Ausgrabungsort gleicht Hochsicherheitstrakt

Jetzt wird Lenin exhumiert

Wenn Lenin könnte, würde er mit dem Kopf schütteln. Denn die Ausgrabung seines 3,5 Tonnen schweren Granit-Schädels, der einst das Lenin-Denkmal in Friedrichshain zierte, ist im Köpenicker Forst zur geheimen Kommandosache geworden.

Norbert Koch-Klaucke
Lesezeit 3 Min
1991 während der Abrissarbeiten des ehemaligen Lenindenkmals

1991 während der Abrissarbeiten des ehemaligen Lenindenkmals

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Das Grab von Lenin, tief im Köpenicker Forst. Auf dem Hügel steht der Bagger, der dort den Denkmal-Kopf heute richtig herausholen soll. Am Mittwochnachmittag wurde das schon geprobt.

Das Grab von Lenin, tief im Köpenicker Forst. Auf dem Hügel steht der Bagger, der dort den Denkmal-Kopf heute richtig herausholen soll. Am Mittwochnachmittag wurde das schon geprobt.

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Über Bretter kam der Bagger zum Lenin-Grab, das mit Zäunen vor Blicken abgeriegelt ist.

Über Bretter kam der Bagger zum Lenin-Grab, das mit Zäunen vor Blicken abgeriegelt ist.

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Während der Ausgrabung kreist diese Video-Drohne über dem überwachten Gelände.

Während der Ausgrabung kreist diese Video-Drohne über dem überwachten Gelände.

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Wachleute errichten Sichtblenden. Keiner soll den Lenin-Kopf sehen.

Wachleute errichten Sichtblenden. Keiner soll den Lenin-Kopf sehen.

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Seit Montag wird nach Lenin gegraben, dessen Kopf heute um 13 Uhr im Museum in der Zitadelle Spandau ausgestellt werden soll. Daher ist das öffentliche Interesse an der Aktion natürlich groß, zu der die Senatsverwaltung das grüne Licht gab. Doch Zuschauer werden bei der Buddelei nicht geduldet.

Das Areal ist mit Zäunen abgesperrt. Über Lenins Grab fliegen Video-Drohnen. Sicherheitsleute fahren durch den Wald. Spaziergänger, die über öffentliche Wege den Absperrungen zu nahe kommen, werden mit scharfem Unterton weggeschickt.

Wachleute versuchen sogar, Journalisten vom Lenin-Grab fernzuhalten, die über die Ausgrabung berichten wollen. Als Begründung erklären sie: „Weisung von oben!“ Das klingt ja wie zu DDR-Zeiten, als Lenin als Kultperson verehrt wurde.

Ein Forst-Beamter erklärt: „Das Areal wird auch nachts bewacht. Sicherheitsleute sollen sogar mit Hunden auf Streife gehen.“ Das Areal um Lenins Grab wurde sogar zum besonderen Gebiet erklärt, damit keiner aus der Nähe die Ausgrabung beobachten kann. „Wer es quasi unbefugt betritt, kann rechtlichen Ärger bekommen. Man darf nur mit einem bestimmten Ausweis rauf“, sagt der Beamte. Warum das so ist, weiß er nicht. Wer den Aufwand bezahlt? „Vermutlich der Steuerzahler.“ Um das Geschehen am Lenin-Grab doch sehen zu können, muss man einen Hügel erklimmen. Denn das Areal liegt in einer Senke. Als das Lenin-Denkmal 1991 abgerissen wurde, beschloss der Senat, die Einzelteile dort für alle Zeiten verschwinden zu lassen. So wollte man den Lenin-Kopf vor Beschädigungen durch Souvenir-Jäger schützen.

Am Mittwoch um 11.30 Uhr legt der Bagger das Lenin-Grab frei. Etwas später finden Arbeiter den Kopf. Als auf dem Hügel Pilzsammler auftauchen, die die Aktion beobachten wollen, werden vor der Grube sofort Sichtblenden aufgestellt. Denn um 13.15 Uhr tauchen Museums-Mitarbeiterinnen auf, die sich hinter der Abschirmung vorführen lassen, wie der Bagger den Lenin-Kopf kurz aus der Grube holt. Außenstehende sehen davon nichts, nicht mal ein Ohr oder die Nase.
Dann verschwindet Lenin im Grab, soll erst Donnerstagfrüh wieder auferstehen. Sein Kopf wird dann per Sattelschlepper nach Spandau gefahren.

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