Berliner Charité

Dienstag im TV, Montag wütend auf der Straße

Mitarbeiter streiken für mehr Gehalt und bessere Arbeitsbedingungen.

Gerhard Lehrke
Lesezeit 3 Min
Demo der Warnstreiker: Noch unter Rot-Rot wurden sie „outgesourct“.

Demo der Warnstreiker: Noch unter Rot-Rot wurden sie „outgesourct“.

© Volkmar Otto

Vor dem Elfenbeinturm: Ver.di-Sekretär Kalle Kunkel: „Wir zeigen denen im Elfenbeinturm, dass mit uns zu rechnen ist.

Vor dem Elfenbeinturm: Ver.di-Sekretär Kalle Kunkel: „Wir zeigen denen im Elfenbeinturm, dass mit uns zu rechnen ist.

© Volkmar Otto

Müller war in seiner Funktion als Wissenschaftssenator auf dem Weg zur Sitzung des Charité-Aufsichtsrats, dem er vorsitzt. Für den Tag hatte die Gewerkschaft Ver.di zum Warnstreik aufgerufen. Die ausgegliederten Tochterfirmen – CFM bei der Charité (zu 49 Prozent privat, 2800 Mitarbeiter) und VSG (2000 Leute) bei Vivantes –zahlen zu wenig, sagt die Gewerkschaft. Das müsse sich ändern – so wie das Organisationschaos an der Charité, wo an jedem Standort andere Vorschriften für die CFM -Mitarbeiter gelten würden.

Die Nase voll: Daniel Turek hat die „Nase voll von Vertröstungen und Absichtserklärungen“- durch Senat und Charité.

Die Nase voll: Daniel Turek hat die „Nase voll von Vertröstungen und Absichtserklärungen“- durch Senat und Charité.

© Volkmar Otto

Die Mitarbeiter, die Betten desinfizieren, putzen oder Material liefern, nennen Beispiele. Der Logistiker Daniel Turek (32) aus dem Charité-Klinikum Benjamin Franklin: „Wir sind 17 Leute, von denen acht direkt bei der Charité und neun bei der CFM angestellt sind. Wir machen die gleiche Arbeit, aber die Charité-Kollegen bekommen 2400 Euro brutto, wir von der CFM 1700 Euro.“ Bisher habe man vom Senat und von der Charité-Führung nur warme Worte gehört, geschehen sei aber nichts.

Auf die Pauke hauen: Sebastian Jansen erlebt mit, dass Kollegen sich im Dienst der Gesundheit krank arbeiten würden.

Auf die Pauke hauen: Sebastian Jansen erlebt mit, dass Kollegen sich im Dienst der Gesundheit krank arbeiten würden.

© Volkmar Otto

CFM-Mitarbeiter Sebastian Jansen (35) aus dem „Virchow“, der wie Turek Material von der Spritze bis zum Verbandsmaterial in Stationen und OPs bringt: „Ich habe 1150 Euro netto bei einer 40-Stunden-Woche. Mit dem Charité-Tarifvertrag wären es 450 Euro mehr. Jetzt sollen wir auch noch die Schränke putzen, in die wir die Lieferungen legen.“

Keine Automatik: Mario Kunze warnt: Es werde nicht automatisch besser, wenn die CFM wieder Teil der Charité wird.

Keine Automatik: Mario Kunze warnt: Es werde nicht automatisch besser, wenn die CFM wieder Teil der Charité wird.

© Volkmar Otto

Zwar soll die CFM spätestens 2019 wieder vollständig Teil der Charité sein, aber der Elektriker Mario Kunze (48) von der VSG warnt die Kollegen: Zwar sei die VSG eine 100-prozentige Tochter von Vivantes, aber man bleibe dennoch ein Beschäftigter zweiter Klasse. Es komme auf den Tarifvertrag an, damit es mehr Geld gibt. Heute will Michael Müller mit Charité-Chef Karl Max Einhäupl, der ebenfalls mit Pfiffen bedacht wurde, die Bilanz der Uniklinik für 2016 vorlegen.

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