Glaubt man einer alten Bauernregel, dann war es das jetzt mit dem Sommer. „Regen an Sankt Remigius bringt den ganzen Monat Verdruss“, heißt es dort. Der St.-Remigius-Tag ist am 1. Oktober – also morgen. Und was zeigen die Wetterberichte für diesen Donnerstag an? Vor allem Regen in der Westhälfte Deutschlands, der in der Nacht auch auf den Osten übergreift.
Warum ausgerechnet der 1. Oktober für Bauern so wichtig war
Ein einziger Regentag entscheidet natürlich nicht über vier Wochen Wetter. Wer am 1. Oktober nasse Schuhe bekommt, muss deshalb noch lange nicht bis Halloween mit Dauerregen durch die Gegend stapfen.
Trotzdem taucht der Remigius-Tag nicht zufällig im Bauernkalender auf. Über viele Generationen hinweg galt der 1. Oktober als sogenannter Lostag. An diesen Tagen blickten Landwirte besonders aufmerksam zum Himmel. Schließlich konnte sich früher niemand eine Wetter-App aufs Handy laden oder Radarbilder checken.
Der Gedenktag des Heiligen Remigius fällt genau in die Zeit, in der sich der Spätsommer langsam verabschiedet und der Herbst an die Tür klopft. Für die Bauern war das eine wichtige Phase. Wer sein Korn rechtzeitig unter Dach und Fach bringen oder die Felder für das kommende Jahr vorbereiten wollte, war auf möglichst verlässliche Zeichen angewiesen.
Hinter der Bauernregel steckt mehr als bloßer Aberglaube
Komplett aus den Wolken gefallen ist die alte Wetterweisheit jedenfalls nicht. Meteorologen beobachten bis heute, dass sich Anfang Oktober häufig größere Wetterlagen festfahren können. Macht sich ein kräftiges Hoch oder Tief erst einmal breit, krallt es sich fest und bestimmt, wo Sonne scheint und wo die Regenschirme ausgepackt werden müssen.
Genau deshalb schauten die Menschen früher am 1. Oktober besonders genau nach oben. Regnete es, entstand daraus irgendwann die bekannte Warnung: „Regen an Sankt Remigius bringt den ganzen Monat Verdruss.“
Der Heilige Remigius (circa 436–533) war Bischof von Reims und als „Apostel der Franken“ maßgeblich für die Christianisierung des fränkischen Reichs verantwortlich. Auf diesem Gemälde tauft er Clovis in der Kathedrale von Reims.
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Wissenschaftlich steht die Regel allerdings auf sehr wackligen Beinen. Dass man von einem Tag präzise auf das Wetter für vier Wochen schließen kann ... Nein, sagen Meteorologen, Regen am 1. Oktober führe keineswegs automatisch zu 31 Tagen Dauerregen. Trotzdem hält sich diese Bauernregel seit Jahrhunderten erstaunlich hartnäckig.
Das Wetter in diesem Jahr scheint der Bauernregel recht zu geben
Zum Start in den Oktober zeigt sich Deutschland wettertechnisch gespalten. Während sich Osten und Südosten zunächst noch über freundliche Abschnitte und Temperaturen bis zu 26 Grad freuen dürfen, schieben sich im Westen immer mehr Wolken vor die Sonne. Dort drohen Schauer und örtlich sogar Gewitter.
Örtlich seien mehr als 50 Liter Regen pro Quadratmeter möglich, sagt Meteorologe Dominik Jung von wetter.net. Für die ausgedörrten Böden sei der Regen einerseits willkommen, andererseits könne so viel Wasser auf einmal auch zum Problem werden.
In der Nacht zum Freitag wandert der Regen dann weiter ostwärts. Ausgerechnet am Remigius-Tag zeigt die Wetterkarte also genau jenes Muster, das Bauern früher nervös werden ließ.
Und der Wetterumschwung wirkt nicht wie ein Gast auf Kurzbesuch. Eher wie jemand, der seinen Koffer direkt im Flur abstellt und erst einmal ein paar Tage bleiben möchte.
Die nächsten zehn Tage: So geht es nach dem Remigius-Tag weiter
Wie es scheint, könnte die alte Bauernregel in diesem Jahr (zumindest teilweise) ins Schwarze treffen. Denn nach dem Wetterwechsel am Donnerstag deutet vieles auf eine deutlich herbstlichere Wetterphase hin. Von einer schnellen Rückkehr des Spätsommers fehlt in den (Wetter-)Karten derzeit jede Spur. Die Wettermodelle sprechen momentan eher für Regenjacke als für Sonnencreme.
Freitag: Der Herbst übernimmt vielerorts das Kommando. Vom Süden bis in den Osten und Nordosten ziehen oft dichte Wolken über den Himmel, dazu fällt gebietsweise Regen oder es gehen einzelne Schauer nieder. Im Westen und Nordwesten setzt sich nach örtlichem Nebel dagegen häufiger die Sonne durch, heißt es beim Deutschen Wetterdienst DWD. Die Temperaturen erreichen meist 18 bis 23 Grad.
Samstag: Nach zäher Nebelsuppe am Morgen zeigt sich das Wetter freundlicher. Sonne und Wolken wechseln sich ab, lediglich vereinzelt sind Schauer möglich. Im Alpenraum könnte es lokal sogar donnern. Im Nordwesten verdichten sich am Abend erneut die Wolken. Dazu werden 18 bis 24 Grad erreicht.
Sonntag: Der Tag startet vielerorts grau und neblig. Danach lockert es vor allem im Süden auf. Richtung Alpen entwickeln sich Quellwolken, vereinzelt auch Schauer und Gewitter, erklärt die Meteorologin Sabine Kürger vom DWD. Im Norden nimmt die Bewölkung dagegen im Tagesverlauf zu, am Abend setzt dort stellenweise leichter Regen ein. Die Höchstwerte liegen zwischen 17 und 23 Grad.
Montag: Wer auf einen trockenen Tag hofft, bekommt jetzt die besten Karten. Zwar halten sich im Norden und in Teilen der Mitte noch Wolken und letzte Regentropfen, insgesamt beruhigt sich das Wetter aber vorübergehend. Im Süden dominiert nach der Nebelauflösung häufig die Sonne. Die Temperaturen steigen auf 17 bis 23 Grad.
Dienstag: Nach morgendlichem Nebel wird es vor allem im Süden freundlich und zeitweise sonnig. Anders im Norden: Dort ziehen im Tagesverlauf wieder mehr Wolken auf. Zum Abend nähert sich dem Nordwesten bereits das nächste Regengebiet. Höchstwerte zwischen 17 und 23 Grad.
Auch in Berlin und Brandenburg soll es in den kommenden Wochen wolkig, windig und regnerisch werden.
© Britta Pedersen/dpa
Mittwoch: Wolken und Regen bestimmen das Bild über der Nordhälfte sowie über weiten Teilen der Mitte. Im Süden beginnt der Tag zunächst freundlicher, ehe von Norden her wieder dichtere Wolken aufziehen. Die Temperaturen bleiben mit 17 bis 23 Grad weiterhin vergleichsweise mild.
Donnerstag bis Samstag: Ab der zweiten Wochenhälfte deutet sich insgesamt wechselhafteres Herbstwetter an. Vor allem an den Alpen sind längere Regenphasen möglich, während andernorts meist nur geringe Regenmengen erwartet werden, weiß Sabine Krüger vom DWD. Gleichzeitig gehen die Temperaturen leicht zurück. Tagsüber werden überwiegend 15 bis 20 Grad erreicht, nachts sinken die Werte häufig auf 5 bis 10 Grad.
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