Wenn am 24. Juni eine Frachtmaschine des Typs MD-11 in Schönefeld landet, handelt es sich um eine Sensation: Zoo-Tierarzt Andreas Ochs, zwei chinesische Pfleger sowie zwei Panda-Bären werden die ersten Passagiere am Flughafen BER sein. Das neue Cargo-Terminal, an dem der Flug abgefertigt wird, „gehört eindeutig zum BER“, sagt Lufthansa-Sprecher Wolfgang Weber.
Relaxte Tiere, diese Pandas. Das liegt an ihrem Hauptnahrungsmittel Bambus. Der ist sehr kalorienarm.
© dpa/Fan Jiashan/SIPA Asia via ZUMA Wire
Die Bären – das Weibchen Meng Meng (gesprochen „Möng Möng“) und das Männchen Jiao Qing („Dschao Ching“) – stammen aus dem Panda-Zentrum im westchinesischen Chengdu. Dort sind sie seit zwei Wochen in Quarantäne, werden untersucht, selbst Appetit und Kotabsatz werden begutachtet. Schließlich sollen die Tiere gesund sein, wenn sie auf die 8500 Kilometer lange Reise nach Deutschland gehen, wohin sie für 15 Jahre verliehen werden. Ihre neue Heimat wird der Berliner Zoo.
Jede Menge Bambus in den Transportkisten
Ein paar Tage vor Abflug werden zwei 550 Kilo schwere Metallkisten ins Bärengehege gestellt – ausgestattet mit abzudunkelnden Plexiglasscheiben, Lüftungsschlitzen, mit einer Spezialmatte als Toilettenersatz und jeder Menge Bambus zum Fressen. Die Tiere sollen sich an die Transportkisten gewöhnen.
Während des Verladens und beim Flug werden die Tiere nicht betäubt. Sie werden die Reise wohl trotzdem verschlafen.
© dpa/Xue Yubin/Xinhua/AP
Die MD-11 der Lufthansa-Cargo startet am 23. Juni als Fracht-Linienflug im südchinesischen Guangzhou – an Bord Fracht, verpackt in Stahlcontainern. Diesmal mit Stopp in Chengdu, um die Pandas und deren menschliche Begleiter aufzunehmen. Gelandet wird am 24. Juni nachmittags in Schönefeld.
Veterinär Ochs fliegt den Pandas zuvor entgegen. Bereits am Montag will der 55-Jährige nach Chengdu reisen – mit dabei eine kleine Apotheke. Dazu gehören Narkosemittel („Nur für den Notfall, betäubte Tiere dürfen eigentlich nicht transportiert werden“), Mittel gegen Reisekrankheit, Augensalbe, falls sich ein Tier eine Bindehautentzündung zuzieht sowie eine Infektionslösung.
Sie werden den Flug wohl verschlafen
Pandas gelten als träge Tiere, dafür sorgt schon ihr Hauptnahrungsmittel Bambus, das nur wenig Nährstoffe enthält. „Sie werden wohl schlafen oder dösen.“ Außerdem soll der Pilot einen flachen Aufstiegs- und Landewinkel wählen, um den Druckausgleich in den Ohren schonend zu gestalten. Ochs: „Ich erwarte keinen Stress.“
Kein Vergleich also zum Transport von Elefant Victor, an den sich Ochs noch gut erinnert. Im Jahr 2000 wurde der Bulle von Tel Aviv nach Berlin geflogen. Unterwegs randalierte Victor. Ochs: „Irgendwann hat der Kapitän gesagt, wenn der Elefant aus dem Käfig ausbricht, stürzen wir ab wie ein Stein – er ist nicht ausgebrochen.“
Ihre Meinung interessiert uns. Feedback zu diesem Beitrag senden Sie bitte an leser-bk@berlinerverlag.com