strampeln und schwimmen.
Geld macht aber nicht so glücklich wie gedacht: Menschen, die über 3500 Euro netto verdienen, sind laut Studie unglücklicher als Menschen mit 1000 bis 2500 Euro. Fragen Sie sich jetzt, was Sie an Berlin freut? Das haben auch 13 KURIER-Redakteure getan – und schreiben das hier.
Norbert Koch-Klaucke ist KURIER-Redakteur in der Lokalredaktion
Bei meiner Geburt soll die Hebamme zu meiner Mutter gesagt haben: „Das wird ein glücklicher Junge!“ Recht hatte sie. Schließlich wurde ich ja in Berlin geboren. Auch wenn diese Stadt viele Ecken und Kanten hat – das Glück, hier leben zu dürfen, ist bis heute geblieben. Denn keine andere Metropole legt einem die ganze Welt zu Füßen wie Berlin. In Neukölln wähne ich mich wie in der Türkei. In Wilmersdorf fühlt man sich wie in Wien oder Paris, am Potsdamer Platz wie in New York. Die unendlichen Weiten dieser Stadt bieten so viele Überraschungen. Man muss nur genau hinschauen, um hier sein Glück zu finden.
Elmar Jehn ist der Chefredakteur vom Berliner KURIER
Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können. Sagt Nietzsche. Oder war es die S-Bahn, der BER, die Straßenplanungsbehörde? Spaß beiseite: Berlin hat so viele tanzende Sterne, weil in ihm das Herz eines Vamps schlägt. Frei, wild, rätselhaft und voller Träumereien. Dieses Herz hat viel gelitten im vergangenen Jahrhundert, es hat Narben, es hat schmerzendende Stellen, es hat viel gutes und viel schlechtes Leben aufgesaugt. Und doch ist es voller Hunger auf den Moment. Es ist ein Herz, in das man sich einfach verlieben muss – vorausgesetzt, na klar, die S-Bahn fährt ...
Manuela Radvan ist stellvertretende Ressortleitern bei den KURIER-Nachrichten
Mein Berlin-Glück? Wenn ich nach dem Ausflug an die Ostsee wieder nach Berlin reinfahre und schon von weitem den Fernsehturm sehe. Als ich eine siebenköpfige Entenfamilie in meinem Hinterhof entdeckte und feststellte: Berlin kann nicht nur Großstadt. Dass es hier Menschen wie Luigi gibt, der diese Stadt genauso liebt wie ich und mir meine Pizza macht – genauso wie in Italien. Ich bin dankbar für diese Stadt, in der ich alles machen kann – egal um welche Uhrzeit. Denn wenn ich an einem Sonntagabend noch verzweifelt zwei Becher Sahne und eine Flasche Wein brauche, gibt es zum Glück (!) meinen Späti.
Marcus Böttcher ist KURIER-Redakteur in der Lokalredaktion
Größer, bunter, toller. Ja, dit is Berlin, diese pulsierende Metropole. Aber wissen’se wat? Ick leb’ am Ende der Stadt. Am östlichen. Die Beats der Clubs sind dorte nich zu hörn, nix is zu sehn von hippen Hipstern, Touris verirrn sich nich in diese Ecke. Mit Remmidemmi is dort nüschte. Für mich ist Berlin-Glück: Wenn dit Jartentor uffschwingt, mir die Kleene entjegensprintet, ick von meene Frau nen Küsschen krieje und der Pflegehund meene Wade leckt. Eben dort, wo die S-Bahn nur alle zehn Minuten fährt. Wo nebenan Meerschweinchen im Gras knabbern. Dort, wo eijentlich Union-Land ist – und meene Hertha-Fahne sanft im Winde wiegt ...
Andreas Lorenz ist Sportchef beim Berliner KURIER
Berlins größtes Glück sind seine schönen, intelligenten und selbstbewussten Frauen. Fabelhafte Wesen, die auch mal einen Spruch aushalten können. Die bei einer WM im Flirten jede Disziplin – Einzel, Staffel und Synchron – gewinnen würden. Und die in der Lage sind, Männer in den Arm nehmen zu können, ohne ihnen in die Hände zu fallen. Ein cooler Abend mit so einer Lady und dann bei Sonnenaufgang über den Kolle oder die Kastanienallee nach Hause zu schlendern. Dann, wenn Berlin noch ganz unschuldig schläft und golden glänzt. Unbezahlbar! Ach ja: Die Sportstadt Berlin ist auch ziemlich knorke.
Katja Reim ist Ressortleiterin Nachrichten beim Berliner KURIER
Ich war Reporterin in Mexikos chaotischer Hauptstadt, habe in Barcelona studiert und am Strand gelegen. Doch meine Lieblingsstadt ist und bleibt Berlin. Ich mag die schnoddrige Freundlichkeit der Ureinwohner. Die Berliner Nächte, die im Biergarten durchquatscht, im Park gegrillt oder in Clubs zertanzt werden. Die grünen Flecken überall in der Stadt, die sich Parks nennen, auch wenn es nur eine Wiese mit Baum ist. Berlin ist großspurig – und großherzig. Hier leben Kulturen miteinander. Viele meiner Berliner Freunde sind Mexikaner, Spanier, Kubaner. Und alle haben sie hier ein Stück Heimat gefunden.
Philippe Debionne ist Polizeireporter beim Berliner KURIER
Berlin ist anders als andere deutsche Städte – nicht nur größer, lauter und heftiger. Es ist der einzige Fleck in unserem Land, in dem man machen kann, was, wann und wie man will. Nicht jeder kann mit dieser Freiheit umgehen, leider. Dadurch ist Berlin auch anstrengender und unbarmherziger als andere deutsche Städte. Aber wenn man seinen Weg gefunden hat und weiß, was man will, gibt es hier wenig, was einen aufhalten kann. Auch und gerade, weil die Stadt in ihrer jetzigen Form sehr jung und ständig in Bewegung ist. Ja, hier kann man sein Glück und sogar die wahre Liebe finden – wenn man wirklich will.
Alexander Schmalz ist Polizeireporter beim Berliner KURIER
Als Dorfi kam ich vor fünf Jahren in die Stadt, von der ich schon als Jugendlicher träumte. Mein kleiner Ort, der wie viele Gemeinden im Osten nach der Wende Gaststätten, Konsum, Schulen und Geschäfte verlor, verkuppelte mich regelrecht mit der größten aller Versuchungen: Berlin. Alternative Kinos, abgeranzte Bars, feinste Restaurants oder Konzerte von Weltstars. Leben heißt eben erleben. Vieles, von dem ich früher träumte, habe ich heute direkt vor meiner Tür. Berlin, du verrücktes Luder, hast mir die Welt zu Füßen gelegt. Denn es sind die unzähligen Möglichkeiten hier, die mich glücklich machen.
Marc Fleischmann ist Redakteur in der Lokalredaktion des Berliner KURIER
Essen ist eine meiner Leidenschaften. Noch schöner, als Nahrung einfach nur aufzunehmen, ist für mich Essen gehen in Restaurants. Ich liebe diese Stadt, weil ich am Kanal entlang rüber nach Kreuzberg in den Wrangelkiez schlendern kann. Dort erwartet mich nicht nur das junge, pulsierende Leben in dieser Metropole, sondern auch ein schier unüberschaubares Angebot an kulinarischen Genüssen aus fernen Ländern. Berlin gibt mir die Chance, heute beim Araber Falafel zu speisen, morgen beim Vietnamesen eine Pho-Suppe zu löffeln und übermorgen meinen Hunger auf einen Burger zu stillen.
Stefanie Hildebrandt ist Lokalredakteurin beim Berliner KURIER
Die Schlange vorm Bäckerwagen auf dem Markt und Elke, die mal wieder die janze Runde unterhält. Wissen, dass hier Leute leben, die Herzen an Radampeln kleben, Poller umstricken und ohne lange zu fackeln auf der Matte stehen, wenn andere Hilfe brauchen. Der rumänische Akkordeonspieler am Rathaus Center. Abends mit Gregi noch mal zum Liepnitzsee. Der Fernsehturm im Dunst, wenn man auf der A114 von Norden wieder in die Stadt kommt. Einer, der in der U2 „Jesundheit“ grummelt, wenn ich niese. Ein Hundehalter, der laut über die Straße brüllt. „Nu komm endlich, Bolle“. Ihr seid mein Berlin-Glück.
Jan Schmidt ist stellvertretender Chefredaktuer des Berliner KURIER
Ausgerechnet Berlin. Da wollte ich echt nicht hin. Zu laut, zu chaotisch. Meine Frau hat sich durchgesetzt. Nach 14 Tagen war klar: Ich gehe hier nicht mehr weg. Das war vor 18 Jahren. Es gibt keine zweite Stadt, die so relaxed und gleichzeitig aufregend ist. Weil Geschichte, Gegenwart und Zukunft unmittelbarer sind. Weil echte Berliner tolerant sind. Weil es die Philharmoniker gibt und keine Rockband an der Stadt vorbeikommt. Weil Berlin nicht perfekt ist – wie das echte Leben. Und wenn ich aus dem 15. Stock des Verlagshauses über die Stadt schaue, weiß ich immer wieder: Das Glück liegt mir zu Füßen.
Martin Geiger ist Art Director beim Berliner KURIER
Wenn der Tag jung ist, die Sonne noch nicht brennt, nehme ich das Rad und fahre zur Arbeit. An der Spree, durch den Tiergarten in das Herz Berlins. Am Brandenburger Tor begrüßen mich Selfie-schießende Touris (vermutlich bin ich schon x-mal aus Versehen auf irgendwelchen Fotos), Unter den Linden atme ich Geschichte pur, bis ich schließlich in der Redaktion bin. Begegnet bin ich freundlichen Radlern, weniger freundlichen Autofahrern, großartig gelaunten Berlinern. Ich mag das, ich liebe diese Stadt und wenn ich mit einem Lächeln den Arbeitstag beginnen kann, freut es auch andere. Danke, Berlin.
Lisa Steiner ist Redakteurin in der Lokalredaktion des Berliner KURIER
Das mit Berlin ist so ein Ding. Berlin kann so verdammt hässlich sein. Kann. Es kann aber auch so verdammt geil sein. Der Hauptgrund dafür, wohl auch jener, der mich veranlasst hat aus dem schönen, gediegenen, funktionierenden Wien hierherzuziehen: In Berlin bin ich einfach ich. Ich darf es sein. Und die anderen auch. Ein Sofa in der U-Bahn. Ein schwules Pärchen neben dem BSR-Mann beim Bäcker (meiner in Weißensee, geführt von einem liebenswerten Paar, Marke: echter Berliner trifft Türkin). Und der Typ in der Trainingshose im Späti ist Penner – oder der millionenschwere Startup-Gründer. Dit ist Berlin!
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