Warschau/Berlin - Leidenschaftlich küssen sich Bodo Niendl (36) und Manuel Schubert (26). Beide in schrillen Klamotten, "bewaffnet" mit Regenbogenfahnen. Die beiden Berliner stießen bei der Homosexuellen-Parade "EuroPride" im erzkonservativen Warschau nicht nur auf Gegenliebe - Rechtsradikale attackierten die Demonstration."So etwas habe ich noch nie erlebt", war der Berliner Terence Freibier (25) hinterher noch spürbar irritiert. "Auf einmal flogen Eier, Flaschen, Feuerwerkskörper auf uns, wir mussten uns mit unserem Transparent schützen." Gleich fünf Gegendemos liefen teilweise neben dem schwul-lesbischen Zug, beleidigten und bewarfen (auch mit Weihwasser) die heitere Partygemeinde.Während vor der 2000 Mann starken Polizeikette gelacht, getanzt und geflirtet wurde (darunter auch der deutsche Politiker Volker Beck von den Grünen), eskalierte dahinter die Wut. Die rechtsradikale "Allpolnische Jugend" versuchte mit rund 200 Neonazis, den Zug immer wieder zu stürmen. Stinkefinger und hasserfüllte Parolen waren noch das Harmloseste. Freibier: "Beängstigend, wir hatten ein ganz mulmiges Gefühl. Vor allem, weil die Polizei anfangs nicht richtig durchgriff und die Angreifer immer wieder gewähren ließ."Das aber tat die Polizei später dann doch, zahlreiche gewaltbereite Chaoten wurden verhaftet.Für Bodo, Manuel und Terence ging es nach dem Umzug zur Abschlussveranstaltung. Immer begleitet vom Anti-Homo-Plakat "Perverse nach Berlin"....------------------------------BU: Mit diffamierenden Plakaten wurden die für mehr Toleranz in Polen demonstrierenden Homosexuellen in Warschau "begrüßt".
Ihre Meinung interessiert uns. Feedback zu diesem Beitrag senden Sie bitte an leser-bk@berlinerverlag.com