Berlin sagt Nogida

Tausende zeigen Gesicht gegen Bärgida-Demo

5000 Gegendemonstranten stoppten 300 Pegida-Anhänger. Senat knipste aus Solidarität das Licht am Brandenburger Tor aus

CLAUDIA WILMS MARCUS BÖTTCHER und MARC FLEISCHMANN
Lesezeit 4 Min
5000 Berliner demonstrierten am Roten Rathaus gegen die Demo der islamfeindlichen Pegida-Bewegung.

5000 Berliner demonstrierten am Roten Rathaus gegen die Demo der islamfeindlichen Pegida-Bewegung.

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Der Senat schaltete die Beleuchtung am Brandenburger Tor ab.

Der Senat schaltete die Beleuchtung am Brandenburger Tor ab.

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Einer der 300 „Bärgida“-Anhänger, sie kamen nicht weit.

Einer der 300 „Bärgida“-Anhänger, sie kamen nicht weit.

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Kurz vor einer Kundgebung der islamfeindlichen Pegidabewegung und ihres Berliner Ablegers Bärgida haben sich erste Gegendemonstranten versammelt.

Kurz vor einer Kundgebung der islamfeindlichen Pegidabewegung und ihres Berliner Ablegers Bärgida haben sich erste Gegendemonstranten versammelt.

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Gegendemonstranten stoppten die Teilnehmer des rechtspopulistischen Aufmarsches gleich zu Beginn mit einer Blockade am Roten Rathaus. Mit Erfolg: Weil die 300 Pegida-Anhänger ihren Versammlungsplatz bis 21 Uhr nicht verlassen konnten, löste der Anmelder Karl Schmitt (60) die Demo auf. Die 200 Blockierer ignorierten zuvor vehement die Aufforderungen der Polizei, die Kreuzung zu räumen. 800 Beamte konnten nicht eingreifen, da laut Sprecher auch kleine Kinder unter den Gegendemonstranten waren.

Der „Bärgida“-Marsch sollte bis zum Brandenburger Tor gehen. Dort schaltete der Senat um 19 Uhr das Licht aus. Das Wahrzeichen der Hauptstadt lag für eine Stunde im Dunkeln, sollte keine Kulisse für die islamfeindlichen Parolen bilden.

Am Pariser Platz versammelten sich auch die Teilnehmer der türkischen Kundgebung – eine der vier Gegendemos. Gegendemonstranten kamen auch vor der Senatsinnenverwaltung zusammen. Justizminister Heiko Maas (48) und der Berliner SPD-Landesvorsitzende Jan Stöß (41) beteiligten sich mit dem Transparent „Berlin gegen Nazis“. Sie zogen zur großen Gegendemo am Roten Rathaus mit 5000 Teilnehmern.

Zu viele Missverständnisse: In Neukölln geboren, aufgewachsen, verwurzelt: Semiha Derdiyok (40) fasst es nicht, dass Berliner gegen ihren Glauben auf die Straße gehen: „Der Islam bedeutet Friede und Liebe, wird aber falsch interpretiert, das ist traurig“, so die Vierfachmutter und Chefin dreier Geschäfte in Kreuzkölln.

Zu viele Missverständnisse: In Neukölln geboren, aufgewachsen, verwurzelt: Semiha Derdiyok (40) fasst es nicht, dass Berliner gegen ihren Glauben auf die Straße gehen: „Der Islam bedeutet Friede und Liebe, wird aber falsch interpretiert, das ist traurig“, so die Vierfachmutter und Chefin dreier Geschäfte in Kreuzkölln.

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Wir sind auch Deutsche: Die Pegida-Bewegung macht Arap Ulutürk (53) zwar keine Angst, aber wütend. „Jeder Mensch darf hier laut Verfassung seine Religion frei ausüben. Auch wir Moslems“, sagt der Polizist. „Ich bin in Deutschland aufgewachsen und genauso Teil dieser Gesellschaft wie die hier Geborenen!“

Wir sind auch Deutsche: Die Pegida-Bewegung macht Arap Ulutürk (53) zwar keine Angst, aber wütend. „Jeder Mensch darf hier laut Verfassung seine Religion frei ausüben. Auch wir Moslems“, sagt der Polizist. „Ich bin in Deutschland aufgewachsen und genauso Teil dieser Gesellschaft wie die hier Geborenen!“

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Es ist wirklich eine Schande: Vor 34 Jahren kam Ali Akyildiz (61) aus Adana nach Deutschland – weil er politisch verfolgt wurde. Heute ist er Steuerberater, sagt: „Eine Schande, dass so viele Bürger aus der Mitte der Gesellschaft bei Pegida mitlaufen. Man sollte mit ihnen über Ängste reden, denn sie sind unbegründet.“

Es ist wirklich eine Schande: Vor 34 Jahren kam Ali Akyildiz (61) aus Adana nach Deutschland – weil er politisch verfolgt wurde. Heute ist er Steuerberater, sagt: „Eine Schande, dass so viele Bürger aus der Mitte der Gesellschaft bei Pegida mitlaufen. Man sollte mit ihnen über Ängste reden, denn sie sind unbegründet.“

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Traurig, was heute passiert: Dass man in Deutschland seinen Glauben frei ausüben könne, sei eine echte Errungenschaft, findet Kneipier Tuncay Arslanpac (46). Und: „Jede Form von Extremismus, auch das aggressive Bekämpfen meiner Religion, lehne ich ab. Traurig, dass so etwas heutzutage mitten unter uns möglich ist.“

Traurig, was heute passiert: Dass man in Deutschland seinen Glauben frei ausüben könne, sei eine echte Errungenschaft, findet Kneipier Tuncay Arslanpac (46). Und: „Jede Form von Extremismus, auch das aggressive Bekämpfen meiner Religion, lehne ich ab. Traurig, dass so etwas heutzutage mitten unter uns möglich ist.“

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Ich demonstriere dagegen: Fatma Celik (41) geht zur Demo, um ihren Pegida-Frust loszuwerden. „Gehöre ich etwa nicht zum Volk, nur weil ich mit zehn Jahren herkam?“, fragt sich die Sozialpädagogin. „Die Pegida-Entwicklung macht mir Angst. Wir Muslime sind doch keine Randgruppe – das müssen wir öffentlich zeigen.“

Ich demonstriere dagegen: Fatma Celik (41) geht zur Demo, um ihren Pegida-Frust loszuwerden. „Gehöre ich etwa nicht zum Volk, nur weil ich mit zehn Jahren herkam?“, fragt sich die Sozialpädagogin. „Die Pegida-Entwicklung macht mir Angst. Wir Muslime sind doch keine Randgruppe – das müssen wir öffentlich zeigen.“

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Hass darf nicht regieren: Menschlichkeit, Offenheit, Meinungsfreiheit. Das verbindet Seriban Durmaz (30) mit Deutschland und so will sie ihre beiden Söhne (4, 6) auch großziehen: „Ich will nicht, dass sie in einem Deutschland leben müssen, in dem der Hass regiert. Pegida ist unmenschlich, das passt nicht zu uns.“

Hass darf nicht regieren: Menschlichkeit, Offenheit, Meinungsfreiheit. Das verbindet Seriban Durmaz (30) mit Deutschland und so will sie ihre beiden Söhne (4, 6) auch großziehen: „Ich will nicht, dass sie in einem Deutschland leben müssen, in dem der Hass regiert. Pegida ist unmenschlich, das passt nicht zu uns.“

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Dort war es gar nicht so leicht, den „Bärgida“-Aufmarsch zu entdecken. Diejenigen, die eingekesselt von Gegendemonstranten rumstanden, waren auf den ersten Blick ein Querschnitt des gutbürgerlichen Berlins – Altersdurchschnitt 50plus.

Neben Anzugträgern mit Schlips, Rentnerinnen mit Pelz-Mützen und der blonden Hausfrau im Lederjäckchen gesellten sich viele ältere Polit-Aktivisten, besonders aus der rechten Ecke. „AfD forever“, ruft ein Mitfünfziger strahlend.

„Diese Kanaken sind doch keine Menschen. Sollen die doch die Container den Politikern vor die Tür stellen. Dann wissen die, wie die stinken“, ätzt ein über 60-Jähriger mit dunkler Wollmütze. „Nicht wir sind die Nazis, sondern die Parteien, so wie die ihr eigenes Volk behandeln“, hetzt ein kurz geschorener Herr mit Windjacke.

Ohne Mikrophone oder Kamera vor der Nase ist sich dieses Volk völlig einig – im Ausländerhass. Und die richtigen Nazis waren auch dabei. Nicht nur vereinzelt. Darunter auch junge Frauen, die schwarz gekleidet und mit grimmigen Gesichtsausdruck durch die „Bärgida“-Fans streiften.

Einpeitscher Karl Schmitt blökt ins Mikrophon über seine Erfahrungen mit der Presse – von angeblichen Lügen. Da war es wieder: „Lügenpresse. Lügenpresse!“, brüllt der Mob. Der „Bärgida“-Macher hat für kommenden Montag eine erneute Demo angekündigt.

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