Badespaß mit Einschränkungen

Stadt, Strand, Frust

Ekel-Algen und Quallenpest – was der Sommer mit unseren Gewässern macht.

Gerhard Lehrke
Lesezeit 4 Min
Sollten die Blaualgen in diesem Sommer wieder zuschlagen, drohen wie an diesem See Badeverbote. Die Bakterien verursachen Durchfall und Erbrechen.   

Sollten die Blaualgen in diesem Sommer wieder zuschlagen, drohen wie an diesem See Badeverbote. Die Bakterien verursachen Durchfall und Erbrechen.   

© Sascha Graf

Es soll ja wieder wärmer werden, dann locken erneut Flüsse und Seen Berlins zum Bade. Doch im  Wasser begegnet man nicht nur dem einen oder anderen Fisch,  sondern auch unappetitlichen Quallen und gesundheitsgefährdenden Bakterien. Im Moment ist alles  sauber, aber das kann sich ändern. Der KURIER sagt, worauf man beim  Ausflug achten sollte. 

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Eigentlich war es ja nur Wasser, was da in der Havel, im Tegeler und Müggelsee herumschwamm, und Wasser im Wasser ist wahrlich nicht überraschend. Allerdings war es Wasser in besonderer Form: Quallen, und die sind schon eklig. 99,3 Prozent ihres Körpers besteht aus Wasser, beim Menschen sind es nur an die 60 Prozent. Die glibberigen Nesseltierchen, die hier gerade mal höchstens so groß wie ein Zwei-Euro-Stück werden, waren wegen der hohen Temperaturen Ende Juni in Massen auch in der Nähe von Badestellen aufgetreten, vor allem an der „Bürgerablage“ in Spandau.

Das fiel auf, mancher schreckte vom Baden zurück, auch wenn die Nesseln der Süßwasser-Quällchen zwar einen Winz-Krebs oder anderes Plankton betäuben, das sie fressen, dem Menschen aber gar nichts anhaben können.

Silvia Kostner vom Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) erklärte, behauptete Hautirritationen seien nahezu hundertprozentig nicht auf die Quallen, sondern vermutlich auf Mückenstiche oder allergische Reaktionen auf die Raupen der Eichenprozessionsspinner am Ufer zurückzuführen.

Quallen wurden wahrscheinlich eingeschleppt

Vorstufen der Qualle, die Polypen, sitzen am Boden der Flüsse an Pflanzen. Erst, wenn das Wasser 25 Grad und mehr hat, entwickeln sich aus den zwei Millimeter winzigen Wesen die eigentlichen Quallen, auch Medusen nach der sagenhaften griechischen Schauergestalt Medusa genannt.

In der vorvergangenen Woche war die Wassertemperatur wegen der Gluthitze über die kritische Grenze von 25 Grad gestiegen, und so kam es zur Invasion der „Craspedacusta sowerbii“, die mittlerweile nicht mehr vorhanden zu sein scheinen. Ob sie wiederkommen, wenn es erneut warm wird, ist ungewiss.

Derk Ehlert von der Senatsumweltverwaltung weist darauf hin, dass die möglicherweise aus Asien oder Brasilien eingeschleppten Quallen schon 1995 in der Havel erstmals gesichtet wurden. In Berlin tauchten sie im warmen Sommer 2003 auf, um 2006 erneut auffällig zu werden. Badefreunde sollten die Quallen eher begrüßen: Sie mögen wie der Mensch sauberes Wasser, wo sie herumtreiben, ist das Baden eigentlich angeraten.

Süßwasserqualle Craspedacusta sowerbii.

Süßwasserqualle Craspedacusta sowerbii.

© dpa

Blaualgen sind bedrohlich

Bedrohlicher sind ganz andere Wasserbewohner: Blaualgen, auch Cyanobakterien genannt. Sind sie im Wasser unterwegs, droht echtes Ungemach mit Durchfall und Erbrechen, falls man Wasser geschluckt hat.

Silvia Kostner: „Sie treten in der Regel erst Ende Juli bei langer, starker Sonneneinstrahlung und Wärme auf.“ Blaualgen brauchen Nährstoffe, und die liefern landwirtschaftlicher Dünger, in Berlin vor allem aber Badende, wenn sie sich in großer Zahl am und im Wasser tummeln. Hautpartikel, Sonnenmilch oder Essensreste befördern das Algenwachstum.

Blaualgen können auch etwas nützen: Bei der Firma Algenol in Adlershof befasst man sich damit, aus der Bakterie Bio-Treibstoff herzustellen.

Blaualgen können auch etwas nützen: Bei der Firma Algenol in Adlershof befasst man sich damit, aus der Bakterie Bio-Treibstoff herzustellen.

© imago/Bernd Friedel

Eine dringende Warnung Kostners geht vor allem an Eltern kleiner Kinder: Sollte es mal wieder sehr stark regnen und die Kanalisation überfließen, sei mit einer drei bis fünf Tage andauernden starken Belastung mit Fäkalbakterien in Flüssen und Seen zu rechnen. Erst dann seien sie durch Abfluss oder die Reinigungskraft der Schilfgürtel beseitigt. Fäkalkeime sind zwar immer vorhanden, aber erst in höherer Konzentrationen gesundheitsgefährdend.

Baden in der Stadt problemlos möglich

Gegenwärtig ist das Baden an allen 39 offiziellen Badestellen der Stadt problemlos möglich. Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD), die öffentlichkeitswirksam eine Wasserprobe im Strandbad Weißensee entnahm: „Die Wasserqualität ist hervorragend.“

Das Lageso lässt in der Badesaison zwischen dem 15. Mai und dem 15. September alle zwei Wochen an den Badestellen Proben durch das Landeslabor Berlin-Brandenburg entnehmen. Für die Badestellen Kleine Badewiese und Grunewaldturm an der Unterhavel, in der die Wasser von Havel und Spree vereint sind, gibt es ein tagesaktuelles Frühwarnsystem. Die Ergebnisse kann jeder im Internet einsehen, und zwar hier: www.badegewaesser-berlin.de

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