Berlin - Für echte Fans ist der Verein wie eine Familie. Die Tradition wird vom Vater an den Sohn weitergegeben. Das ist auch bei den Berliner Zweitligisten Hertha BSC und 1. FC Union nicht anders. Doch das klappt nicht immer. KURIER-Reporter Sebastian Fiebrig traf vor dem Derby den Unioner Norbert, dessen Sohn Christoph Hertha-Fan ist.9.00 Uhr. Auf Initiative des 22-jährigen Christoph kommen rund 20 Unioner und Herthaner zum Frühstück am Fernsehturm zusammen. Die Stimmung ist gelöst. Gegenseitige Frotzeleien machen die Runde. Union-Fan Norbert: "Wir treffen uns nach dem Spiel an der Weltzeituhr, um den Sieg zu feiern." Das entlockt den Herthanern nur ein Lachen: "Ihr habt eine ganz schön große Klappe, dafür dass ihr fünf Dinger kassiert."Beim Frühstück erzählt Norbert, wie es dazu kam, dass Sohn Christoph sich für Hertha entschieden hat: "Die armen Kinder sind doch so gebeutelt gewesen. Als sie klein waren, mussten sie mit in die Alte Försterei. Das in der schlimmen Zeit, als da 900 Leute auf den Rängen froren. Dazu im schlimmsten Fall noch Regen oder Schnee. Ein Dach gab es ja noch nicht."Deswegen nimmt der EDV-Organisator seinem Sohn die Liebe zu Hertha nicht übel. "Mein Herz schlägt klar blau-weiß", sagt Christoph. Seit acht Jahren hat er die Dauerkarte für die Ostkurve. Norbert lacht: "Aber so lange er in der Ausbildung war, habe ich ihm die Dauerkarte bezahlt. Viele von Christophs Clique kenne ich außerdem, seitdem sie im Kindergarten waren. Wir haben sie dann auch ins Olympiastadion zu Hertha begleitet."10.50 Uhr. Nach dem Frühstück geht es gemeinsam mit der S-Bahn zum Olympiastadion. Auf dem Bahnhof Alexanderplatz nimmt Norbert einen Herthaner in den Arm. Die jüngeren Fans beider Lager betrachten diese Geste skeptisch.Er habe kein Problem damit, dass seine beiden Söhne zu Hertha gehen, sagt Norbert. "Nach Spielen trösten wir uns gegenseitig am Telefon. Oder wir gratulieren." Nur einmal gab es empörte Anrufe. Christoph nickt: "Das war, als einige Unioner in der letzten Saison mit einem Absteigerplakat im Olympiastadion auftauchten. Eine unsinnige Aktion, die nur unnötig die Stimmung anheizte." Mittlerweile gehen Vater und Sohn sogar wieder ab und zu gemeinsam in die Alte Försterei.11.25 Uhr. Am S-Bahnhof Olympiastadion trennen sich die Wege der Fanlager. Nicht für Norbert und Christoph. Beide gehen noch gemeinsam bis zum Stadion. Vor den Toren klatschen sich Vater und Sohn ab. Eine Umarmung. Beide wünschen sich ein gutes Spiel und selbst den Sieg. Dann geht Norbert in den rot-weißen Gästeblock. Christoph trifft seine Kumpels in der blau-weißen Ostkurve.15.20 Uhr. Heiser ruft Norbert ins Telefon: "Hier spricht der Derbysieger!" Im Hintergrund hört man Jubelrufe. Klar, diese Nacht wird rot-weiß durchgefeiert! Christoph hingegen ist frustriert: "Das war ein unverdienter Sieg für euch. Wir haben uns einfach zu doof angestellt." Trotzig ruft er noch hinterher: "Aber am Ende steigen wir auf! Ha-ho-he!" Das wünscht sich auch sein Vater Norbert.Dann kann er mit seinen Söhnen auch wieder zum Bundesligafußball ins Olympiastadion. Und alles ist gut.------------------------------
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