Berlin-Tempelhof

Hier entsteht die weiße Stadt der Not

16,2 Millionen Euro sollen die Unterkünfte in Tempelhof kosten.

Ulrich Paul
Lesezeit 2 Min
In Tempelhof sollen 976 Container für bis zu 1120 Menschen entstehen.

In Tempelhof sollen 976 Container für bis zu 1120 Menschen entstehen.

© Markus Wächter / Waechter

Schon gibt es Kritik. „Es macht aus meiner Sicht mehr Sinn, die Wohn-Container an einem anderen Standort zu errichten“, sagt Tilmann Heuser, Landesgeschäftsführer des Bundes für Umwelt und Naturschutz in Deutschland (BUND). „Auf dem Tempelhofer Feld sind sie zu sehr isoliert vom städtischen Leben.“

Mit Baggern werden die Container an ihren Platz transportiert. 

Mit Baggern werden die Container an ihren Platz transportiert. 

© Markus Wächter / Waechter

In Tempelhof sollen 976 Container für bis zu 1120 Menschen entstehen. Bis zum Juli soll die Stadt in der Stadt fertig sein. Von den 16,2 Millionen Euro Kosten entfallen nach Angaben der Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM) 7,2 Millionen Euro auf die Anschaffung der Container. Weitere rund neun Millionen Euro werden unter anderem für die Ausstattung der Container, für die Erschließung des Standortes sowie für die Gestaltung der Außenanlagen einkalkuliert.

Zum Vergleich: Für 16,2 Millionen Euro könnten bei Baukosten von 3000 Euro je Quadratmeter 100 Zweizimmerwohnungen mit 54 Quadratmetern errichtet werden. Klar ist: Die teuren Container werden auf dem Tempelhofer Feld nur sehr kurz genutzt. Grund dafür ist das geänderte Tempelhof-Gesetz. Darin steht, dass die Errichtung der Container „auf längstens drei Jahre zu befristen“ ist. In dieser Zeit müssen die Container allerdings noch auf- und wieder abgebaut werden.

Bauarbeiter montieren Fenster und Türen.

Bauarbeiter montieren Fenster und Türen.

© Markus Wächter / Waechter

Pikant: Die Fläche für das Containerdorf soll nach jüngsten Planungen nicht nur bis Ende 2019, wie versprochen, sondern bis Anfang 2020 genutzt werden. Ex-Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD) hatte am 26. November 2015 im Abgeordnetenhaus noch erklärt: „Es geht um die befristete Unterbringung von Menschen, längstens bis zum 31. Dezember 2019.“ Im geänderten Gesetz wurde dann zwar festgeschrieben, dass die mobilen Unterkünfte „bis zum 31. Dezember 2019“ errichtet werden dürfen. Doch wurde mit dem Zusatz, dass die Errichtung „auf längstens drei Jahre zu befristen“ sei, eine Hintertür für eine Nutzung über 2019 hinaus geschaffen.

Die landeseigene BIM beruft sich nun darauf, dass die Bauvorbereitung für die Container am 13. Februar 2017 begonnen hat. Wenn dies als Start der Errichtung auszulegen sei, „enden die drei Jahre am 12.02.2020“, rechnet sie vor.

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