Berliner Schloss

Schluss mit meckern, jetzt wird gefeiert

Irgendwann muss auch mal gut sein. Zu lange wurde über das neue Berliner Schloss gelästert. Der Rohbau des auch „Humboldtforum“ genannten Großprojekts sehe gar nicht prunkvoll aus, hieß es.

Marc Fleischmann
Lesezeit 4 Min
Nicht nur von außen bewundern, auch mal reingehen: Samstag und Sonntag dürfen Interessierte das Schloss von innen beäugen.

Nicht nur von außen bewundern, auch mal reingehen: Samstag und Sonntag dürfen Interessierte das Schloss von innen beäugen.

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Irgendwann muss auch mal gut sein. Zu lange wurde über das neue Berliner Schloss gelästert. Der Rohbau des auch „Humboldtforum“ genannten Großprojekts sehe gar nicht prunkvoll aus, hieß es. Mancher sagte hinter vorgehaltener Hand sogar, die Verantwortlichen hätten lieber den verseuchten Palast der Republik stehen lassen sollen – als Symbol der DDR sozusagen.

Der KURIER macht jetzt endlich Schloss mit Meckern! Ganz Berlin, alle Berliner sollen sich auf ihr neues Schloss freuen. Zwei Jahre nach Baubeginn gab es Freitag einen Vorgeschmack auf die Pracht künftiger Zeiten. Bauarbeiter setzten dem Rohbau die Richtkrone auf die Kuppel.

Drei Fußballfelder als Grundfläche

In einem atemberaubenden Tempo entstand auf dem Schloßplatz gegenüber der Museumsinsel Berlins neuer Koloss an der Spree. Auf einer Grundfläche von rund drei Fußballfeldern bietet das 35 Meter hohe Schloss phänomenale 100 000 Quadratmeter an Fläche. Das sind umgerechnet 400 Einfamilienhäuser.

Trotz der großzügigen Dimensionen liegt der Bau voll im Zeitplan. Exakt zwei Jahre nach der Grundsteinlegung durch Bundespräsident Joachim Gauck (75) wurde Freitag Richtfest gefeiert. Berlin kann eben auch anders. Das sind positive Nachrichten nach dem BER-Debakel, der Kostenexplosion bei der Staatsoper und der Hängepartie um das Einheitsdenkmal.

Auch wenn die Fassaden noch grau und nackt sind, lässt sich im Inneren des Giganten bereits erkennen, dass hier nicht gekleckert wurde: Insgesamt 100 000 Tonnen Beton und 20 000 Tonnen Stahl wurden seit Juni 2013 verbaut. Nach der geplanten Fertigstellung 2018 wird das Gebäude gemessen am heutigen Stand nicht wiederzuerkennen sein.

Dafür sorgen noch mal beeindruckende Zahlen: Bis dahin werden an dem späteren Schmuckstück eine barocke Fassadenfläche mit 22 500 Quadratmetern angebracht, der Beton mit insgesamt 3,5 Millionen Ziegeln verkleidet und 2900 Schmuckelemente (darunter 90 Widderköpfe und 45 Adler) aus 9000 Kubikmetern Sandstein installiert.

Schon 50 Millionen Euro an Spenden

Neben der zeitlichen Komponente werden dabei auch Berlin-untypisch die Kosten eingehalten: 590 Millionen Euro kostet das ambitionierteste Kulturprojekt Deutschlands. Den überwiegenden Teil (478 Mio.) steuert der Bund bei. Vom Land Berlin kommen 32 Millionen Euro. Weitere 80 Millionen Euro für barocke Fassaden an drei Seiten und 25 Millionen für den Schmuck der Kuppel (nicht im Budget) müssen durch Spenden hereinkommen.

Davon sei mit 50 Millionen Euro knapp die Hälfte zusammengekommen, sagt der Chef des Fördervereins für den Wiederaufbau des Berliner Schlosses, Wilhelm von Boddien (73). Es herrscht große Zuversicht, alle Spenden bis zur geplanten Schloss-Eröffnung Ende 2019 beisammen zu haben. Bauherr Manfred Rettig (62) ist sich sicher: „Wir haben keinen Plan B, weil wir keinen Plan B brauchen werden.“

Nicht nur der Bau an einer der prominentesten Stellen der Hauptstadt ist ehrgeizig, auch die Ziele: Nicht weniger als „Berlins Tor zur Welt“ soll das neue Stadtschloss nach Worten von Monika Grütters (53) werden. Die Kulturstaatsministerin war eine leidenschaftliche Vorkämpferin der Neubau-Variante, die lange debattiert wurde.

Mit dem Bau des Original-Stadtschlosses wurde 1443 begonnen. Wegen Kriegsschäden ließ es die Führung der DDR sprengen und errichtete an der Stelle den Palast der Republik. Eine Expertenkommission brachte 2001 den Nachbau eines Stadtschlosses mit barocken Fassaden ins Spiel.

Amazonas-Ausstellung mit seltenen Stücken

Davor sollte der asbest-verseuchte Palast der Republik dem Erdboden gleich gemacht werden. Der Bundestag beauftragte für die Rekonstruktion den Italiener Franco Stella (72). Nach Fertigstellung will die Stiftung Preußischer Kulturbesitz 13 000 Objekte ausstellen. Zudem wird eine Amazonas-Ausstellung mit seltenen Sammlungsstücken präsentiert.

Berliner, die sich vom Neubau-Stand überzeugen wollen, haben Samstag (10 bis 22 Uhr) und Sonntag (10 bis 18 Uhr) die Gelegenheit. Ein Ansturm an den beiden „Tagen der offenen Baustelle“ sollte kein Problem darstellen, denn bis zu 8000 Besucher haben auf einmal Platz.

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