Berlins ältestes Kino vor dem Aus

Fressen Immobilienhaie das Moviemento?

Betreiber sammelt jetzt Spenden, um die Kreuzberger Etage selbst zu kaufen.

Annika Leister
Lesezeit 2 Min
Bar und Bistro-Tische fürs gemütliche Warten. 

Bar und Bistro-Tische fürs gemütliche Warten. 

© camcop media / Andreas Klug

Das Team von Deutschlands wohl ältestem Kino, eröffnet 1907, kämpft einen Kampf, den viele Kulturleute kennen: gegen Immobilienspekulation.

Die Wände sind mit Plaktaten gepflastert.

Die Wände sind mit Plaktaten gepflastert.

© camcop media / Andreas Klug

Das Moviemento belegt das erste Stockwerk eines Hauses am Kottbusser Damm. Die Gegend hat sich in den vergangenen Jahren rasant verändert, türkische Geschäfte sind hippen Gastro-Läden gewichen. Sörgel: „Das ist Goldgräberei.“

Wulf Sörgel am Projektor. Der soll weiterlaufen.

Wulf Sörgel am Projektor. Der soll weiterlaufen.

© camcop media / Andreas Klug

Ihm gehört das Kino seit 2007, er hat seither fünf Verkäufe miterlebt, mit immer steigenden Preisen. Wurde das Gebäude zuerst noch als Ganzes verkauft, werden inzwischen Stockwerke und Wohnungen einzeln losgeschlagen. Das Moviemento erfuhr vom geplanten Verkauf im Oktober – durch zwei Maklerinnen, die plötzlich im Foyer standen und ankündigten, dass sie die Räume begutachten und zügig verkaufen wollten. Sörgel dachte erst an einen bösen Scherz. Schließlich erfuhr er den veranschlagten Preis für die Etage: 1,868 Millionen Euro.

Der Eingang zum Independent-Kino ist bescheiden, Glamour gibt’s nicht.

Der Eingang zum Independent-Kino ist bescheiden, Glamour gibt’s nicht.

© camcop media / Andreas Klug

Betreiber will das Ende nicht hinnehmen

Das Ende will er nicht hinnehmen. „Ziehen wir einmal raus, wird es hier nie wieder ein Kino geben.“ Er will die Etage selbst kaufen, diskutiert mit dem Immobilienunternehmen, um den Preis zu senken, kratzte Reserven zusammen, fragte Freunde und Geschäftspartner. 400.000 Euro kamen so zusammen. Zusätzlich startete ein Crowdfunding auf Startnext. In einem ersten Schritt sollen so 100.000 Euro reinkommen. 1500 Menschen haben bereits 76.730 Euro gespendet. Schauspieler wie Benno Fürmann fordern zum Spenden auf. Sörgel hofft auch auf Großinvestoren.

Schutzmechanismen wie für Wohnungen – zum Beispiel das Vorkaufsrecht der Bezirke – gibt es für Gewerbeimmobilien nicht. Florian Schmidt (Grüne), Baustadtrat in Friedrichshain-Kreuzberg, teilt mit, dass es neuer Gesetze auf Bundesebene bedürfe. Er schlägt einen „Bürgerfonds“ vor, in dem staatliche und private Mittel ineinander greifen, „um die Stadt zurückzukaufen“. Sörgel genügt das nicht. Er sieht Kinos und Theater schließen – und fürchtet, dass diese Schließungen endgültig sind.

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