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Wien hatte Mitte 2012 den Preis der Jahreskarte von 449 auf 365 Euro gesenkt (Umweltkarte Berlin/AB: 728 Euro im Jahresabo). Die Zahl der Abonnenten schoss gegenüber 2011 um 122 Prozent auf zuletzt 822.000 hoch (BVG und S-Bahn Berlin: 658.000 Abos). Die Wiener können damit U-Bahn, Busse und „Bim“ der Wiener Linien sowie innerstädtisch die S-Bahn nutzen, die im Osten Österreichs aber eher einer Regionalbahn gleicht. Die Zahl der Abos liegt höher als die der in Wien angemeldeten Autos (709.000).
Michael Müller findet die 365-Euro-Jahreskarte der Wiener nachahmenswert.
© Bernd von Jutrczenka/dpa
Gleichzeitig gingen die Käufe aller anderen Ticket-Formen um bis zu 72 Prozent zurück, weil sie teurer wurden. Die Gesamtzahl der Fahrgäste stieg im gleichen Zeitraum nur um neun Prozent, ermittelte das Consulting-Unternehmen Civity in einer Studie, die Wien mit Berlin, Hamburg, München und Köln vergleicht.
Laut Studie haben 93 Prozent der Wiener nur höchstens 500 Meter zu Bahnen und Bussen. 74 Prozent erreichen die nächste Straßen-, U- oder S-Bahn schnell zu Fuß, in Berlin nur 58 Prozent.
Das fällt in Wien aber auch leichter: Die Stadt mit ihren 1,9 Millionen Einwohnern ist so eng besiedelt, dass Berlin mit einer vergleichbaren Dichte 4,8 statt 3,6 Millionen Einwohner hätte. Dennoch: In Wien gibt es pro Quadratkilometer mehr als acht Haltepunkte des ÖPNV, in Berlin nur rund fünf. Auch die Takte in Wien sind dichter.
Wiener Linien transportieren 2,6 Millionen Fahrgäste pro Tag, die BVG 2,9 Millionen
Wien hat, so sagt es die Studie, auch immer weiter an seinem Netz gearbeitet. Während in Berlin der Straßenbahn-Ausbau lahmt und die Verkehrsverwaltung von Regine Günther (Grüne) den U-Bahn-Bau zum Beispiel nach Schönefeld lustlos-langsam plant, beginnt Wien 2020 mit dem Bau einer innerstädtischen U5.
Das Gesamtangebot ist deutlich stärker gestiegen als in den deutschen Städten.
Fast 30 Jahre sind Berlins U-Bahn-Züge im Schnitt alt. In Wien sind es nur 15 Jahre.
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Und so transportieren die Wiener Linien pro Tag 2,6 Millionen Fahrgäste, unwesentlich weniger als die BVG (2,9 Millionen). Allerdings spielt die S-Bahn dort eine kleinere innerstädtische Rolle als in Berlin (1,5 Millionen Passagiere pro Tag).
Der sogenannte Modal Split, die Verteilung des Verkehrs, fällt deutlich zugunsten Wiens aus. Dort werden 38 Prozent der Wege mit Bussen und Bahnen zurückgelegt, in Berlin nur 25 Prozent. Der Auto-Anteil in Wien liegt nur noch bei 29 Prozent, in Berlin bei 34 Prozent.
Finanziell ist das Wiener Modell ein Zuschussgeschäft
Einen überaus wichtigen Einfluss auf das Verhalten der Wiener hat die Parkraum-Bewirtschaftung. In Wien ist das Parken auf 39 Prozent der Straßen gebührenpflichtig, in Berlin nur auf acht Prozent. Wien kontrolliert streng, ob man ein „Parkpickerl“ hat.
Finanziell ist das Wiener Modell ein Zuschussgeschäft: Die Ticketeinnahmen stiegen zwar seit 2012 von 460 auf 570 Millionen Euro, Wien muss aber laut Civity 50 Millionen Euro mehr pro Jahr dazuschießen als zuvor. In Berlin wird mit 100 Millionen Euro mehr Zuschussbedarf gerechnet. Um Geld zu bekommen, verlangt Wien von den allermeisten Arbeitgebern eine „U-Bahn-Steuer“ von zwei Euro pro Mitarbeiter und Woche.
Und so beginnt in Berlin schon die Debatte: Die CDU sieht im Haushaltsentwurf 2020/21 kein Geld für Müllers Idee. Die Grünen meinen, man müsse mal sehen, ob das Wiener Modell für Berlin taugt – wenn es zu mehr Fahrgästen führe, müssten dafür auch die Züge und Busse bereitstehen.
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