Fünf Jahre vor Maueröffnung starb die DDR-Schlagerlegende. Das Regime hat sie gebrochen. Jetzt kommen immer mehr Details aus ihrem Leben ans Licht – zusammengetragen von ihrem größten Fan.
Noch heute stockt Joachim Lang die Stimme, wenn er über „sie“ spricht. „Sie“, dass ist sein Idol Bärbel Wachholz. „Ich bin ihr überall hin nachgereist“, schwärmt der 61-Jährige. Jetzt hat er ein Buch geschrieben: „Das offizielle Bärbel Wachholz-Buch – Erinnerung an die Musiklegende“ (Eigenverlag, 29,95 Euro). Die Biografie zeigt: Bärbel Wachholz lebte im goldenen Schlager-Käfig, das Regime hat sie gebrochen. Bis zum Tod.
Das Goldkehlchen aus Eberswalde hatte eigentlich alles, was Stars stolz macht. Einen Ami-Schlitten, Geld für teuren Schmuck, hunderte Verehrer. Ein syrischer Scheich wollte Wachholz für 300 Kamele kaufen, Kosmonaut Juri Gagarin reiste ihr hinterher. Lotte Ulbricht, zweite Ehefrau des DDR-Staatsratsvorsitzenden Walter Ulbricht, wollte sie sogar adoptieren – was ihr neben den Gerüchten, sie wäre eine Gespielin des SED-Chefs – den Namen „Ullrichs Nachtigall“ einbrachte.
Bis die gelernte Fotografin die Enge des Ostens nicht mehr aushielt. Zwei Mal versuchte sie zu flüchten, doch ihre Schleuser flogen auf. Konsequenz: Berufsverbot. Joachim Lang: „Dass war dass das Schlimmste, was man ihr als Musikerin antun konnte.“
Die blonde Schönheit verfiel dem Alkohol, versank in Einsamkeit. Hinzu kam: 1970 erkrankte sie an Diabetes, hatte schwere Probleme mit Leber und Bauchspeicheldrüse. Noch einmal versuchte TV-Unterhalter Heinz Quermann sie 1984 zurückzuholen, sie legte einen umjubelten Auftritt in seiner Show hin. Doch ihre Seele war nicht zu retten. Neun Monate später setzte sie das Insulin ab – und starb.
Das Essener Paar Christiane Schulte-Himmelpforten (50) und Ludger Tismer (50) hat noch in der Schule gelernt, dass es nie eine Wiedervereinigung geben wird. „Umso grandioser ist es doch für uns, dass wir das erleben durften.“
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Der pensionierte Richter Burkhard Hegermann (73) :„In meinem Kopf gibt es keine Mauer“, sagt der Steglitzer. „Wenn wir früher nach Potsdam wollten, waren wir mit Kontrollen fast 5 Stunden unterwegs. Heute dauert es 25 Minuten und das genießen wir.“
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Pilar Sojo Sojo (37, r.) und Heike Koepchen (38) kommen aus der „Topographie des Terrors“-Ausstellung. Die Nordrhein-Westfälinnen haben keine Mauer mehr im Kopf. „Heute ist ein Werteverlust spürbar. In jeder großen Stadt gibt es schöne und schlechte Gebiete. Mit Ost und West hat das nichts mehr zu tun.“
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Familie Klingert aus Würzburg ist zum ersten Mal im Osten. „Wir haben unseren Kindern Noah (9) und Josephina (11) erklärt, was überhaupt die Mauer war. Die Mauer in unseren Köpfen ist weg, aber die Geschichte interessiert uns.“
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Der 15-jährige Johannes Kirsten aus Dresden besucht Berlin. Er hat die DDR nicht mehr erlebt: „Ich kenne alles nur vom Hörensagen. Meine Großeltern erzählen oft davon, aber ich verbinde damit nichts mehr.“
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Für Thomas Matthes (41) aus Dresden werden die Unterschiede zwischen West und Ost immer geringer. „Ich bin Sportler, da vermischt sich alles“. Der Dresdner hat gleich nach der Wende in West-Berlin studiert.
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„Wie kann man heute die Mauer nicht im Kopf haben“, fragt Monika Stapenhorst. Sie meint das aber nicht trennend. „Unter Hundebesitzern reden wir viel darüber, warum die Mauer gebaut wurde. Man darf das nicht vergessen.“
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Julia Gronenborn aus Köln (34) lebte 7 Jahre in Berlin. „Bei meinen Eltern gab es noch lange eine Mauer. Meine Mutter wollte an die Ostsee, mein Vater nie in den Osten. Als sie vor ein paar Jahren dort waren - große Begeisterung.“
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KFZ-Meister Henry Becker (48) hat seinen Wehrdienst direkt an der Grenze abgeleistet. „Auch heute sagen wir noch, dass wir rüber fahren. Nach wie vor finde ich Ostdeutsche viel offener“, sagt der Nordhausener.
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„In Freyenstein sagen immer noch alle, dass wir Ossis sind“, sagt die Verkäuferin Simone Maertens (41). Sie findet den Zusammenhalt stärker. „Und es kann nicht sein, dass wir für die gleiche Arbeit weniger Geld bekommen!“
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Die Lohmühlenstraße in Alt-Treptow, 1988 und 2011 verschmolzen durch den KURIER-Grafiker. Wo heute Touristen-Boote über die Spree tuckern, war früher absolutes Todes-Gebiet.
© Berliner Mauer Archiv/Hagen Koch/Lebie (Montage: saba) Lizenz
Der Übergang in der Invalidenstraße 1988 und 2011. Der KURIER-Grafiker fügte die Fotos aus beiden Jahren zusammen – viel verändert hat sich nicht.
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Im Café Adler trafen sich Spione, Informanten und Journalisten. Aus dem eigentlich abrissreifen Gebäude hörte die CIA den Osten ab.
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Der „verschmolzene“ Blick von der Oberbaumbrücke auf das Ost-Ufer. Rechts die alten Grenzanlagen, links der nach der Wende sanierte Speicher.
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Die Platte an der Ecke Voßstraße/Wilhelmstraße wurde 1988 errichtet. Der KURIER-Grafiker ließ Heute und Damals in einem Foto verschmelzen.
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In Schwarz-Weiß: die Sebastianstraße auf der Westseite der Mauer im Jahre 1988. In Farbe: Ingeborg Skiba schaut 2011 von ihrem Balkon im Osten auf die Sebastianstraße.
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