Bernhard Hoëcker

Wenn einer dämlich ist, dann parodiere ich ihn

Sobald er die Welt veräppelt, wird der Comedy-Zwerg zum Riesen

Erik Baumgärtel
Lesezeit 5 Min
Berühmt für sein Ratetalent bei „Genial daneben“: Bernhard Hoëcker (45)

Berühmt für sein Ratetalent bei „Genial daneben“: Bernhard Hoëcker (45)

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KURIER: Switch reloaded: Wann gibt es neue Folgen?

Hoëcker: Oh Mann, das würde ich selber endlich gern wissen. Ich hätte wieder so große Lust darauf. Aber es ist auch ein sehr aufwendiges Format. Da musst du Pro Sieben fragen.

Aber dreht ihr nicht auch in den Originalstudios?

Wir durften zwar bei „Zwei bei Kallwass“ und „Wissen macht ah!“ in die Studios. Aber die meisten Kulissen müssen sehr aufwendig nachgebaut werden.

Es gab Gerüchte über Zerwürfnisse im Switch-Team?

Echt? Das ist mir neu! Nein, es ist halt nur schwierig die Leute zusammen zu bekommen, da viele mit den Drehs für andere Formate beschäftigt sind.

Wie bereitest du dich auf die Figuren vor?

Das ist unterschiedlich. Manchmal fällt mir sofort etwas an der Person auf. Bei anderen sitze ich stundenlang mit dem Regisseur und suche nach auffälligen Mustern. Ich schaue mir die Ausschnitte erst ohne Ton an und versuche Bewegungen nachzuahmen. Dann höre ich mir nur den Ton an und achte auf Sprache, Pausen und Laute. Und die Resttipps geben die Autoren.

Das reicht dann bis zum Dreh?

Unmittelbar vor dem Dreh schaue ich mir die Videos nochmal auf dem Handy an, dass man nichts verliert. Auch während der Drehpausen gucke ich immer wieder mal rein.

Du wirst ja dann - nicht nur optisch - gänzlich zu der Person. Wie entscheidet ihr vorab, wer welche Rolle spielt?

Gut, man muss sagen meine Kollegen Michael Kessler und Max Giermann werden voll und ganz zu der Person. Bei mir sagt man: Den Hoëcker wirst du immer sehen! Aber das ist bei Figuren wie Thomas Gottschalk auch bewusst als Bruch gewollt. Das hängt halt von den Autoren ab. Wenn die sagen, wir wollen den „original“ haben, wird in die Runde gefragt: Wer könnte den spielen?

Wer ist dein Lieblingscharakter?

Harald Lesch und Joachim Bublath, weil ich die beiden Personen persönlich sehr mag. Manche Personen finde ich in ihrer Art so unfassbar dämlich, die muss ich einfach spielen (lacht). Bei anderen ist es wiederum eine Ehre.

Gab‘s mal Ärger weil ihr einen Star übel veräppelt habt?

Das ist noch nie vorgekommen. Stefan Raab sagt ja immer: Wenn man sich beschwert, outet man sich als Spielverderber!

Es gibt ja auch Promis, wie Raab, die das richtig cool finden.

Es haben sich sogar schon Leute aus der Medienbranche bei uns gemeldet mit dem Wunsch sie zu parodieren – mit dem Vermerk: Sie könnten uns auch Videomaterial von sich zukommen lassen. Ich musste dann erstmal überlegen: Okay, wer ist das jetzt eigentlich?

Gibt es jemanden, den du aus Respekt oder Abscheu nie parodieren würdest?

Nee. Es gibt Charaktere, welche für die anderen Kollegen besser passen. Aber grundlegend hätte ich auf jeden Lust.

Switch parodiert Sendungen, in denen du selber auftrittst, zum Beispiel: Genial daneben.

Ja das is super! Da werde ich von Peter Nottmeyer gespielt. Er fragte mich während der Vorbereitungen, warum ich zu Anfang der Sendung immer die Mundwinkel so komisch halte und was ich denn da sagen würde.

Was macht dir mehr Spaß, vor der Kamera oder auf Bühne?

Mir würde immer das jeweils andere fehlen. Ich stehe gern auf der Bühne und liebe auch den Job vor der Kamera. Aber ehrlich: Die Bühne würde mir am meisten fehlen. Da hast du den Applaus und die Nähe zum Publikum. 

In deinem Bühnenprogramm „So liegen Sie richtig falsch“ wirkst du sehr rational. Du spielst keine Comedian-Rolle?

Endlich merkt das mal jemand (lacht). Ja, tatsächlich bin auf der Bühne wie ich auch privat reden würde. Ist am einfachsten für mich. So würde ich die Gags auch auf ’ner Privatparty erzählen – das ist Hoëckers Welt! Krönchen der Show wäre natürlich, wenn die Leute rausgehen und feststellen, was der Hoëcker gescherzt hat, das erleben wir jetzt auch.

Mario Barth hat das Merkmal des Frauenverstehers, Murat Topal das des Polizisten. Welches würdest du dir zuteilen?

Zu mir passt am besten die Beschreibung: normal! Ich rede einfach über alle Dinge, die ich komisch finde. Alles aus Wissenschaft, Politik oder Gesellschaft. Zu Anfang waren immer viele Geschichten dabei, ist aber mittlerweile gar nicht mehr so.

Aus welchen Quellen beziehst du hauptsächlich deine Gags?

Wissenschaft, Aberglaube und Sachen, die mich selber interessieren oder die Frage im neuen Programm: Warum stellen wir uns scheinbar immer an die  längste Schlange an? Selbst über gesellschaftliche Missverständnisse, wie Fingerzeichen – das ist alles recherchierter Stoff, je abgefahren desto besser!

Du hast VWL studiert. Nicht gerade ein komisches Fach, oder?

Was daran lustig ist, ist die Logik, die man gelernt hat anzuwenden. Der Humor kam im Leben eigentlich unbewusst. Gerade wegen meiner Größe musste ich Defizite mit Sprache ausgegleichen. In der fünften Klasse habe ich dann sogar angefangen ein bisschen zu zaubern, wurde dann aber doch zum Jongleur.

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