Betrugsverdacht

Telco-Tec: Das dubiose Geschäft mit der Vorkasse

Schnäppchenjäger fühlen sich von Berliner Internet-Firma reingelegt

Nicole Schulze
Lesezeit 2 Min
Dieses Bild vom Ladengeschäft an der Rheinstraße postete Telco-Tec im August zur Eröffnung über Twitter. „Flagshipstore“ nennt ihn Telco-Tec selbst.

Dieses Bild vom Ladengeschäft an der Rheinstraße postete Telco-Tec im August zur Eröffnung über Twitter. „Flagshipstore“ nennt ihn Telco-Tec selbst.

© Telco-Tec, Nerdbench, verbraucherschutz.de Lizenz

Telco-Tec nennt sich das Unternehmen, das seinerseits von der Berinia GmbH in Tempelhof betrieben wird. Die Firma wirbt auf ihrer Website für Schnäppchen. Einziger Haken: Die Waren müssen per Vorauskasse bezahlt werden. Danach geschieht in den meisten Fällen nichts. Die Kunden warten auf ihre Geräte, schreiben Mahn-Mails, werden vertröstet, hängen ergebnislos in der Telefonschleife vom Kundenservice – und fordern Wochen oder Monate später frustriert ihr Geld zurück. Und selbst das klappt nicht immer.

100.000 Geschädigte

Auf Internetforen wie reclabox.com tauschen sich die Telco-Tec-Opfer aus. Es sind Hunderte, wenn nicht gar Tausende. Alle mit der gleichen Geschichte. Die Betreiber der privaten Website verbraucherschutz.de schätzen, dass es europaweit etwa 10.000 Geschädigte gibt, sich der Schaden auf über 360.000 Euro beläuft. Die Staatsanwaltschaft ist eingeschaltet, wie eine Polizeisprecherin dem KURIER sagte. Die Ermittlungen richten sich gegen einen Karsten Uwe Gräfe (41), der auch unter dem Pseudo-Namen Marcus Reimann auftritt, in Thailand lebt und Geschäftsführer von Telco-Tec sein soll. Insgesamt habe er ein undurchsichtiges Firmengeflecht aus 89 Websites.

Der KURIER versuchte gestern mehrfach, die Firma über ihre Hotline zu erreichen. Bei der deutschen Festnetznummer meldet sich ein englischsprachiges Band, das u.a. auf die Homepage verweist. Nach fünf Minuten wird man aus der Warteschleife geworfen. Die Telco-Tec-Handynummer „ist nicht vergeben“ und auf eine Mail-Anfrage wird nicht reagiert.

Warum, erklärt sich aus einer Mail, die der Kundenservice an einen Geschädigten schickte. Der Kunde hatte Mitte September ein iPod für 150 Euro bestellt, wartet bis heute auf Lieferung oder Erstattung. Unter dem Betreff „Versandverzögerung“ berichtet ein Support-Mitarbeiter von „momentanen gravierenden Schwierigkeiten“ und erklärt: „Aufgrund der momentanen Situation ist auch eine telefonische Beantwortung von Anfragen nicht mehr durchführbar...“ NIC

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