Jetzt reicht's!

Berliner Mieter protestieren gegen das Zubauen von Innenhöfen

Bürgergruppen fordern mehr freien Grünraum in den Innenhöfen.

Mike Wilms
Lesezeit 3 Min
Dieses Transparent empfängt die Grünen-Delegierten beim Landesparteitag.

Dieses Transparent empfängt die Grünen-Delegierten beim Landesparteitag.

© Bernd Friedel

Aufregung beim Grünen-Parteitag

Vier dieser Gruppen sorgten jetzt beim Grünen-Parteitag für Aufregung: Sie forderten ein Gespräch mit Umweltsenatorin Regine Günther (Grüne).

Die Mieter stehen draußen vor Saal Döblin 1 im dritten Stock des Hotels ParkInn. Sie halten Protest-Plakate hoch, damit jeder Grünen-Politiker, der rein oder raus geht, auf ihr Anliegen aufmerksam wird.

Mieter-Initiativen protestieren beim Grünen-Parteitag gegen die Bebauung ihrer Innenhöfe mit Hochhäusern. Sie fordern ein Gespräch mit Umweltsenatorin Regine Günther, die der Bitte nachkommt und sich die Sorgen anhört (li.).    

Mieter-Initiativen protestieren beim Grünen-Parteitag gegen die Bebauung ihrer Innenhöfe mit Hochhäusern. Sie fordern ein Gespräch mit Umweltsenatorin Regine Günther, die der Bitte nachkommt und sich die Sorgen anhört (li.).    

© Bernd Friedel

„Wir wollen nicht, dass landeseigene Wohnungsbaugesellschaften unsere grünen Innen- und Hinterhöfe mit Hochhaus-Klötzen zubetonieren“, sagt Wolfgang Schmelzer (79) aus dem SEZ-Kiez an der Landsberger Allee. 200 Anwohner wehren sich dort gegen Pläne der WBM, einen Achtgeschosser an die Stelle von Bäumen und Parkplätzen zu bauen.

Gekommen sind auch Initiativen aus der Kochhannstraße in Friedrichshain, dem Ossietzky-Kiez in Pankow und der Landfliegerstraße in Johannisthal. Beim Grünen-Parteitag verteilen sie einen gemeinsamen Offenen Brief an Umweltsenatorin Günther.

Grünflächen kein Brachland

Darin heißt es: „Die Wohngrünflächen inmitten unserer Häuser stellen einen Ort für nachbarschaftliche Begegnungen von Jung und Alt dar.“
Sie seien kleine Oasen mit Spielplätzen, kein Brachland.

Für Diana Böhme (48) geht es beim Protest um einen Mietergarten und Grünflächen für 300 Anwohner der Kochhannstraße und Pintschstraße. Sie sagt: „Seit Jahrzehnten pflegen die Mieter liebevoll ihren Garten.

Die hohen Pappeln wurden von Bewohnern der ersten Stunde gepflanzt.“ Doch jetzt wolle die WBM dort Wohnungen bauen – „und alles so zusammenquetschen, wie es gesetzlich gerade noch erlaubt ist“. Böhme betont, dass sie im Grunde nichts gegen Wohnungsbau hat, aber diese Zerstörung gehe zu weit.

Noch ziemlich frisch gegründet ist die Initiative „Grüner Kiez Pankow“. Sie trägt das Wort „grün“ schon im Namen, genau wie die Partei, die im Hotel Park Inn gerade tagt.

Mehr Grün für alle!

„Uns wurde versprochen, dass Umweltsenatorin Günther gleich kommt und mit uns redet“, sagt Initiativen-Sprecherin Britta Krehl. Sie will die Politikerin auf ein Bauvorhaben im Pankower Ossietzky-Kiez hinweisen, wo die Gesobau mehrere Gebäude mit bis zu 170 Wohnungen in die Höfe pflanzen will.

Die etwa 30 Vertreter der Initiativen warten angespannt, bis Günther plötzlich vor ihnen steht. Was sie denn als Grüne von den Zuklotz-Plänen halte, wollen die Demonstranten wissen. Erst mal sei es gut, dass die Initiativen gekommen seien, sagt Günther.

Sie setze sich für Berlins Stadtgrün ein, etwa jetzt für den Bau neuer Grünstreifen auf der Karl-Marx-Allee. Grüne Oasen dürften nicht einfach zerstört werden, aber es gebe mitunter eben Zielkonflikte mit dem Wohnungsbau.

Die Diskussion ist kurz, wird aber nicht die letzte sein: Die Mieter verabreden mit der Senatorin einen baldigen Termin. 

Ihre Meinung interessiert uns. Feedback zu diesem Beitrag senden Sie bitte an leser-bk@berlinerverlag.com