KURIER: Warum machen Sie die Gratis-Schnitte?
Nasir Sobhani: Nach den ersten Schnitten realisierte ich, Straßen-Friseur sein, ist das, was ich will. Ich kann meine Fähigkeiten schulen und Menschen helfen. Es geht darum, ihnen Liebe zu zeigen, die sie verdienen. Darum, ihnen das Gefühl zu geben, dass sie unserer Aufmerksamkeit wert sind – anstatt sie auszugrenzen.
Wie reagieren die Leute?
Das ist schon lustig, kürzlich schrie mich einer an, als ich ihm einen Haarschnitt anbot. Die Leute sind zurückhaltend, manchmal fühlen sie sich beleidigt. Aber ich rede mit ihnen, erkläre ihnen, dass Haareschneiden meine neue Form ist, high zu werden. Nachdem ich meine Drogensucht bekämpft habe.
Haben sie Freunde gefunden?
Manche Kunden sehe ich regelmäßig. Und ich sehe, dass sich was ändert. Verblüffend. Bei einem Klienten musste ich beim ersten Frisieren stoppen, damit er einen Deal macht. Beim zweiten Mal sagte er, er nehme seit vier Wochen kein Heroin mehr. Beim dritten Treffen war er schon Monate runter vom Stoff, hatte Gewicht zugelegt. Als er ging, umarmte er mich.
Geben Sie den Menschen neuen Mut?
Ich glaube an die Kraft des Geistes. Und daran, dass man, wenn man seine Einstellung in Kopf und Herz ändert, auch alles ändern wird.
Warum posten sie die Bilder?
Obdachlose Menschen sind in Vergessenheit geraten, aus dem Blick verschwunden. Ich will den Gesichtslosen wieder ein Gesicht geben, den Stimmlosen wieder eine Stimme.
Was ist Ihr „Lohn“?
Ich schneide gern Haare. Zusätzlich ist es ein Wunder, jemandem das Haar zu schneiden und zu sehen, wie er sich beim Blick in den Spiegel freut – das erste Mal seit einer langen Zeit.
Was ist Ihr größter Wunsch?
Haha, das ist hart. Ich nehme an, clean bleiben, damit ich meine Familie, mich und alle, die ich treffe, lieben kann. Mein größter Wunsch ist, anderen und somit Gott zu dienen.
Die Gratis-Haarschnitte von Nasir Sobhani sind vielleicht nur kleine Steinchen, die er dreht, um die Welt etwas menschlicher zu machen. Aber aus vielen kleinen Steinchen kann ein Gebirge wachsen.
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