Beim Bezahlen bahnt sich ein Wandel an: Immer mehr Menschen wollen Karte oder Smartphone nutzen. Doch noch immer heißt es an vielen Kassen „Cash only“. Und erstaunlich viele Verbraucher scheitern mit der gewünschten Kartenzahlung. Jetzt plant der Bund neue Regeln. Auch die Volksbanken unterstützen den Vorstoß.
Bargeldzahlung oder Karte?
Bargeld oder Karte? Für viele Verbraucher ist diese Frage längst keine Geschmacksfrage mehr. Wer an der Kasse plötzlich erfährt, dass nur Scheine und Münzen akzeptiert werden, steht schnell vor einem Problem. Eine aktuelle Umfrage zeigt: Das kommt in Deutschland erstaunlich häufig vor.
Mehr als jeder zweite Erwachsene konnte in diesem Jahr mindestens einmal nicht wie gewünscht bargeldlos bezahlen. In einer repräsentativen YouGov-Umfrage für den Genoverband gaben 56 Prozent der Befragten an, dass sie mindestens einmal auf Bargeld ausweichen mussten, obwohl sie eigentlich mit Karte oder Smartphone zahlen wollten. 2021 lag dieser Anteil noch bei 45 Prozent.
Bei den meisten blieb es dabei nicht unbedingt bei einem einzigen Erlebnis. 28 Prozent der Befragten berichteten von zwei bis fünf Fällen im laufenden Jahr, in denen Karte oder Smartphone nicht akzeptiert wurden. Für die Erhebung wurden im August 1.534 Erwachsene in Deutschland befragt.
Das Bargeld soll weiterhin erhalten bleiben.
© Michael Bihlmayer/Imago
Klingbeil will digitales Bezahlen stärken
Das Problem könnte künftig kleiner werden. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) will Geschäfte und Restaurants verpflichten, neben Bargeld auch mindestens eine digitale Zahlungsmöglichkeit anzubieten. Eckpunkte für die geplante Regelung werden derzeit abgestimmt. Nach den Plänen des Finanzministeriums soll ein entsprechender Gesetzentwurf noch in diesem Jahr vom Kabinett beschlossen werden. Die Umsetzung könnte 2027 folgen.
Hinter dem Vorstoß steckt nicht nur der Wunsch nach mehr Komfort an der Kasse. Für den Staat haben digitale Zahlungen einen weiteren Vorteil: Sie hinterlassen nachvollziehbare Zahlungsdaten. Dadurch können Steuerhinterziehung und Geldwäsche erschwert werden.
Der Vorstoß stößt bei den Volks- und Raiffeisenbanken auf breite Zustimmung. Unter den Vorständen der Volksbanken im Verbandsgebiet des Genoverbandes, das alle Bundesländer außer Bayern und Baden-Württemberg umfasst, befürworteten 77 Prozent eine Verpflichtung zur Akzeptanz von Karten und digitalen Zahlungen. Befragt wurden 196 Vorstände.
Gleichzeitig zeigt die Umfrage: Das Bargeld soll keineswegs verschwinden. 49 Prozent der Bankvorstände sprechen sich dafür aus, dass Bargeld zumindest bis zu einer bestimmten Höchstgrenze verpflichtend angenommen werden muss.
Annahme von Bargeld soll Pflicht bleiben
„Das Smartphone und die Karte werden zunehmend zum Dreh- und Angelpunkt für Bankgeschäfte und Zahlungsverkehr – gleichzeitig bleibt es den Menschen aber auch wichtig, die Option einer Barzahlung zu haben“, argumentiert der Vorstandsvorsitzende des Genoverbands, Michael Hoeck.
Für die Volks- und Raiffeisenbanken gehe es deshalb um Wahlfreiheit. Verbraucher sollen selbst entscheiden können, ob sie ihre Rechnung mit Karte, Smartphone oder Bargeld begleichen.
Kartenzahlung soll verpflichtend möglich werden.
© Ute Grabowsky/photothek.net/Imago
Bargeld verliert langsam an Bedeutung
Die Entwicklung deutet allerdings darauf hin, dass Scheine und Münzen im Alltag weiter an Bedeutung verlieren könnten. Vier von zehn Befragten rechnen damit, dass sie persönlich in den kommenden Jahren weniger Bargeld verwenden werden. 20 Prozent erwarten einen deutlichen Rückgang, weitere 21 Prozent einen zumindest leichten. Nur sechs Prozent gehen davon aus, künftig häufiger mit Bargeld zu bezahlen.
Was sich Verbraucher wünschen
Dabei geht es nicht nur darum, überhaupt mit Karte zahlen zu können. Manche wünschen sich auch die Möglichkeit, direkt an der Ladenkasse Bargeld abzuheben. Andere hätten gerne einen besseren Überblick darüber, in welchen Geschäften und Restaurants überhaupt kontaktlos oder mit Karte bezahlt werden kann.
Damit könnte sich das Bezahlen in den kommenden Jahren weiter verändern. Bargeld dürfte zwar nicht einfach verschwinden. Doch wenn der Vorstoß des Finanzministers umgesetzt wird, könnte „Cash only“ an deutschen Kassen deutlich seltener zu lesen sein.
Ihre Meinung interessiert uns. Feedback zu diesem Beitrag senden Sie bitte an leser-bk@berlinerverlag.com