Der Schalterschluss an der Greifswalder Straße, mit dem das Berliner Postbank-Netz der Zweigstellen mit Beratungsmöglichkeit auf 14 Filialen verödet, ist allerdings keine Ausnahme. Immer mehr klassische Bankfilialen samt Beraterkontakt verschwinden.
Hatten die großen Banken vor fünf Jahren in dieser Stadt zusammen noch mehr als 430 Filialen, in denen man mit einem Bankangestellten sprechen konnte, so sind es derzeit nur noch etwa 250. Das Angebot hat sich in fünf Jahren nahezu halbiert. Auch bundesweit hat sich das Filialsterben beschleunigt. Allein von 2017 auf 2018 wurden mehr als 2200 Zweigstellen geschlossen. In Berlin gibt es derzeit über 100 Bankfilialen weniger als noch Anfang 2018.
Banken müssen neue Kanäle zu ihren Kunden finden
Treiber dieser Entwicklung ist die Digitalisierung. Einer Umfrage des Digitalverbandes Bitkom zufolge nutzen heute sieben von zehn Bundesbürgern das Internet, um ihre Bankgeschäfte zu erledigen. Vor fünf Jahren war es nur etwa jeder zweite. Kunden können beispielsweise auch per Chat oder Videoberatung mit ihren Bank und Beratern in Kontakt treten.
SB-Service statt Schalter: Die Sparkasse hat aber noch 83 Filialen – mehr als jedes andere Geldinstitut in Berlin.
© picture alliance / Arne Bänsch/
Tatsächlich sind es meist die unrentablen Filialen, die geschlossen werden. Jene, in denen die Berater nur noch wenig zu tun haben, weil es in der Gegend eben keinen Beratungsbedarf mehr gibt und der persönliche Kontakt als Wettbewerbsvorteil nichts mehr zählt. Die Banken müssen also einerseits neue Kanäle zu ihren Kunden finden, dürfen aber andererseits ihre Stammkundschaft nicht verlieren.
Zumal die Treue zur Hausbank schwindet. Hatte vor einem Jahr gerade mal jeder dritte Bundesbürger (34 Prozent) schon einmal sein Girokonto gewechselt, ist dieser Anteil inzwischen auf 41 Prozent gestiegen. Jeder Achte will in den nächsten zwölf Monaten sogar zu einer reinen Online-Bank wechseln.
Der Shootingstar im volldigitalen Bereich des Bankgeschäfts ist die Berliner Smartphonebank N26. Obwohl diese erst 2015 gegründet wurde, zählt sie heute bereits 3,5 Millionen Kunden in 26 Ländern, und derzeit kommen nach eigenen Angaben täglich bis zu 10.000 neue hinzu. Folglich sieht man sich in der Klosterstraße als der Gewinner des Systemwechsels.
2020 würden kaum Banken in Berlin schließen
„Es würde mich nicht wundern, wenn 70 Prozent der heutigen Bankfilialen bis 2030 verschwunden sind“, sagt Georg Hauer, der das N26-Geschäft in Deutschland, Österreich und der Schweiz verantwortet.
Allerdings versuchen die alten Geldhäuser dagegenzuhalten. Die Sparkasse etwa, die Bank mit den meisten Filialen in der Stadt, schickt Berater auf Supermarkt-Parkplätze, Wochenmärkte oder Altersheime, um die Kunden dort zu treffen, wo diese sich ohnehin aufhalten. Darüber hinaus können Hausbesuche vereinbart werden, und im Sommer wurde ein zweiter Bus als rollende Filiale in Dienst gestellt.
Auf Anfrage erklärten die Berliner Sparkasse, Commerzbank, Berliner Volksbank, Sparda-Bank sowie Santander, dass für 2020 keine Filialschließungen in Berlin geplant seien. Die Deutsche Bank will indes nur „wesentliche Veränderungen“ an seinem Berliner Filialnetz ausschließen. Und die Postbank lässt lieber alles offen: „Eine Prognose für die Zukunft kann ich nicht geben“, teilt ein Sprecher mit.
Ihre Meinung interessiert uns. Feedback zu diesem Beitrag senden Sie bitte an leser-bk@berlinerverlag.com