Der Beamte (40): „Ich habe mit allen Zulagen und Kindergeld etwa 2400 Euro netto.“ Davon gehen für die private Krankenversicherung, die er neben der Beihilfe braucht, 240 Euro ab, 1200 Euro für die Miete im Umland und 300 Euro Kitagebühr. Zwar verdient die Ehefrau als Krankenschwester mit. Aber: „Passieren darf nichts, zum Beispiel eine Autoreparatur. Große Urlaubsplanungen sind nicht drin.“
Mal fünf, mal 30 Überstunden im Monat
Der Berliner arbeitet deshalb bis zu 24 Stunden im Monat als Fitnesstrainer, meist an Vormittagen vor Nachtdiensten. Er verdient so im Durchschnitt 300 Euro dazu: „Manchmal sehe ich meinen kleinen Sohn ein, zwei Wochen lang nicht. Er erkennt mich kaum wieder.“
Leicht fällt ihm die Doppelarbeit nicht: „Das zehrt.“ Denn der Hauptberuf mit seinen Zwölf-Stunden-Schichten verlange ihm auch immer mehr ab. Mal fünf, mal 30 Überstunden im Monat brächten zwar Geld, aber die Familie leide. Manche Kollegen seien bis nach Frankfurt (Oder) umgezogen, um Miete zu sparen.
Brandenburger Polizisten sind besser dran
„Wir sind wegen des Kindes aus einer nicht so guten Gegend Berlins ins Umland gezogen, aber nicht weit weg, weil ich Frau und Kind bei stundenlangen Autofahrten zum Dienst gar nicht mehr sehen würde.“ Außerdem würde das viel Benzingeld verschlingen – da habe er die Wohnung genommen.
Ein Kollege der Brandenburger Polizei in der gleichen Gehaltsstufe habe mehrere Hundert Euro im Monat mehr: Das Gehalt ist höher und Brandenburg gewährt „freie Heilfürsorge“. Die private Krankenversicherung muss der Brandenburger nicht zahlen.
„Es sollte zu denken geben, wenn ein Berliner Polizist nebenbei jobben muss"
Benjamin Jendro von der Gewerkschaft der Polizei (GdP): „Es sollte zu denken geben, wenn ein Berliner Polizist nebenbei jobben muss, um über die Runden zu kommen. Der Senat muss die Besoldung deutlich anheben, wenn er den öffentlichen Dienst funktionsfähig halten will.“
Die GdP begrüßt die deutliche Erhöhung der Gehälter in Brandenburg, Berlin müsse als Schlusslicht der Bundesländer mehr draufpacken, um den Rückstand aufzuholen: Das Jahresbrutto der Gehaltsstufe A 9 liegt um 2056 Euro unter Bundesschnitt.
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