Es gibt Einsätze, die beschäftigen Feuerwehrleute und Polizisten ihr Leben lang. Am späten Donnerstagabend hat sich ein solcher Einsatz am Rosenfelder Ring ereignet. Ein 23-jähriger Jordanier zerstörte in wenigen Minuten die eigene Familie. Das Motiv für den Wahnsinn ist bisher unklar.
Nach den Stürzen wurde das Areal weiträumig abgesperrt.
© Morris Pudwell
Sofortobduktion bestätigt Verdacht
Gegen 22.30 Uhr drehte er durch. In der Zweizimmerwohnung seiner Lebensgefährtin schnitt er sich den Hals auf. Offensichtlich wollte sich der Mann zu diesem Zeitpunkt schon das Leben nehmen. Doch dann griff sich der 23-Jährige sein Baby und warf es vom Balkon. Eine Sofortobduktion bestätigte das.
Eine Nachbarin habe noch versucht, ihn davon abzuhalten. Sie rief immer wieder: „Tue es nicht!“, berichten Anwohner. Laut Polizei waren Vater und Sohn zum Tatzeitpunkt allein in der Zwei-Zimmer-Wohnung. „Derzeit gibt es keine Hinweise auf die Beteiligung weiterer Personen“, sagt ein Sprecher der Staatsanwalt.
In diesem Krankenwagen kümmerten sich Seelsorger um die Mutter.
© Morris Pudwell
Kriminaltechniker sicherten Blutspuren auf dem Balkon, die davon zeugen, dass der Vater seinen Sohn über die rechte Seite des Balkons warf und sich anschließend von der linken Seite in den Tod stürzte.
Nachbar entdeckt toten Säugling
Ein Nachbar hatte den toten Säugling und dessen Vater auf dem Gehweg entdeckt. Er alarmierte die Polizei und die Feuerwehr. Polizisten befragten bis zum frühen Morgen Anwohner des Elfgeschossers. Dabei erfuhren sie, dass der Jordanier seit Monaten psychische Probleme hatte. Unklar ist bisher, ob er Stimmen im Kopf hörte, die ihn in den Wahnsinn trieben. Mehr wollte die Polizei zu dem Krankheitsbild des Mannes bisher nicht sagen.
Als die geschockte Mutter am Tatort eintraf, musste sie betreut werden. Sie schrie vor Verzweiflung und brach mehrmals zusammen. Seelsorger kümmerten sich um sie.
Tiefe Betroffenheit in Nachbarschaft
Ein Stofftier, Blumen und eine Kerze sind hinter einem Hochhaus am Rosenfelder Ring zu sehen. Hier lag der tote Säugling.
© dpa
Um all das zu verarbeiten, legte die Frau am Freitag Briefe an den Todesstellen ab, in denen sie ihre Liebe zu den Toten bekräftigte. In den emotionalen Zeilen heißt es, dass die Zeit mit ihrem Sohn die schönste in ihrem Leben war. In dem Brief, den sie an ihren Mann richtete, heißt es: „Vielleicht kann ich irgendwann verstehen und verzeihen.“
Rund um den Rosenfelder Weg herrscht tiefe Betroffenheit. An den beiden Todesstellen, die zehn Meter entfernt voneinander sind, legten Anwohner Blumen und Plüschtiere nieder. Kerzen brannten. (Mitarbeit: E. Richard)
Ihre Meinung interessiert uns. Feedback zu diesem Beitrag senden Sie bitte an leser-bk@berlinerverlag.com