Das zerfetzte Sofa an der Straßenecke bleibt nicht lange allein. Schon bald gesellt sich anderer Unrat hinzu – Mülltüten, alte Regale, leere Flaschen. Wer morgens durch die Stadt fährt, kann sehen, an welcher Ecke nachts Gelage stattgefunden haben. Meist erkennt man sie an herumliegenden Pizzakartons, verstreuten Zigarettenstummeln und Scherbenhaufen auf den Wegen.
+++
Berlin hat ein Müllproblem. Der Senat hat dazu 2018 den Aktionsplan „Saubere Stadt“ aufgelegt, der Bezirke dabei unterstützen soll, Straßen und Parks sauberer zu machen und damit auch für mehr Lebensqualität in der Stadt zu sorgen. Insgesamt stehen den Bezirken und der Berliner Stadtreinigung (BSR) dafür 8,4 Millionen Euro jedes Jahr zusätzlich zur Verfügung. Doch wie haben die Bezirke das Geld bisher genutzt?
Die BSR reinigt hauptsächlich Straßen, für Parks ist sie ursprünglich nicht zuständig.
© imago/Reiner Zensen
Das meiste Geld – immerhin 5,1 Millionen Euro – ist für die sogenannten Waste Watchers vorgesehen. Rund 102 Stellen wurden für Menschen geschaffen, die Vermüllungen nicht nur feststellen, sondern auch Verursacher ermitteln und Verstöße zur Anzeige bringen sollen.
Neukölln und Friedrichshain-Kreuzberg haben in Berlin das größte Sperrmüll-Problem
Im Haushaltsjahr 2018 hat die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe zunächst den fünf Bezirken Unterstützung angeboten, die am stärksten von illegalem Sperrmüll betroffen sind: Friedrichshain-Kreuzberg, Mitte, Neukölln, Pankow und Tempelhof-Schöneberg. Aus der noch nicht veröffentlichten Antwort des Senats auf eine Anfrage von Georg Kössler, umweltpolitischer Sprecher der Grünen, geht hervor, dass Neukölln 1,2 Millionen Euro zur Verfügung gestellt bekommen hat – davon wurden knapp 700.000 Euro für mehr Sauberkeit im Kiez ausgegeben.
Friedrichshain-Kreuzberg bekam im vergangenen Jahr 852.000 Euro zur Verfügung gestellt und gab davon fast alles aus, nur rund 9000 Euro sind noch übrig. Die beiden Bezirke haben das größte Problem mit illegalen Sperrmüllablagerungen, die die BSR ermittelt hat. Im laufenden Jahr stehen den Bezirken zwischen 50.000 (Marzahn-Hellersdorf) und 680.000 Euro (Mitte) zur Verfügung.
Mitte macht seine Mülleimer gegen Krähen sicher
Der Bezirk Neukölln hat mit dem Geld E-Lastenräder angeschafft, die Bürger kostenfrei nutzen können, um ihren Müll zum BSR-Hof zu bringen.
Zudem gibt es das Unternehmen „CRCLR“ , das im Auftrag des Bezirks gemeinsam mit Cafés oder Imbissen im Kiez Müllvermeidungsstrategien erarbeitet. „Ein Café hat zum Beispiel inzwischen keine Plastikstrohhalme mehr und nutzt welche aus Metall“, erzählt Vilma-Luu Sinn von CRCLR.
Kein seltener Anblick in den Straßen Berlins: Ein überfüllter Mülleimer.
© imago/Stylbruch
Der Bezirk Mitte hat mit den Geldern beispielsweise die Mülleimer gegen Krähen abgesichert. Und der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg hat E-Fahrräder angeschafft, mit denen Mitarbeiter einfacher Müll-Hotspots entdecken sollen, es wurden zudem mehr Mülleimer aufgestellt und Sand auf Spielplätzen ausgetauscht.
50 Euro für Sperrmüll? Georg Kössler (Die Grünen): „Viel zu viel“
„Wir brauchen mehr als nur Aktionsprogramme und Waste Watcher. Für ein sauberes Berlin sind gut ausgestattete Bezirke mit Personal nötig“, sagte Kössler. Von den Waste Watchern hält der Grünen-Politiker nicht viel, da die großen Verursacher meist gar nicht erst gefunden würden.
Kössler findet zudem, dass der Sperrmüll-Dienst der BSR viel zu teuer sei. Die BSR holt für 50 Euro Sperrmüll ab. „Viel zu viel“, sagt er.
Auch die Bezirksbürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg, Monika Herrmann (Grüne), setzt auf die BSR. Sie würde sich wünschen, dass die BSR auch die Parks sauber hält. Das ist eigentlich Sache der Bezirke. „Doch die Grünflächenämter sind dazu gar nicht richtig ausgestattet. Sie sollten sich ausschließlich um die Grünpflege kümmern“, findet Herrmann. Es gibt inzwischen einige Pilotprojekte, wo die BSR auch Parks reinigt und nicht nur Straßen und öffentliche Plätze – zum Beispiel im Görlitzer Park.
Ihre Meinung interessiert uns. Feedback zu diesem Beitrag senden Sie bitte an leser-bk@berlinerverlag.com