Berliner Speckgürtel

Die Angst vor den Einbrecherbanden

2300 Taten im Jahr. Polizei hat neun Gangs aktuell im Visier

MARCUS BÖTTCHER und VOLKMAR OTTO
Lesezeit 3 Min
Die Orte im Speckgürtel rings um Berlin werden immer öfter Ziel von organisierten Einbrecherbanden.

Die Orte im Speckgürtel rings um Berlin werden immer öfter Ziel von organisierten Einbrecherbanden.

© Volkmar Otto Lizenz

Jutta W. lehnt an ihrem Gartenzaun. Ihre Hände zittern. Ihren richtigen Namen will sie nicht in der Zeitung lesen, ein Foto lehnt sie ab. Aus Angst, dass die Bande wiederkommt. Es passierte in der Nacht vor W.’s 70. Geburtstag. Friedlich schliefen sie und ihr Mann, als Diebe ins Haus eindrangen.

Mit einem neuen Trick: Mit einem erhitzten Kupferstab brannten sie in Höhe des Fenstergriffs ein zehn Millimeter großes Loch in den Kunststoff. Durch diesen führten sie einen Haken, öffneten lautlos die Verriegelung und waren im Haus. In weniger als 30 Sekunden.

Am nächsten Tag standen alle Türen offen. Schmuck, Bargeld, Handys, Tablet, Laptop, Kamera – alles weg. „Sogar das Blech, auf dem mein Geburtstagskuchen stand, lag im Garten“, sagt die 70-Jährige. „In den Tagen danach habe ich mich nicht getraut einzuschlafen.“

Bei Busunternehmer Dietmar Dreyer wurde die gesamte Wohnung durchwühlt, unter anderem wurde seine Geldbörse entwendet.

Bei Busunternehmer Dietmar Dreyer wurde die gesamte Wohnung durchwühlt, unter anderem wurde seine Geldbörse entwendet.

© Otto Lizenz

Studentin Lisa Kaedig (22) schützt sich mit ihrem Hund Teddy.

Studentin Lisa Kaedig (22) schützt sich mit ihrem Hund Teddy.

© Volkmar Otto Lizenz

Auch bei Händler Kay Stock wurde schon eingebrochen.

Auch bei Händler Kay Stock wurde schon eingebrochen.

© Volkmar Otto Lizenz

Fast 4000 Einbrüche gibt es in Brandenburg im Jahr – der größte Teil (2300) davon im Speckgürtel rings um Berlin. Tendenz steigend. Im Juli sorgte eine Serie in Kleinmachnow für Angst, die Landkreise Dahme-Spree und Teltow-Fläming melden gestiegene Zahlen.

Nun ist offenbar der Norden dran. Schönow meldet 20 Einbrüche in 14 Tagen. Auch aus den Nachbarorten Gorinsee, Panketal und Bernau werden Einbrüche, meist in Einfamilienhäuser, gemeldet. „Die gehen hier gerade um, ganz zielgerichtet“, erzählt Busunternehmer Dietmar Dreyer. „Bei mir wurde alles durchwühlt, mein Portemonnaie von der Kommode mitgenommen“.

Die gute Einkommens- und Vermögensstruktur lockt die Ganoven an. Die Anbindung an Autobahn und S-Bahn bietet optimale Fluchtmöglichkeiten. Wer denkt, die Langfinger würden wie im Fall von Jutta W. und Dietmar Dreyer nur nachts kommen, irrt. Die Einbrecher schlagen immer häufiger tagsüber zu, meist zwischen 14 und 21 Uhr – mittlerweile bei mehr als jedem zweiten Fall.

Berlin und Brandenburg haben eine Ermittlungsgruppe gebildet. Sie ermittelt in 207 Fällen. Demnach gibt es neun Banden unterschiedlicher Größe mit 46 Tatverdächtigen. Sie kommen laut Polizeipräsident Hans-Jürgen Mörke aus Süd- und Osteuropa, aber auch aus Deutschland. Oft werden Objekte, wie in Schönow, vorher ausgespäht, zum Beispiel durch das Verteilen von „Altkleider-Zetteln“.

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