Bankräuber nach vier Jahren verraten Heinz-Leopold L. (68): Sein Alibi platzte nach einem Streit

Blutiger Überfall auf der Karl-Marx-Allee

Claudia Keikus
Lesezeit 2 Min

Berlin - Ein schwarz gekleideter Mann rennt schreiend über den Gehweg vor der Sparkasse. Es ist dunkel und kalt, der 9. November 2006. Schüsse krachen. Der Räuber schießt auf die Geldboten und die schießen zurück. Dann liegt der Mann blutend am Boden. Es war einer der spektakulärsten Geldboten-Überfälle des vergangenen Jahrzehnts. Bei dem ein Gangster starb, der andere sich durch ein wohl falsches Alibi die Freiheit erschwindelte. Jetzt ist es geplatzt.Heinz-Leopold L. (68) heißt dieser Mann, der vor über vier Jahren so geschickt durch die Maschen der Justiz schlüpfte. Ein verurteilter Millionen-Betrüger aus Hamburg, der früher sein Geld mit nicht bezahlten Rolex-Uhren machte. Er soll der eigentliche Drahtzieher des missglückten Geldtransporter-Raubes gewesen sein. Polizisten hatten bei dem erschossenen Otto R. den Schlüssel zur Wohnung von Heinz-Leopold L. gefunden.Die beiden Ganoven hatten sich 2002 im berüchtigten Gefängnis Hamburg-Fuhlsbüttel "Santa Fu" kennen gelernt. Heinz-Leopold L., dem die Polizei ein durchaus vornehmes, weltmännisches Auftreten bescheinigt, saß nach einem Ausbruch aus dem offenen Vollzug dort. Otto R. wegen räuberischer Erpressung.Er war bei einem Raubüberfall auf eine Bank in Hamburg von einem Kunden und einen Angestellten überwältigt worden. Eigentlich hatte Otto R. bei seinen Taten nie Glück gehabt. Bei einem Geldtransporter-Raub 1994 wurde sein Bruder von den Geldboten überrumpelt und im Transporter eingesperrt. Otto R. selbst verlor bei seiner Flucht seine Jacke.Nach vier Jahren in einer Zelle kam Heinz-Leopold L. im April 2006 frei. Er zog nach Berlin, nahm sich in der Karl-Marx-Allee eine nette Zwei-Zimmer-Wohnung. Als Kumpel Otto R. im Oktober darauf entlassen wurde, zog er zu ihm. Der Geldboten-Überfall geschah nur einen Monat später.Obwohl eine Zeugin am Tatort einen Mann sah, dessen Beschreibung zu Heinz-Leopold L. passte, konnte die Polizei ihn nicht überführen. Denn ein Bekannter gab ihm ein Alibi. "Ich habe Fernsehen geschaut", sagte Heinz-Leopold L. damals auch dem KURIER. Knast-Freund Otto R. beschrieb er als verzweifelt. "Wir gingen getrennte Wege."Jetzt gab es Streit mit dem Alibi-Kumpel von damals. Der ging zur Polizei, zog seine Aussage zurück. Heinz-Leopold L. steht nun doch am 18. Januar vor Gericht.------------------------------BU: Die Geldboten der Firma Brinks wollten in der Nacht die Geld-Automaten der Sparkasse füllen.Zwischenzeile: TOTER RÄUBER TRUG SCHRECKSCHUSSWAFFEZwischenzeile: KOMPLIZE KOMMT JETZT DOCH NOCH VOR GERICHT

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