„Ohne Hilfe wäre ich verzweifelt“, sagt der 19-Jährige. Die erhält er von Mirco Brahmann, der bis vor kurzem noch sein Vormund war. Er hat die zuständige Behörde, das Landesamt für Einwanderung, auf diversen Wegen, kontaktiert. Doch schlauer sind Brahmann und sein Schützling jetzt nicht.
Einwanderungsbehörde: Alle Termine für 2020 ausgebucht
Eigentlich wollten sie nur eine Frage beantwortet haben: „Ob Goldbedin seine Ausbildung beginnen darf und welche Voraussetzungen, Unterlagen, er hierfür benötig“, so Brahmann. Der IT-Entwickler betreut den Flüchtling seit 2016 ehrenamtlich und hilft ihm bei Behördengängen.
Um bis zum Ausbildungsbeginn alles zu regeln, versuchte Brahmann online einen Termin auf der Seite der Einwanderungsbehörde zu buchen. Er klickte den Unterpunkt „Aufenthaltserlaubnis für eine Berufsausbildung“ an. Zu seiner Verwunderung sind alle Termine für das gerade erst begonnene Jahr 2020 ausgebucht.
Behördenhotline: Brahmann erhielt sechs verschiedene Durchwahl-Nummern
Er probierte es deshalb telefonisch. „Doch unter angegebener Nummer läuft nur eine automatische Bandansage.“ Der Berliner IT-Experte gab nicht auf: Er rief unter der allgemeinen Berliner Behördenhotline an und erhielt „sechs verschiedene Durchwahl-Nummern“ für sein Anliegen. Er probierte sie alle nacheinander und bekam „nach drei Stunden“ endlich einen Mitarbeiter ans Telefon, der ihm aber auch keinen Termin geben konnte. „Er sagte, dass ich mich noch mal melden soll, wenn Goldbedins Aufenthaltsgestattung ausläuft. Dann könnte ich einen Termin bekommen.“
Der KURIER fragte bei der zuständigen Senatsinnenverwaltung nach: Worin liegt das Problem? Dort heißt es: Aus Datenschutzgründen könne man sich zum Einzelfall nicht äußern. „Nur so viel: Es gab mehrere Telefonate, in dem amtsseitig die rechtliche Situation geschildert wurde sowie eine eingehende Beratung stattfand“, teilt Senatssprecher Tino Brabetz mit.
Brahmann: „Warum muss man ihm das Leben unnötig erschweren?“
Brahmann: „Ich finde das traurig. Goldbedin ist ein sehr strebsamer und interessierter junger Mann. Warum muss man ihm das Leben unnötig erschweren?“
Das Amt hatte Brahmann vorgeschlagen, persönlich ohne Termin vorbeizukommen. „Beim letzten Mal saßen wir dort länger als einen halben Tag. Das können wir nicht bei jeder Frage leisten. Ich bin berufstätig und Goldbedin ist in der Schule.“ Verärgert schrieb er eine Dienstaufsichtsbeschwerde. „Kurz darauf meldete sich der Amtsleiter und sagte mir in sehr unfreundlichem Tonfall, dass ich keinen Termin bekomme. Warum verstand ich nicht.“
Er glaube, dass die Behörde nach Gründen suche, um seinen Schützling abzuwimmeln. Er sagt: „Ich finde das traurig. Goldbedin ist ein sehr strebsamer und interessierter junger Mann. Warum muss man ihm das Leben unnötig erschweren?“
Ihre Meinung interessiert uns. Feedback zu diesem Beitrag senden Sie bitte an leser-bk@berlinerverlag.com