Dienstag postete die Berliner CDU das „offizielle Musikvideo zum Wahlkampfsong Zeit für ein starkes Berlin“ in den sozialen Netzwerken. Darin zu sehen: Hochglanzbilder unserer schönen Stadt, unterlegt mit dem Lied, gesungen von Schlagersänger Tobias de Borg.
Das Video erntete gemischte Reaktionen. „So altbacken und bieder hat selten jemand versucht, jung zu wirken. Wie der Junge aus der Schule, der mit 16 schon wusste, dass er Steuerberater werden wollte, der Hiphop hörte, um irgendwie cool zu sein“, schreibt ein Nutzer auf Facebook. Ein anderer fragt: „Sagen Sie mal, liebe verantwortliche Menschen von der CDU: Haben Sie eigentlich noch alle Tassen im Schrank? Wie weit sollen Wähler sich denn noch von Ihnen abwenden, bis Sie mal Kontakt zur Wirklichkeit aufnehmen und erwachsen mit Erwachsenen kommunizieren?“
Soweit, so gut. Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten – und Schlager mag nicht jeder. Nun gibt es um das Video aber richtig Ärger.
Warum? In einer Szene des Films kann der Zuschauer den Ausblick von der bekannten Neuköllner Dach-Bar „Klunkerkranich“ genießen, während im Vordergrund eine Plakette mit der Botschaft „Starkes Berlin“ im Blumenkasten steckt. Das Problem: Der Eigentümer der Bar wusste offenbar nichts von dem Videodreh.
Auf Facebook kommentiert er: „Liebe CDU. Ihr habt keine Drehgenehmigung vom Klunkerkranich erhalten. Ich empfehle euch den Spot schnellstmöglich zu entfernen, denn ohne Genehmigung: keine Verwendung! Ihr habt keine Anfrage bei uns gestellt sondern schwarz-gedreht und das in euren offiziellen Spot mit aufgenommen.“
Inhaber Robin Schellenberg verlangt die Löschung des Videos auf allen Plattformen. Unter dem Titel „Schwarzdreh von der CDU?“ veröffentlichte er kurz darauf eine Stellungnahme auf der Facebook-Seite des Klunkerkranich. „Nachdem wir uns jetzt den halben Tag unsinnigerweiser damit beschäftigen mussten haben wir festgestellt: wir sind sogar im Hauptfilm drin, und das sogar mit sechs Szenen“, heißt es dort. Der Hauptfilm bebildert auf 34 Minuten Länge das komplette Regierungsprogramm der CDU. „Wer auch immer diesen Film produziert hat: Unsere Lichterketten, unsere Wimpel, der Blick vom Dach und unsere Blumenkästen! Mitten drin im Film! Die sind uns! Das sind wir!“
Eine Genehmigung für den Filmdreh sei nicht erteilt worden, generell nehme das Team von solchen Produktionen Abstand – und wolle sich von den Inhalten der Filme distanzieren.
Von der CDU selbst kam zunächst keine Reaktion – erst später. „Während wir diese Stellungnahme verfasst haben, erhielten wir um Punkt 18 Uhr eine SMS von der Pressestelle der CDU, dass dieser Sachverhalt nun geprüft wird“, schreibt der Klunkerkranich-Chef. FTH
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