360 Kilometer sind es von der Eden Arena in Prag bis zum Olympiastadion in Charlottenburg. Und doch war beides eins – in dem Moment, als Herthas Nico Schulz für die deutsche U21-Nationalelf gegen Tschechien traf.
Das Tor des 22-jährigen blau-weißen Eigengewächses beim 1:1 machte die Olympia-Quali für 2016 und das EM-Halbfinale klar. Dort wartet am Sonnabend Portugal (1:1 gegen Schweden). Im zweiten Halbfinale stehen Dänemark und Schweden. Italien (3:1 über England) ist raus.
Nicos Tor schaffte es in Windeseile auf die Hertha-Webseite. Verkündet wurde er voller Stolz auf dem offiziellen Twitter-Account. Im Universum der Foren und Blogs geht es gleich viel weiter. Das sei der Durchbruch für Nico gewesen. Alle wollen die Daumen drücken, damit er als Europameister aus Tschechien zurückkommt.
Was er selbst sofort als Ziel definierte: „Wir wollen hier unbedingt den Titel gewinnen.“ Da ist es ihm auch egal, dass er den Treffer gegen die Tschechen mit seinem schwächeren rechten Fuß erzielte. „Es ist ja nicht so, dass ich mit rechts gar nichts kann“, sagte er fast trotzig.
Keine Frage, das mit den Daumen ist okay. Der Durchbruch aber ist bei einem wie Schulz eigentlich stets nur ein Spiel entfernt. Kann angesichts seiner schwankenden Leistungen manchmal verdammt weit sein.
Achtung: Das ist keine heruntermachende Kritik. Kein Dissen! Eher die pure Normalität bei einem, der mit 17 Jahren und vier Monaten erstmals in Herthas erster Mannschaft kickte – beim legendären Zweitliga-Auftakt vor 48 000 Fans gegen Oberhausen am 20. August 2010. Der zwei Abstiege und Aufstiege mitmachte. Eigentlich gefühlt immer Stammspieler war, aber den Sprung zum Umverzichtbaren nie schaffte.
Ist es jetzt so weit? Dann sollte Hertha schnell den Vertrag mit Nico verlängern, der nur noch ein Jahr läuft. Spätestens, wenn der linke Außenbahnspieler als Europameister zurückkommt. Dafür fehlen noch zwei Siege: Im Halbfinale und im Endspiel am Dienstag. AJB
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