Berlin-Heiligensee: Sohn sprengt sich mit Mutter in die Luft

Als der Mann vom Amt kam, explodierte die Laube

Seit einem halben Jahrhundert wohnte Christel S. (66) in ihrer Gartenlaube. Ihr Sohn (34) kümmerte sich rührend um die behinderte Frau ohne Beine.

E. RICHARD und A. SCHMALZ
Lesezeit 2 Min
Von der gemauerten Laube sind nach der Explosion nur noch Trümmer übrig.

Von der gemauerten Laube sind nach der Explosion nur noch Trümmer übrig.

© Eric Richard Lizenz

Das zugewachsene Grundstück in der Gartenkolonie „Waldessaum“ in Heiligensee verwahrloste zunehmend. Die 66-jährige Pächterin, die in dem Häuschen aufwuchs, sitzt im Rollstuhl. Die Laube und ihr Sohn gaben ihr Halt. Doch nun liegt alles in Schutt und Asche.

Um 11.15 Uhr betritt ein Gerichtsvollzieher das Gelände. Sein Auftrag: Er soll die Laube zwangsräumen. Als der Beamte durch ein Fenster ins Innere der Laube schaut, stockt ihm der Atem. Mutter und Sohn haben sich verbarrikadiert, sitzen verzweifelt neben einer Gasflasche und machen eine drohende Geste.

Sekunden später zündet der Sohn das Gas an. Es kommt zur Explosion, zehn Meter hohe Stichflammen schlagen aus der Laube. Die Druckwelle spüren selbst die Nachbarn. Ein Wunder, dass dies überhaupt jemand überlebt hat.

„Wir dachten, dass hier ein Flugzeug gelandet ist“, sagt Nachbarin Petra S. Die alarmierte Feuerwehr rückt mit 60 Brandbekämpfern an. Zwei Rettungshubschrauber werden angefordert. Christel S. und ihr Sohn werden mit schwersten Brandverletzungen ins Unfallkrankenhaus Berlin geflogen. Ihr Zustand ist kritisch.

Bei den Löscharbeiten stürzt die massiv gemauerte Laube (70 Quadratmeter) in sich zusammen. Zuvor war das ganze Hab und Gut der beiden verbrannt. Eine Mordkommission hat die Ermittlungen übernommen.

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