Pretoria - Vier Spiele, vier Siege! Argentinien erwartet nichts weniger als den Titel von der "Albiceleste". Sie haben gegen Deutschland, auch wenn's keiner zugeben mag, einiges zu verlieren. Der Druck auf die Gauchos als Topfavorit nimmt zu. Grund genug für den KURIER, Diego Maradona & Co. auf die Füße zu schauen.Bis ins Allerheiligste vorzudringen ist bei den Südamerikanern nicht einfach. Ein Motorradpolizist hatte den Tag seines Lebens. Endlich einmal ungestraft einen Verkehrsstau provozieren. Alles links und rechts weg, rein ins Wohngebiet. Hupen vergebens! Erst ab 17 Uhr ist Einlass auf das Universitätssportgelände.Warten, heißt die Devise. Warten und Schlange stehen. Ein Spielchen, dass sich noch zwei Mal wiederholen sollte. Ein paar Koreaner überbrückten die Zeit, indem sie ihre Golfschläger aus den Autos holen und Schwünge üben. Interessiert beobachtet werden sie dabei von englischen Journalisten, die - ein ganzer Reisebus voll - angereist sind, um Maradona zu bestaunen.Viel bekommen sie nicht zu sehen, als sich nach einer weiteren dreiviertel Stunde Schlange stehen die nächste Barriere öffnet. Auch später nicht, denn die Argentinier schicken ihre Kicker numerisch nach den Rückennummern aufs Podium. Diesmal traf es Martin Demichelis und Clemente Rodríguez, Nr.2 und Nr. 3.Zurück zum Training. Diego turnte inmitten seiner B-Elf herum. Darunter Veron. Ein Fingerzeig, dass er morgen nicht von Beginn an aufläuft. Nein, richtig in die Karten gucken lassen sie sich nicht. Erst recht nicht bei den Schussübungen, die die Hand Gottes in seinem dunkelblauen Trainingsanzug auffallend lässig mit dem Außenrist serviert. Allesamt weit vom Ziel entfernt!Psychospielchen? Da machen die Argentinier gerne mit. Wenn bei uns Mesut Özil fehlt, dann wird auch Lionel Messi versteckt. Ein grippaler Infekt, aber kein Fieber, so die Erklärung, die zuerst auf der Tribüne die Runde machte.Nach gut einer halben Stunde heißt es, Warteschlange die Nächste! Jetzt ist das Pressezelt wenigstens in Sicht. Bewegung kommt in die Reportschar, als das Tor sich öffnet. Ortskundige eilen voran, um die besten Plätze zu erhaschen.Die Luft wird dicker, so eng ist es in dem Zelt. Blitzlichtgewitter. Und vorne gibt Bayerns Abwehrrecke Demichelis den Gelassenen. Beinahe 20 Minuten steht allein er Rede und Antwort. Rodriguez schaut gelangweilt auf seine Hände unter dem Tisch. Die deutschen Provokationen? "Wir geben die Antwort auf dem Platz." Das Fehlen von Ballack? "Schweinsteiger hat seine Rolle sehr gut ausgefüllt." Seine eigene, umstrittene Leistung? "Weil sonst alles läuft, muss man sich ja jemanden rausspicken."Schön cool bleiben. Nur nichts zugeben. Immer wieder fährt sich der Innenverteidiger mit der Hand durch seine noch vom Duschen nassen Haare. Leben in die Bude kommt erst, als Demichelis eine Frage auf deutsch beantwortet. Ein laut vernehmliches Knurren schallt durch den Raum. Hier wird gefälligst spanisch gesprochen. Englisch? Auch nicht. Für auswärtige Gäste ist bitteschön die Übersetzerin Albana Gomez da, die am Ende eine Zusammenfassung des Gesagten geben wird.Immerhin wird so viel klar, dass die Gauchos Respekt haben vor dem, was auf sie zukommt. "Ich habe Maradona alles von der Bundesliga erzählt", verrät der Wahl-Münchner. Und vor allem vor Manuel Neuers Abwürfen gewarnt. "Die gehen weit über die Mittellinie." Da müsse man aufpassen.Leicht gereizt, geht es dem Ende entgegen. Unvermittelt löst Demichelis die vor der Brust verschränkten Hände. Wie man Maradona überhaupt in Frage stellen könne, dafür hat der 29-Jährige kein Verständnis. "Wir haben hier alle vier Spiele gewonnen." Mehr ginge halt nicht. Und auch das fünfte müsse einfach gewonnen werden. Weil die Deutschen den nötigen Respekt vermissen ließen! Eins haben Lahm, Schweini & Co, schon mal erreicht, den SMS-Verkehr mit den Bayern-Kollegen hat Demichelis erst einmal ausgesetzt.------------------------------Zitat: "Ein paar Koreaner überbrücken die Zeit, indem sie ihre Golfschläger aus den Autos holen und Schwünge üben."
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