Wenn Benjamin Pritzens die Ein- und Zweijährigen aus der Kükengruppe wickelt, denkt er nicht darüber nach, dass er dies nun als Mann tut. Befürchtungen von Eltern, der Körperkontakt könne übergriffig missbraucht werden, hörte der 27-jährige Erzieher in der Kita Villa Murkelmaier in Mitte nie. „Im Gegenteil: Die Eltern freuen sich, dass ein Mann ihre Kinder betreut.“
„Ein starkes Stück“
Nicht einmal jeder zehnte Erzieher in Berlin ist männlich. Spricht man Pritzens auf den Fall einer Kita in Reinickendorf an, der aktuell für Aufsehen sorgt, reagiert er entsetzt. Mehrheitlich muslimische Eltern hatten dort gegen die Anstellung eines homosexuellen Erziehers protestiert. Sie witterten Gefahr, wenn er ihre Kinder berührte.
Sie hatten womöglich Angst, dass sie selbst einmal homosexuell werden. „Ein starkes Stück“, findet Pritzens. „Was hat denn Sexualität mit dem Job zu tun?“
Dennoch hört auch Stephanie Nordt immer wieder von Eltern, die nicht wollen, dass männliche Pfleger ihre Kinder wickeln. Sie ist Bildungsreferentin bei der Berliner Initiative Queerformat, die pädagogische Einrichtungen zu Vielfalt weiterbildet. „Der Generalverdacht gegenüber Männern potenziert sich bei schwulen Erziehern“, sagt Nordt.
Die Senatsverwaltung wünscht sich mehr männliche Erzieher
Dass es sich bei den Eltern aus Reinickendorf um Muslime handelte, spielt für sie keine Rolle. „Vorbehalte hängen eher davon ab, wie stark die Eltern von traditionellen Geschlechterrollen geprägt sind“, sagt Nordt.
Die Senatsverwaltung für Bildung wünscht sich mehr männliche Erzieher „Sie sollen als Rollenvorbilder wirken“, sagt Senatorin Sandra Scheeres (SPD) dem KURIER. Die Reinickendorfer Kita reagierte in diesem Sinne: Sie stellte sich hinter ihren Erzieher und ließ die uneinsichtigen Eltern einen neuen Betreuungsort suchen.
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