Polizist mit Drogen im Pokerclub

Razzien gegen Geld verraten - ein Einzelfall?

Die Verhaftung eines Polizeibeamten schreckt die Öffentlichkeit auf. Ein Einzelfall?

BK
Lesezeit 3 Min
Polizist (Symbolbild).

Polizist (Symbolbild).

© imago/photothek

Drogen im eigenen Pokerclub zwischengelagert

Der Polizist habe selbst einen Pokerclub in Berlin-Pankow betrieben, in dem Drogen zwischengelagert wurden. 

Außer dem Polizisten wurden zwei weitere Personen verhaftet. 50 Polizeibeamte hatten insgesamt 14 Durchsuchungsbeschlüsse vollstreckt, die sich gegen insgesamt fünf Beschuldigte richteten - neben dem verhafteten Polizisten soll es sich bei den Beschuldigten um Gastwirte handeln.

Sichergestellt wurden Mobiltelefone und Bargeld als Beweismittel - die  Staatsanwaltschaft spricht von Vermögenswerte von mehr als 55 000 Euro.

Polizei bestreitet Unterwanderung durch kriminelle Clans

Im Zusammenhang mit der Berliner Polizeiakademie hatten sich einzelne Ausbilder über disziplinlose, teils sogar kriminelle Bewerber beklagt. Vorwürfe der Unterwanderung durch kriminelle Clans waren von der Polizeidirektion unter dem inzwischen suspendierten Polizeipräsidenten Klaus Kandt bestritten worden.

Der mutmaßliche Korruptionsfall bei der Polizei schreckte auch die Politik im rot-rot-grün regierten Berlin auf. Der SPD-Innenpolitiker Frank Zimmermann sprach von einem schlimmen Verdacht und einem Einzelfall, der aufgearbeitet werden müsse. Solche Vorfälle erschwerten den Kampf gegen die Drogenkriminalität, sagte Zimmermann der Deutschen Presse-Agentur. Der Vorgang zeige auch, dass die Polizei bei Verdachtsfällen konsequent auch nach innen ermittele.

Organisierte Kriminalität trifft Korruption in Behörden

CDU-Innenexperte Burkard Dregger sagte der dpa, wichtig sei schnelle und umfassende Aufklärung. Die meisten Polizisten machten einen guten Job und genössen hohes Ansehen in der Bevölkerung. Dieser gute Ruf dürfe nicht beschädigt werden. Auch Dregger sprach von einem Einzelfall.

Dagegen erklärte der FDP-Innenpolitiker Marcel Luthe, die Polizei sei „selbstverständlich regelmäßig Ziel der korrumpierenden Aktivitäten der organisierten Kriminalität, nicht nur im Bereich des Rauschgifts, sondern auch des Menschenhandels und der Zwangsprostitution“. „Bei den nun - nach dem Weggang der Polizeispitze - endlich erfolgreichen Ermittlungen kann es sich nur um den Anfang der Aufklärung handeln.“

Der SPD-Abgeordnete Tom Schreiber twitterte: „Ein Markenkern der #Organisierten #Kriminalität ist, dass diese auf allen gesellschaftlich relevanten Ebenen vernetzt ist. Leider auch bei der #Korruption in Behörden. Darüber spricht man nicht gerne, aber so läuft“s.“

Der amtierende Polizeipräsident Michael Krömer twitterte: „Es versteht sich von selbst, dass wir die Staatsanwaltschaft Berlin bei ihren Ermittlungen vollumfänglich unterstützen sowie alle weiteren erforderlichen Schritte prüfen und einleiten.“

Gewerkschaften: Kein generelles Korruptionsproblem bei Polizei

Die Sicherheitsbehörden in Deutschland haben nach Einschätzung der Gewerkschaft der Polizei (GdP) kein strukturelles Problem mit Korruption. Es handele sich eher um Einzelfälle, sagte GdP-Bundessprecher Rüdiger Holecek am Freitag. „Natürlich ist jeder Einzelfall einer zu viel“, fügte er hinzu. Daher müssten diese genau untersucht und Konsequenzen gezogen werden. „Aber dass die Polizei ein generelles Problem mit Korruption hat, kann man nicht sagen“, so Holecek.

Ähnlich äußerte sich der Sprecher des Berliner GdP-Landesverbandes, Benjamin Jendro. „Das kommt leider immer mal wieder vor, aber die ganz überwiegende Anzahl der Berliner Polizisten leistet hervorragende Arbeit und handelt nach den Regeln des Rechtsstaates“, sagte er der dpa. „Auch im aktuellen Fall gilt zunächst die Unschuldsvermutung“, ergänzte er. „Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, muss man sich von diesem Beamten trennen.“ (BK/dpa)

Ihre Meinung interessiert uns. Feedback zu diesem Beitrag senden Sie bitte an leser-bk@berlinerverlag.com