Hans Wall ist tot

Berliner Unternehmer überraschend gestorben

Wall war eine bedeutende Persönlichkeit des Berliner Stadtlebens.

Stefan Strauß
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Hans Wall (Archivbild).

Hans Wall (Archivbild).

© Imago

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) würdigte den Verstorbenen am Mittwoch: „Hans Wall hat mit seinem Werdegang vorgelebt, dass Aufstieg gelingen kann“, sagte Müller. „Hans Wall hat ein großes Herz für Berlin gehabt. Er hat immer wieder finanziell geholfen, wenn es für unsere Stadt wichtig war.“

Ehrenämter und Millionenspenden

Schlosser von Beruf, machte sich Hans Wall 1973 im baden-württembergischen Ettlingen selbstständig mit der Idee, Kommunen kostenlose Stadtmöbel im öffentlichen Raum anzubieten, die er als Werbefläche vermarktete. 1984 verlagerte er seine Firma nach Berlin, denn sie hatte die Ausschreibung für die Außenwerbung in den Berliner Wartehallen gewonnen. Es folgten City-Toiletten und Haltestellen mit Solardächern und Internetterminal. Das Unternehmen wuchs zu einem Großbetrieb der Werbeindustrie. Etwa 500 Mitarbeiter waren in Berlin und Brandenburg beschäftigt, davon arbeiteten 270 in einer Fabrik in Velten. Sie produzierten dort Toiletten- und Wartehäuschen.
Für seine ehrenamtliche Tätigkeit, sein gesellschaftliches, kulturelles und soziales Engagement wurde er im Jahr 2000 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Er erhielt den Deutschen Förderpreis für Soziale Marktwirtschaft und den Heinrich-Stahl-Preis. Die Jüdische Gemeinde ehrte ihn für sein Engagement gegen Fremdenfeindlichkeit.

Hans Wall übernahm jahrelang die Kosten der Weihnachtsmarktbeleuchtung am Kudamm und spendete 750 000 Euro für die Sanierung der Gedächtniskirche am Breitscheidplatz. Als Vorsitzender und zuletzt Ehrenvorsitzender des Vereins „Denk mal an Berlin e.V.“ setzte er sich für den Erhalt des kulturellen Erbes der Hauptstadt ein, mit fast einer halben Million Euro aus seinem Privatvermögen finanzierte er das neue Glockenspiel der Parochialkirche. 2016 erwog er, 50 Millionen Euro für den Wiederaufbau der Schinkelschen Bauakademie zu spenden, „die Erfüllung eines Traumes“.

Im Jahr 2007 hatte Hans Wall den Vorstandsvorsitz der Wall AG 2007 an seinen Sohn Daniel Wall übergeben, er selbst übernahm den Vorsitz des Aufsichtsrates. Doch der familiengeführte Betrieb verlor an Einfluss, als sich der französische Außenwerbekonzern JCDecaux S.A. umfänglich an der Wall AG beteiligte. Im Jahr 2009 hatte Hans Wall seine Mehrheitsanteile an den französischen Milliardenkonzern verkauft. Von etwa 80 Millionen Euro ist die Rede. Sein Sohn Daniel war wütend über den Deal seines Vaters.

Doch das 30-jährige Firmenjubiläum wurde groß gefeiert. Zum „Parlamentarischen Abend“ im Gropius-Bau erschienen Klaus Wowereit und Michael Müller. Mit der Erfolgsgeschichte Hans Walls, dem Toilettenkönig Berlins, konnten sie für Berlins Wirtschaftskraft werben. Solche Unternehmerpersönlichkeiten brauche das Land, lobte Wowereit. Und so verlängerte der Senat die Verträge mit Wall immer wieder gern.

Mit 70 Jahren beendete Hans Wall seine berufliche Karriere, zog sich aus dem Aufsichtsrat zurück. 2015 schied auch sein Sohn, bis dahin Vorstandsvorsitzender und Aktionär mit knapp zehn Prozent Anteilen, aus. Die Wall-Zentrale in der Friedrichstraße werde immer mehr zum „gallischen Dorf im Konzern“, begründete Daniel Wall damals seinen vorzeitigen Ausstieg. Der einstige Familienbetrieb ist jetzt komplett in französischer Hand.

Von der FDP zur AfD

Hans Wall lebte zuletzt zurückgezogen in seinem Haus am Wannsee und beschäftigte sich mit Vereinsarbeit und Ehrenämtern. Doch der Unternehmer, einst FDP-Mitglied und Westerwelle-Fan, wurde mit der politischen und wirtschaftlichen Entwicklung im Land immer unzufriedener. Im Zuge der europäischen Finanzkrise trat er im Jahr 2014 mit anderen Mittelständlern der AfD bei, er spendete der Partei auch Geld. Die AfD sei für ihn die „Partei des Mittelstandes“, sagte er einmal. Wieder ist sein Sohn Daniel erschüttert über die Entscheidung seines Vaters.

Berlins AfD-Fraktionschef Georg Pazderski sagte zum Tod von Hans Wall: „Er war kein Forderer, kein Subventionsjäger, kein Bedenkenträger, sondern ein Macher.“ Er habe Wall als „aufrechten Konservativen“ kennengelernt. Seine Familie schrieb am Mittwoch: „Wir sind tief erschüttert und traurig, jedoch sehr dankbar für die wunderschöne gemeinsame Zeit. Wir werden ihn nie vergessen.“

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