„Ich habe mich erst erschrocken, als ich das Schild sah“, sagt Breßler zu der Warnung des Lageso. Aber nach einer kurzen Beratung mit einem anderen Badegast steigt sie zuversichtlich ins kühle Nass.
Anita Breßler geht trotz der deutlichen Warnhinweise am Tegeler See ins Wasser.
© Sabine Gudath
Das Wasser ist verführerisch klar, nach Algenmatten sucht man derzeit vergebens. Aber das sagt nichts darüber, was im Labor nachgewiesen werden kann. Blaualgen sind genau genommen gar keine Algen, sondern Bakterien.
An der Badestelle Reiherwerder treffen immer neue Badegäste ein. Dass insgesamt 14 Hunde am Tegeler See verendet sind, wissen die meisten. Aber der Familienvater Cumali Bagci (34) hat noch nichts von den Ereignissen der letzten drei Wochen gehört.
Papa Cumali Bagci hat erst am See von der Badewarnung gehört. Er lässt seine Söhnen Kerem (3) und Yasin (5) nicht ins Wasser.
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Er ist von seinen quirligen Söhnen Kerem (3) und Yasin (5) so abgelenkt, dass er nicht mal die Warnhinweise bemerkt. Erst von den KURIER-Reportern erfährt er, dass vom Schwimmen im See abgeraten wird. Er sagt: „Das gibt’s ja gar nicht! Und wir sind extra aus Wedding hergekommen.“
Während an der Badestelle noch über das Für und Wider der Warnungen diskutiert wird, geht der Spandauer Tierarzt Kai Rödinger mit neuen Erkenntnissen an die Öffentlichkeit. Das Gift der Blaualge Anatoxin A sei bei drei toten Hunden „in auffallend hohen Mengen“ endgültig nachgewiesen worden. In seiner Praxis wurden insgesamt elf Hunde mit „den passenden Symptomen“ eingeliefert.
Sabrina Draegert hält nichts von dem Leichtsinn anderer Badegäste.
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Die meisten Berliner verzichten derzeit ganz auf Besuche am Tegeler See. „Es ist erstaunlich leer, mit Hunden geht kaum noch einer spazieren“, sagt Sabrina Draegert (39), die es sich im Bikini auf einem Badehandtuch gemütlich macht. Ihr reicht es völlig, die Sonne zu genießen. Sie geht nicht in den See. „Wasserpflanzen aller Art sind mir sowieso nicht geheuer“, sagt sie.
Beim Lageso wurden am Mittwoch neue Laborergebnisse des Umweltbundesamts in Dessau erwartet. Die Experten hatten Wasserproben von fünf Stellen des Tegeler Sees genommen. Am frühen Abend hieß es dann, dass keine für den Menschen „gesundheitsrelevanten Konzentrationen von Blaualgen-Toxinen“ gefunden werden konnten.
Ein Warnschild rät den Badegästen vom Schwimmen im Tegeler See ab.
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Jedoch unterliege das Vorkommen von Blaualgen im Flachwasser hohen Schwankungen. Die Gift-Algen haften vor allem an Wasserpflanzen. Daher wurden die Badestellen von Pflanzen gereinigt. Die Badewarnung gilt trotzdem weiter – auch weil erneut für Hunde tödliche Giftkonzentrationen gefunden wurden.
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