Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) und Brandenburger Verkehrsunternehmen setzen sich dafür ein, dass die Preise im Januar 2020 spürbar steigen. Seit 2017 seien die Tarife stabil, eine Anpassung wäre nötig, hieß es. Besonders laut sind die Rufe in Brandenburg, wo die Verkehrsbetriebe vom Land an der kurzen Leine gehalten werden. Aber auch die BVG ist nach Informationen des KURIER dafür, die Preiserhöhungspause zu beenden.
Fahrgastverband IGEB ist nicht prinzipiell gegen ein 365-Euro-Ticket
Die Kosten seien um 3,2 Prozent gestiegen, hieß es. Die Lohnerhöhung für die BVG-Mitarbeiter, die den Etat jährlich mit 100 Millionen Euro belastet, sei noch gar nicht eingerechnet. In Brandenburg hielte man sogar vier Prozent für begründbar. Im September wird sich der Aufsichtsrat des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg (VBB) mit dem heiklen Thema befassen. „Derzeit stehen die Zeichen auf Tariferhöhung, nicht auf Tarifsenkung“, hieß es in Branchenkreisen.
Müll in einem U-Bahnhof: Mehr Qualität im Nahverkehr wäre wichtiger, sagen Experten.
© Sabine Gudath
Der Fahrgastverband IGEB sei nicht prinzipiell gegen ein 365-Euro-Ticket, sagte dessen Sprecher Wieseke. Aber: „Angebotsverbesserungen haben für uns ganz klar Vorrang. Wo sind die versprochenen 100 Kilometer Busspur? Und wo sind die neuen Straßenbahnstrecken?“, fragte er. Würde der Preis für eine Jahreskarte in Berlin (heute je nach Zahlungsweise 728 oder 761 Euro) halbiert, käme auf die Außenbezirke ein Ansturm von Autos aus dem Umland zu, warnte Wieseke. Der Unterschied zu den dortigen Ticketpreisen würde enorm: „Berlin muss aufpassen, dass der Verbund mit Brandenburg nicht auseinanderfliegt.“
Tarifmaßnahmen seien wichtige Beiträge zum Klimaschutz und für einen attraktiven Nahverkehr, so VBB-Chefin Susanne Henckel. Allerdings: „Ob Menschen lieber Bus und Bahn statt des Autos nutzen, entscheidet sich hauptsächlich über die Qualität und nicht allein über den Fahrpreis.“
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