Sönke Wortmann: Die beiden Drehbuchautorinnen, Dorothee Schön und Dr. Sabine Thor-Wiedemann, haben dem Produzenten Nico Hoffmann ein Drehbuch vorgestellt. Der hat mich dann angerufen und gefragt, ob ich Interesse hätte, die Regie zu übernehmen. Ich habe nicht sehr lange überlegt und sofort zugesagt. Weil ich das Thema so toll fand und die Zeit, in der die Geschichte spielt. Außerdem mag ich Serien und wollte mal gucken, ob ich das auch kann.
Worum geht es in „Charité“?
Wie der Name schon sagt, geht es um das berühmteste Krankenhaus Deutschlands. Die Handlung setzt im Jahr 1888 ein. Es begab sich zu dieser Zeit, dass in der Charité einige berühmte Mediziner gearbeitet und geforscht haben: Emil Behring, Rudolf Virchow, Ernst von Bergmann, Paul Ehrlich, Robert Koch. Drei von ihnen bekamen später den Nobelpreis. Diese Herren haben wir dann ein paar Jahre bei ihrer Arbeit beobachtet. Dabei blieb es dann natürlich nicht, neben der Medizin spielt die Sozialgeschichte Berlins eine Rolle – und auch ein bisschen die Liebe.
Hat „Charité“ eine politische Dimension?
Damals durften Frauen in Deutschland nicht studieren. In den vollen Hörsälen saßen nur Männer. Unsere Hauptrolle, Ida Lenze, entdeckt ihre Liebe zur Medizin und geht ihren Weg in einer Zeit der sozialen Umbrüche. Die Sozialdemokraten waren verboten, das hindert aber Schwester Edith nicht, eine erste gewerkschaftliche Organisation zu gründen.
Wer hat Sie über medizinhistorische Zusammenhänge beraten?
Die Charité hat ein wunderbares medizinhistorisches Museum. Diesem steht Professor Thomas Schnalke vor. Er hat uns in der Vorbereitung beraten. Am Set hatten wir dann regelmäßig Fachberatung. Wenn eine OP gezeigt wurde, hatten wir Operateure dabei, die den Schauspielern die entsprechenden Handgriffe gezeigt haben. Operiert wurde damals übrigens noch ohne Handschuhe, weil man noch nicht wusste, dass sich Keime über unsaubere Hände verbreiten können.
Die Charité hat Ende des 19. Jahrhunderts bahnbrechende medizinische Entdeckungen gemacht. Hat das den Menschen die Angst vor dem Tod genommen?
Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun, weil sterben müssen wir sowieso. Damals eher früher, die Lebenserwartung lag bei vierzig Jahren. Durch die Forschungen der oben genannten Herren entwickelte sich langsam die Humanmedizin. Krankenhäuser waren damals nicht zur Heilung da, sondern nur zur Pflege, meist zur Pflege bis zum Tod. Weil man einfach nicht wusste, wie man die Leute heilen konnte.
Welches Verhältnis haben Sie zu Krankheit und Tod?
Ich hatte bisher wahnsinnig viel Glück, ich war noch nie stationär in einem Krankenhaus. Nicht mal der Blinddarm wurde mir rausgenommen. Mir ist es bisher gelungen, mir über den Tod keine Gedanken zu machen. Ich konnte ihn bislang erfolgreich verdrängen.
Gab es ein besonderes Ereignis während der Dreharbeiten?
Wir waren sehr gut vorbereitet und haben uns das Glück, was wir dadurch beim Drehen hatten, auch verdient. Eine schöne Anekdote ist vielleicht diese. Es gibt eine Szene in Folge fünf, wo eine der Hauptpersonen stirbt. Als wir im Sommer zur Motivsuche unterwegs waren, haben wir gesagt, es wäre doch schön, wenn es zu der Beerdigung schneien würde. Das ist eine sehr traurige Szene, fallender Schnee könnte das unterstreichen. Wir hatten dafür extra einen kleinen Friedhof angelegt. Während der Dreharbeiten hatten wir dann die ganze Zeit niemals Schnee. Keine Flocke in den ersten zweieinhalb Monaten. Als wir aber morgens um elf zu dem kleinen Friedhof außerhalb der Charité gingen, um die Szene zu drehen, fiel plötzlich Schnee. Auf den Punkt. Eine Stunde lang. Als wir die Szene abgedreht hatten, hörte es wieder auf zu schneien. Der Schnee schmolz sofort. Und kam in den restlichen sechs Wochen auch nicht wieder.
Auf welche Schauspieler können wir uns besonders freuen?
Auf alle. Wir haben gesagt, wir wollen eigentlich keine bekannten Leute. Ich finde das in historischen Filmen immer problematisch, wenn ich Leute zu gut kenne und schon zu oft gesehen habe. Wenn die dann auf einmal ein Kostüm anhaben, reißt mich das immer aus der Illusion, die ich ja schaffen will. Deswegen sind nun ganz viele neue Leute dabei, die man bisher noch nicht groß gesehen hat. Die aber genauso toll sind wie die Schauspieler, die man aus dem Fernsehen kennt.
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