Beste Kumpels

„Diggi, haben wir schon mal was zusammen gewonnen?“

Im Pokalfinale können Benyamina und Ergirdi mit Viktoria eine Premiere feiern

Karin Bühler
Lesezeit 3 Min
Karim Benyamina (l.) und Kumpel Ümit Ergirdi können erstmals gemeinsam was gewinnen.

Karim Benyamina (l.) und Kumpel Ümit Ergirdi können erstmals gemeinsam was gewinnen.

© imago/Matthias Koch

Würde ein Titelgewinn für Viktoria bedeuten, dass Kapitän Ergirdi und Stürmer Benyamina, beide 35 Jahre alt, ihren ersten Titel zusammen feiern? Benyamina schaut seinen Kumpel schräg von der Seite an. „Diggi, haben wir nicht schon mal was zusammen gewonnen? Hallenturnier oder so? Ibbenbüren? Sind wir irgendwann mal Meister zusammen geworden?“ Ergirdi schüttelt den Kopf. „Nee, Diggi, sind wir nicht.“

Diggi, so haben sie sich früher noch nicht genannt. Damals, als sie zwei Minuten entfernt voneinander im Märkischen Viertel aufwuchsen. Als sie im Hinterhof kickten, an der Chamisso-Grundschule schreiben und rechnen lernten, immer zusammen von Klasse eins bis sechs.

In der dritten Klasse fing Ergirdi bei MSV Normannia an. Karim folgte ihm. Nach der C-Jugend trennten sich dann die Wege. Benyamina wurde irgendwann Zweitligaspieler, eine Legende beim 1. FC Union und Nationalspieler für Algerien.

Auch für Ergirdi ging es aufwärts: BSV Hürriyet, BFC Preussen, Tennis Borussia, bis hinauf in die Dritte Liga mit dem SV Babelsberg. Nebenher holte Ergirdi das Abi nach. Er studierte, erst Lehramt, dann Jura.

Heute ist er der Kopf im Team von Viktoria 89. Im Januar 2011 ging er nach einer Verletzung aus Babelsberg von Liga drei zum damaligen Berlin-Ligisten. Ergirdi stieg zweimal auf mit Viktoria. In all den Jahren riss sein Kontakt zu Benyamina nicht ab. Im Januar 2016 wechselte der Kumpel vom BAK zu Viktoria. Die Vertrautheit von früher war noch immer da. Auf dem Platz, wo der eine spürt, was der andere vorhat. „Der Trainer hat gesagt, wir haben sogar den gleichen Laufstil“, meint Benyamina. Die beiden Ältesten im Team gehen voran, tragen Verantwortung. Ergirdi erzielte 15 Treffer in der Liga, Benyamina 12. „Wir gönnen dem anderen jedes Tor extrem. So, als ob es das eigene wäre“, sagt Ergirdi.

Im Bus gehört den beiden die hinterste Bank. „Kein anderer würde sich da hinsetzen“, lacht Benyamina. Fehlt einer von beiden noch im Besprechungsraum, bleibt der Stuhl für den anderen frei. Ob sie in der Schule damals auch nebeneinander saßen? „Nee, wir wurden auseinandergesetzt“, sagt Benyamina.

Dann gehen sie zum Trainingsplatz. Einer greift die Schulter des anderen, um Halt zu finden. Diggi und Diggi dehnen ihre Oberschenkel. Absolut synchron.

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