Berlin

Hauptstadt der Armut

Menschen mit wenig Geld sterben früher – der Abstand zu Bessergestellten wächst.

Silvia Perdoni Gerhard Lehrke
Lesezeit 2 Min
In Berlin trifft das Armutskriterium 22,4 Prozent der Bevölkerung (Symbolbild).

In Berlin trifft das Armutskriterium 22,4 Prozent der Bevölkerung (Symbolbild).

© dpa

Als arm gilt, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens hat. Bei einer Alleinerziehenden mit einem Kind zum Beispiel liegt die Grenze bei 1225 Euro im Monat. In Berlin trifft das Armutskriterium 22,4 Prozent der Bevölkerung – 5,4 Punkte mehr als 2006. Deutschlandweit liegt die Quote bei 15,7 Prozent, 2006 waren es 14.

Verheerend für Berlin: In fast allen Ost-Bundesländern ist der Anteil der Armen gesunken, nur in Sachsen ist sie gegenüber 2006 um 0,1 Punkte gestiegen. Insgesamt haben die Berliner wenig Geld: Würde man die Berliner und nicht die Bundeseinkommen für die Berechnung zugrunde legen, fiele die Armutsquote auf 15,3 Prozent.

Rettet sich Berlin bei der Armut vor Bremen gerade noch auf den vorletzten Platz, liegt es beim Anteil der Hartz-IV-Empfänger bei 19,9 Prozent und damit am schlechten Ende der Statistik, obwohl er seit 2006 um 1,8 Prozentpunkte gefallen ist. Bundesweit lag der Anteil bei 9,4 Prozent, zwei Punkte niedriger als 2006.

Rolf Rosenbrock, Präsident des Paritätischen, weist auf eine trostlose Folge der Armut hin: „Die Lebenserwartung steigt für die wohlhabenden Menschen in jedem Jahr stärker als für die ärmeren, deshalb vergrößert sich der Abstand.“

Betrachtet man alle Konsequenzen, dürfte Armut in Berlin Todesursache Nummer eins sein. Männer, die unterhalb der Armutsgrenze leben, sterben laut einer Studie des Robert-Koch-Instituts im Schnitt mit 70,1 Jahren – wer mehr als 150 Prozent des mittleren Einkommens hat, erst mit 80,9 Jahren. Bei den Frauen liegen die Zahlen bei 76,9 beziehungsweise 85,3 Jahren.

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