Sieben Spiele vorbei, 13 Punkte auf dem Konto. Rang zwei für die Eisernen nach dem ersten Fünftel der Saison. Der 1. FC Union fühlt sich als Spitzenzweiter hinter Aufstiegsfavorit Köln pudelwohl. Auch wenn die Köpenicker im Rennen um die Plätze an der Sonne eher ein Außenseiter hinter den Geißböcken und dem HSV sind. Es gibt klare Indizien dafür, dass das keine Momentaufnahme bleiben muss. Der KURIER nennt einmal fünf Gründe.
Die Außenseiterrolle: Als die Eisernen im Vorjahr den Aufstieg als Ziel ausriefen, kam die Truppe mit der gestiegen Erwartungshaltung nicht klar. Sie zeigte Nerven, als Coolness angebracht war, haderte mit sich, weil es nicht nach Wunsch lief und sie unter den eigentlichen Möglichkeiten blieb. Dieser Druck, diese lähmende Erwartungshaltung ist jetzt weg. Das beflügelt!
Neue Abwehrstabilität: Fünf Gegentore sind nicht nur Ligabestwert, sondern ein Union-Rekord seit dem Wiederaufstieg vor neun Jahren. Selbst in den Spielzeiten 2016/17 und 2013/14, als die Eisernen sogar einen Zähler mehr auf dem Konto hatten, fraßen sie mit neun bzw. acht Buden mehr Gegentreffer. In der Spielzeit 2009/10 wurden die Rekord-17-Punkte bei nur sieben Gegentreffern geholt. Es nicht immer alles Gold, aber wenn was durchflutscht – so wie gegen Kiel – hält Rafal Gikiewicz die Kollegen weiter im Match.
Der Polter-Effekt
Rotation: Trainer Urs Fischer kann aus einem breiten Kader schöpfen und macht davon auch Gebrauch. Vorn wechseln sich Redondo, Hedlund und Gogia ab, im Mittelfeld ackern Hartel, Kroos und Zulj um die Plätze. Auch Reichel durfte mal raus, weil Lenz Gewehr bei Fuß steht. In absehbarer Zeit könnte Fischer auch Trimmel eine schöpferische Pause gönnen, weil Ryerson sich immer mehr einbringt.
Sebastian-Polter-Faktor: Die Rückkehr des Mittelstürmers gibt Fischer nicht nur mehr Möglichkeiten, sondern dem Team auch einen Ruck und den Glauben an die eigenen Möglichkeiten. Andersson kann so entlastet werden oder im Bedarfsfall sogar eine Doppelspitze stürmen, wenn es bei engen Spielständen Bollwerke zu knacken gilt.
Urs Fischer passt mit seiner Art perfekt zum 1. FC Union.
© imago/pmk
Urs-Fischer: Ja, der neue Trainer spielt absolut auch eine Rolle. Mit seiner ruhigen, unaufgeregten Art passt der ehrliche Malocher wie die Faust aufs Auge nach Köpenick. Leise Töne sind bevorzugt, auch wenn er mal laut werden kann. Er vergewaltigt seine Kicker auch nicht in einem System, sondern schaut, was am besten zu dieser Truppe passt. Folglich lässt er sie vorerst weiter im 4-3-3 agieren, wird andere Varianten wohl erst in der Winterpause als Alternativen einstudieren.
Ihre Meinung interessiert uns. Feedback zu diesem Beitrag senden Sie bitte an leser-bk@berlinerverlag.com